Deutsche Kammerphilharmonie spielt Johannes Brahms

Ein Bremer Requiem

Ein Jahr hat es von den ersten Planungen bis zum Konzert gedauert, heute Abend spielt die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen „Ein Deutsches Requiem“ von Johannes Brahms. Passend zum 150. Jubiläum seiner Uraufführung.

Bremen - Von Mareike Bannasch. Zielstrebig geht die Frau die grauen Stufen hinauf, schiebt ihre Sonnenbrille in die Haare und rüttelt an der Tür. Vergeblich. Der Bremer St.-Petri-Dom ist geschlossen – zumindest für die Öffentlichkeit. Hinter den dicken Mauern bereiten sich andere auf ihren großen Auftritt vor: Die Rede ist von den Musikern der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, die heute Abend „Ein Deutsches Requiem“ von Johannes Brahms spielen werden. Auf den Tag genau 150 Jahre nach der Uraufführung, die der Komponist damals selbst dirigierte.

Doch bis es so weit ist, liegen noch einige Proben vor dem Ensemble und ihrem Dirigenten Paavo Järvi. Genauso wie vor den Technikern, die durch die Reihen wuseln, letzte Kabel verlegen und immer wieder den Ton überprüfen. Das bereits seit Wochen ausverkaufte Konzert wird nämlich vom ZDF aufgenommen und am 22. April auf 3sat ausgestrahlt. Brahms‘ Requiem mit der Deutschen Kammerphilharmonie und dann auch noch am Ort seiner Uraufführung – dieses Konzept überzeugt auch Programmdirektoren.

Damit im Fernsehen dann alles richtig klingt, tragen die Musiker, die Sänger vom Lettischen Staatschor „Latvija“ und die Solistin Valentina Farcas, auch bei den Proben volle Montur, oder besser gesagt ihre schwarze Konzertkleidung. Was die Kleidung mit dem Klang zu tun hat? Ziemlich viel, denn jeder Stoff erzeugt bei Bewegungen Geräusche, und die müssen abgemischt werden.

Ulrich König gehört seit 1988 zum Ensemble der Deutschen Kammerphilharmonie.

Während Techniker genau diese Mischung ausbalancieren, unterbricht Paavo Järvi bereits zum dritten Mal das Orchester. Er ist nicht zufrieden, erklärt immer wieder mit großer Geste, wie er sich das Spiel vorstellt – und singt die Melodie schließlich vor. Anweisungen, die das Ensemble direkt umsetzt, Dirigent und Orchester kennen sich schließlich seit Jahren.

Dennoch, auch die Deutsche Kammerphilharmonie kann Brahms‘ Requiem nicht einfach vom Blatt spielen. „Als Musiker hat man es mit der besonderen Akustik im Dom nicht einfach“, erklärt Ulrich König. Der Bassumer ist Oboist und spricht ein Problem an, das viele Hörer aus dem St.-Petri-Dom kennen – seinen vergleichsweise langen Nachhall von 5,4 Sekunden (gemessen bei 1 000 Besuchern). Doch davon ist an diesem Morgen nichts zu hören, ganz im Gegenteil. Während der Klang des Orchesters durch das riesige Gebäude dröhnt und sich schließlich noch der Chor kraftvoll dazugesellt, bekommt der Zuhörer immer wieder Gänsehaut.

Zeit zum Proben verloren

Bei einem Orchester vom Rang der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen ist solch ein Klangerlebnis eigentlich erwartbar, dennoch: Dass hier alles fast reibungslos klappt, ist nicht selbstverständlich. Denn das Ensemble hat Zeit zum Proben verloren. Nach Gastspielen in Paris und Aix en Provence in der vergangenen Woche gerieten die Musiker in die Streiks in Frankreich, und die Rückreise verzögerte sich. Eine Verschiebung, die auch Auswirkungen auf den Probenplan hat – mit einer Ausnahme. Die Generalprobe stand in jedem Fall am Montagabend auf dem Programm, die Kameras mussten auf das Abendlicht eingestellt werden.

Und auch wenn Ulrich König bereits zum fünften Mal Brahms‘ Requiem spielt, ist dieses Konzert etwas ganz besonderes für ihn. „Es ist sehr berührend, wenn man sich vorstellt, dass der junge Brahms genau an dieser Stelle gestanden und sein Requiem, das er extra für den Dom komponierte, dirigiert hat.“ Eine Komposition, die dem 35-Jährigen zum Durchbruch verhelfen sollte und mit seinen fließenden Akkorden und Texten voller Trauer und Zuversicht bis heute Millionen zu Tränen rührt. Mit Sicherheit auch heute Abend.

Johannes Brahms „Ein deutsches Requiem“ mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen ist am 22. April um 11.30 Uhr auf 3sat zu sehen.

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