Golden Press und Erotic Toy Records

Bremer Gründerzeit

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Tightills Album gibt es auch auf Kassette.

Bremen - Von Rolf Stein. „Geile Scheiße machen, damit es geile Scheiße gibt“: So einfach ist das aus der Sicht eines noch sehr jungen Bremer Verlags, der jetzt auch noch Musik veröffentlicht. Golden Press heißt das verlegerische Projekt, das unmittelbar mit dem Golden Shop verbunden ist, seinerseits schon ein Hybrid zwischen Buch- und Plattenladen. Antizyklisch muss man es wohl nennen, heute Musik nicht nur auf Vinyl, sondern auch auf Musikkassette auf den Markt zu bringen.

Aber der Reihe nach: Die erste Veröffentlichung aus dem Hause Golden Press war dann doch ein Buch, ganz klassisch, gebunden, Fadenheftung, 20 mal 26 Zentimeter – auf den 128 Seiten von „Copines“, so der Titel, Fotos von Rolle, einem Fotografen, Zeichner, Musiker und Filmemacher, der zurzeit in Kassel lebt, aber auch schon im legendären Bremer Comic-Magazin „Panel“ seine Spuren hinterließ.

Zu sehen sind darauf Menschen und Siedlungen, in denen sie wohnen. Für die meisten von uns dürften es Blicke in eine fremde Welt sein. Weniger weil wir vielleicht noch nie in Perpignan waren oder in Sofia. Eher schon, weil die Menschen, die wir hier sehen, noch dort Fremde sind. Rolle hat in Bulgarien Roma fotografiert, in Schwarz-Weiß, in Frankreich Graffiti in dem hauptsächlich von Roma bewohnten Stadtteil Saint Jacques. Texte in Deutsch und Englisch ordnen das Bildmaterial ein, das zwischen 2010 und 2017 entstand, der Fotograf gewährt zudem im Interview Einblick in die Entstehung seiner Bilder.

Mit der zweiten und der dritten Veröffentlichung von Golden Press sind wir schon bei einer weiteren, immer noch recht frischen Bremer Gründung: Erotic Toy Records präsentiert sich als unorthodoxes Hip-Hop-Label. Die überregionale Fachpresse macht sich deswegen schon nach Bremen auf. Zugpferd der Szene ist Tightill, dessen Album „Infinity“ vor wenigen Wochen erschienen ist – zunächst auf Vinyl und digital, dann auch noch auf Kassette. In Bremen geboren und aufgewachsen, zog es Tightill, der sich über seinen bürgerlichen Namen ausschweigt, nach Barcelona und Berlin, Hausbesetzerszene und Punkrock spielten wichtige Rollen in seinem Leben. Jetzt lebt er wieder an der Weser. Dogmatismus liegt ihm so wenig wie die Macho-Attitüden, die im Genre Konjunktur haben. So ist auf „Infinity“ für ruppigen Hardcore-Punk ebenso Platz wie für NDW-Anleihen, betont schluffige Raps und Zeilen wie: „Hör mich Hippie an / wie ein Lauch“. Der dritte Golden-Press-Streich kommt vom gleichen Kiez: Von Jay Pop, ist dieser Tage das Tape „Oceanspray“ erschienen – auch das ein angenehm verstrahlter Rap-Entwurf.

Hören und Lesen:

Erotic Toy Records live: Freitag, ab 19 Uhr, Kioto im Kulturzentrum Lagerhaus, Bremen; Bei Golden Press erschienen:

Rolle: „Copines“

Tightill: „Infinity“

Jay Pop: „Oceanspray“.

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