Bruch und Dvorák im letzten Philharmonischen Konzert unter Mario Venzago

„Wie schön ist ein Klang, der nicht wabert“

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Töne wie Seide: Isabelle van Keulen interpretiert Max Bruchs Violinkonzert ohne Sentimentalität.

Bremen - Von Ute Schalz-Laurenze. Seit vielen Jahren sind die Bremer Philharmoniker mit dem Dirigenten Mario Venzago engstens verbunden: Der Schweizer hat dort unvergessliche Konzerte präsentiert, so zum Beispiel das große Schumann-Projekt. Nun konnte er das Publikum im letzten Philharmonischen Konzert mit seinen enorm genauen Vorstellungen von Musik ein weiteres Mal beglücken. Und an zwei großen Werken der Romantik zeigte er mit dem gut folgenden Orchester, was das heißt. - Von Ute Schalz-Laurenze.

Venzago kämpft um ein quasi taktloses Musizieren, ein Fließen, eine fast vibratolose Klanglichkeit und ein Erfassen von Emotionalitäten, weniger von Strukturen. Nicht, dass man die nicht gut hören würde, aber Venzago macht klar: Sie sind immer nur die Grundlage von Gefühlen. Er will kein „Ketchup-Dauervibrato“, hat er einmal gesagt und .

Max Bruchs berühmtes, 1868 im selben Jahr wie Brahms`Requiem in Bremen aufgeführtes Violinkonzert, schon damals so oft gespielt, dass der Komponist es einmal verbieten wollte, weil niemand seine anderen Konzerte anerkannte. Das „reichste und bezauberndste Violinkonzert“ nannte es der große Geiger Joseph Joachim.

So spielte es nun auch die niederländische Geigerin Isabelle van Keulen, seit zwei Jahren Professorin für Violine, Viola und Kammermusik an der Musikhochschule in Luzern: Sie interpretierte das hochvirtuose Werk ohne jegliche Sentimentalität, ließ zwar Töne wie Seide bis zu vielfachem pianissimo vernehmen, ließ aber auch Eckiges, Kantiges, Grelles und Spontanes heraussprudeln. Da war sie sich einig nicht nur mit der Konzertmeisterin, mit der sie ein geradezu inniges Lächeln verband, sondern auch mit Venzago, der seine Orchesterstrukturen weniger laufen ließ als regelrechte Klangskulpturen meißelte.

Das charakterisierte auch die Wiedergabe der siebenten Sinfonie von Antonín Dvorák. Die durchweg kämpferische, Brahms-nahe Sinfonie zeigt in allen Sätzen eine nicht endenwollende Power, die ohne Forcierung, Erschöpfung und Leerlauf gestaltet werden will. Das gelingt beispielhaft. Immer wieder schnellen Bläser-Soli heraus, stellen sich gegen satte Streicher-Melodien. Ein orgiastischer Klangrausch, der gleichzeitig viele spannungsvolle Einblicke in strukturelle Vorgänge wie Kontrapunktik und Gegensätzlichkeit von Themen verschafft. Eingangs erklang die zutiefst (spät)romantische, Richard Strauss-getränkte, aber erst 1945 geschriebene „Sommernacht“ von Othmar Schoeck.

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