Bremer Philharmoniker interpretieren Gustav Mahlers Sinfonie Nr. 6

Bitterer Trank des Lebens

+
Markus Poschner

Bremen - Von Ute Schalz-Laurenze. Gustav Mahlers verzweifelte Welten, die er in seinen Sinfonien „gebaut“ hat, wie er selber sagte, haben uns die Bremer Philharmoniker unter Markus Poschner nun schon vielfach gezeigt (es fehlt nur noch die Achte). Sind die Aufführungen gut – und das waren sie ohne Ausnahme immer –, dann erschüttern sie das Publikum immer wieder aufs neue und immer wieder auf ganz unterschiedliche Weise. - Von Ute Schalz-Laurenze.

Das geschah nun auch beim letzten Philharmonischen Konzert mit der Wiedergabe der wohl tragischsten Sinfonie, der sechsten aus dem Jahr 1903. Der Hammerschlag aus dem letzten Satz trägt die Interpretationsanweisung „Wie ein Axthieb“, womit Mahler die endgültige Vernichtung des geschilderten Helden, als den er sich selber sah, verstand. In eineinhalb Stunden wird ein Schicksal erzählt, das ohne Atempause und ohne Ermüdung in immer neuen Facetten die Unerträglichkeit des Daseins erträgt, beziehungsweise letzten Endes eben nicht erträgt, ein schonungsloses Menschenbild.

Es bleibt das Geheimnis von Poschner, die kleinsten Artikulationen und Klangfarben mit einer Intensität und damit Spannung aufzuladen, die den Hörer nie aus der Anspannung entlässt. Und die sind von einer Deutlichkeit, dass man nicht selten das Gefühl hat, es sei gar keine Musik, sondern das Grauen von Grotesken, Fratzen, von Märschen aus der Kindheit, die bedrohlich in der Seele sitzen, es sind diese irrealen Zärtlichkeiten und die scheinbar unbeschädigte Natur, die immer wieder vergeblich versuchen, Fuß zu fassen, es ist der Zauber des Torkelns spielender Kinder.

Es gelingt ein unendlicher gedehnter Atem, der nie lang wird, sondern zwingend nach vorne zieht: Dies kann das Orchester unter Poschner inzwischen meisterhaft. Darin und in den atemberaubenden Solobläsern, die es verstehen, in jedem Augenblick aus ihren hochvirtuosen und wahnsinnig schweren Stellen seelische Momente zu machen, die die Materialität des Instrumentalklanges vollkommen verlassen, besteht das überragende Niveau dieser Wiedergabe und wird zu dem, was der Komponist für seine erste Sinfonie verstand, zu einer „brennenden Anklage gegen den Schöpfer“ oder für diese Sinfonie: „…der bittere Geschmack im Trank des Lebens“. Die Reaktion des Publikums jedenfalls – kein Huster war zu hören! – machte sich nach einer zurückhaltenden Betroffenheit in stehenden Ovationen Luft.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Was Jugendliche über K.o.-Tropfen wissen sollten

Was Jugendliche über K.o.-Tropfen wissen sollten

Das sind die neuen Motorräder für 2020

Das sind die neuen Motorräder für 2020

Auf der Spur des Weihrauchs im Oman

Auf der Spur des Weihrauchs im Oman

Wie werde ich E-Commerce-Kaufmann/frau?

Wie werde ich E-Commerce-Kaufmann/frau?

Meistgelesene Artikel

Mehr Metal für Bremen: Hellseatic-Festival kommt 2020 an die Weser

Mehr Metal für Bremen: Hellseatic-Festival kommt 2020 an die Weser

Einmal Virtualität und zurück

Einmal Virtualität und zurück

Entwickelter Alltag

Entwickelter Alltag

Prima Madonna

Prima Madonna

Kommentare