Bremer Philharmoniker: Große Gefühle mit Rachmaninow und Prokofiew

Was fürs Herz

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Nicht nur für Musiker geschrieben: Liza Ferschtman interpretierte in der Bremer Glocke Sergej Prokofiews Violinkonzert op. 63.

Bremen - Von Ute Schalz-Laurenze. An der Musik des russischen Komponistern Sergej Rachmaninow (1873-1943) scheiden sich die Geister: Ein sentimentaler Salonkomponist ist er den einen, ein emotionaler Herzmusiker den anderen. Darüber lässt sich kaum diskutieren, zumal er Apologeten wie Tadlern Argumente liefert.

Seine zweite Sinfonie, geschrieben 1907 nach einer Schaffenskrise, aus der ihn erst eine mehrjährige psychotherapeutische Behandlung wieder herausholte, dauert über eine Stunde. Es bedeutet Mut, dieses Riesenwerk in ein Konzertprogramm zu setzen und noch mehr Mut, es einem gerade mal dreißigjährigen Dirigenten anzuvertrauen: So gehört beim letzten Konzert der Bremer Philharmoniker unter der Leitung des jungen Spaniers Antonio Méndez, der damit ein bedenkenswertes Debüt in Bremen hinterließ.

Die Leistung von Orchester und Dirigent waren überdimensional: Trotz Längen gelang ein Bogen und eine Spannung von vier Sätzen, die in Ovationen endeten. Dass weder Méndez noch das Orchester an Grenzen kamen, die ein Nachlassen dieser Spannung zur Folge gehabt haben könnten, war irgendwie unfassbar faszinierend. „Schmachtfetzen“ meinten einige aus dem Publikum: So unrichtig ist das nicht für einen Komponisten, der sagte, er schreibe lediglich nieder, „was während des Komponierens in meinem Herzen ist“. Méndez achtete bei aller Breite, aller Weitschweifigkeit, allem Klangrausch auf artikulatorische Präzision – sehr detailliert sind die Vortragsbezeichnungen in der Partitur – und kammermusikalische Durchsichtigkeit, die davon überzeugten, dass man sich einem solchen Werk einmal aussetzen sollte.

„Von russischer Seele“ hieß das Programm und Sergej Prokofiew (1891-1953) erzählte mit seinem zweiten Violinkonzert op. 63 nun etwas davon, dass wohl in keinem Land der Welt die Musik derart gemaßregelt wurde wie in der ehemaligen Sowjetunion. 1936 kehrte er nach jahrelangem Leben im Ausland aus Heimweh zurück nach Russland, und da galt die einfache Musik des sogenannten sowjetischen Realismus. Schon 1935 zeigt sein zweites Violinkonzert entsprechende Auffassung, „seine Musik sei nicht für Musiker, sondern für alle geschrieben“. Die niederländische Geigerin Liza Ferschtman spielte die einschmeichelnden Melodien, die folkloreartigen Rhythmen, die wunderbar ausufernde Virtuosität mit einem überzeugenden Ansatz des „Erzählens“: Unendlich wirkten ihre bezaubernden dynamischen Fähigkeiten vom geheimnisvollen Pianissimo bis zu geradezu greller Fetzigkeit. Auch sie erhielt außerordentlichen Beifall.

Weiteres Konzert: heute um 20 Uhr in der Glocke.

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