Lerche und Feuervogel

Bremer Philharmoniker und Isabelle van Keulen in der Glocke

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Isabelle van Keulen

Bremen - Von Ute Schalz-Laurenze. Die Bremer Philharmoniker sind immer darum bemüht, in ihren Programmen Kontexte und Perspektiven aufzuzeigen. So präsentieren sie unter der Leitung von Dirk Kaftan, Generalmusikdirektor in Bonn, bei dessen Bremer Debüt Werke der vorletzten Jahrhundertwende aus Amerika und Russland. Eine Zeit, die vielfältige und vollkommen unterschiedliche Grundlagen für die weitere Entwicklung der Musikgeschichte legte und an diesem Abend die Stimmen von Vögeln hinzunimmt.

Aus der derzeitigen Hochform des Orchesters kann Kaftan alles herausholen. Wenn dann noch die fabelhafte Geigerin Isabelle van Keulen dabei ist, steht einem erfolgreichen Konzert nichts im Weg. Van Keulen steuert das 1939 geschriebene Violinkonzert von Samuel Barber bei, das mit oder trotz seiner Hollyood-Süffigkeit schlichtweg mitreißend ist und mit einer schier atemberaubenden rhythmischen Virtuosität besticht.

1914 entstand Vaughan Williams „The Large Ascending – Romanze für Violine und Orchester“, das den Gesang einer Lerche imitiert. Auf einem zarten Klangteppich breitet Kaftan einen Pianissimozauber aus, der das Markenzeichen dieses Konzerts ist: Lautstärke an der Grenze zur Unhörbarkeit und des Verschwindens, voller Geheimnis.

Van Keulen kostet den meditativen Gesang unnachahmlich aus. Und dann eines der großen Werke von Charles Ives, der einen so ganz anderen Weg fand als die europäische Auflösung der Tonalität: In „Central Park in the Dark“ montiert er ganz unterschiedliche Alltagsgeräusche, die sich aus der Dunkelheit entwickeln. Das allerdings hätte etwas deutlicher sein dürfen.

Für den Choreografen Serge Diaghilev und seine russischen Ballette schrieb Igor Strawinsky in Paris den „Feuervogel“ (1910), dessen Geschichte vom bösen Zauberer und dem Zarewitsch Ivan, der den Feuervogel fängt, eine Vorlage für einen enormen Reichtum an Rhythmen, an Klangfarben, an Energien und Klangschönheiten ist. Die szenische Imagination wird wunderbar erreicht, beeindruckend ist auch die Balance zwischen dem innerlich getriebenen dramatischen Vorgang und der archaischen Wucht stampfender und synkopischer Rhythmen. Die Länge der Partitur – 45 Minuten –, die dann doch das szenische Geschehen vielleicht erforderlich machen würde, kann auch Kaftan nicht ganz überspielen. Aber er schafft es immer wieder, durch die Besonderheit und Intensität der Atmosphären regelrechte Räume herzustellen. Lohnenswert, sich dieses spannende Konzert anzuhören. Gelegenheit gibt es dazu am Montagabend um 20 Uhr in der Bremer Glocke.

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