Die Bremer Philharmoniker widmen sich den Werken von Gershwin und Ives

Urfassung als Uraufführung

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Aus 150 Klavierliedern von Charles Ives wählt Helen Schneider in der Bremer Glocke vier aus.

Bremen - Von Ute Schalz-Laurenze. „Es gibt nur zwei Arten von Musik: gute und schlechte“. Das hat Louis Armstrong gesagt, aber es ist mit Sicherheit auch die Meinung des Bremer Generalmusikdirektors Markus Poschner, der schon mehrfach ganz unterschiedliche Cross-Over-Projekte mit den Philharmonikern angeboten hat. Diesesmal führte der Weg nach Amerika, zu Charles Ives und George Gershwin. Ives Musik – von der er schon lange ein Fan sei, so Poschner – gehört zu Amerika wie kaum eine andere: Mit den „Three Places in New England“ beschreibt der Komponist, der sein Geld als erfolgreicher Versicherungsvertreter verdiente, 1903 bis 1914 das Denkmal „St. Gaudens“ mit seinen Erinnerungen an den Unabhängigkeitskrieg der USA, seinen Wachträumen und Spaziergängen. - Von Ute Schalz-Laurenze.

Poschner führt das Riesenorchester mit gewohnter Intensität aus einem wunderbaren Pianissimo heraus durch die Ives‘sche Fülle von Einfällen – Märsche, populäre Melodien, zauberhafte Stimmungen – und macht einmal mehr klar, welche noch immer unterschätzte Bedeutung Ives mit seiner Montagetechnik für die Musik des 20. Jahrhunderts hatte.

Klavierlieder von Ives – ungefähr 150 hat er veröffentlicht – sind hier gänzlich unbekannt. Die vielseitige Chanson-Sängerin Helen Schneider wählt vier aus, die auch mit dem Orchesterarrangement von William Bolcom die Originalität und den Ausdrucksreichtum seiner Musik zeigen. Gehört die Musik von Ives heute im Bewusstsein der Zuhörer zur klassischen Musik, so gilt die von George Gershwin noch immer als Unterhaltungsmusik.

Dabei ist Gershwin ohne Ives gar nicht denkbar. Und Unterhaltungsmusik? Nicht wirklich, es ist einfach nur unglaublich gute Musik. Der „Amerikaner in Paris“ erklingt in Orchesterkonzerten, wenn überhaupt, immer nur in einer reduzierten Fassung und Besetzung, die der Dirigent der Uraufführung Walter Damrosch 1928 verantwortete. Sie ist auch die Grundlage für den gleichnamigen Film, für den Gershwin einen Oscar erhielt. Den Bremer Philharmonikern gelingt nun eine Sensation – und erst in letzter Minute kam die Erlaubnis der Ives-Gesellschaft: es erklingt die originale große Orchesterurfassung, die Boris Hellmers-Spethmann nach dem Manuskript erarbeitete. Da sie bislang noch nie gespielt wurde, handelt es sich wahrscheinlich um eine Uraufführung. Die Musiker baden mit einer unerhörten Energie geradezu in der Wucht und dem Klangfarbenreichtum mit allein drei Saxophnisten, und in den vielen charakteristischen Stilen, wie den Geräuschen der Großstadt, den nostalgischen Blues-Melodien, den Tänzen und Jazz-Einlagen.

War schon diese Aufführung einfach mitreißend, so konnte der Eindruck durch einige Chansons aus Musicals von Gershwin noch gesteigert werden: Denn dafür kann man sich kaum Einfühlsameres vorstellen als den berührend existentiellen Gesang Helen Schneiders. Der wurde noch unterstützt durch Poschners Klavierspiel und die tollen Instrumentalisten der Big-Band (Hugo Siegmeth, Saxophon, Harald Scharf, Kontrabass und Bastian Jütte, Percussion).

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