David Safier hofft auf jugendliche Leser

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David Safier: Umschwung in der Themenwahl.

Bremen - Von Sabine Komm. Der Bremer Autor David Safier hat nach schrägen Bestsellern wie „Mieses Karma“ und „Muh“ jetzt einen Roman geschrieben, der im Warschauer Ghetto spielt. „28 Tage lang“ erzählt von jungen Menschen, die sich gegen die Nationalsozialisten auflehnen.

David Safier zählt zu Deutschlands Beststellerautoren. Seine tierisch komischen Romane „Muh“ und „Mieses Karma“ haben den Nerv vieler Leser getroffen. Jetzt der Kontrast: Safiers neues Buch „28 Tage lang“ ist ein Buch über jüdische Widerstandskämpfer im Nationalsozialismus. Nach fünf lustigen Romanen in Folge habe er eine Pause machen und einmal etwas ganz anderes schreiben müssen, sagte der Bremer (47) in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa.

Frage: Warum haben Sie das Thema des Aufstands junger Kämpfer im Wahrschauer Ghetto aufgegriffen?

David Safier: Vor 21 Jahren habe ich als junger Journalist im Bremer Dom eine Rede zum 50. Jahrestag des Ghettoaufstands gehalten. Das Thema des Ghettos mit seinem Nebeneinander von Menschlichkeit und menschlicher Niedertracht hat mich seitdem nie wieder losgelassen. Zumal es ja auch im jüdischen Teil meiner eigenen Familie Verfolgung und Tod im Nationalsozialismus gab. Mein Großvater ist im KZ Buchenwald umgekommen, meine Großmutter im Ghetto in Lodz. Auch mein Vater wurde verfolgt. Das hat sich auch auf mich ausgewirkt. Es ist ja erwiesen, dass Kinder von Holocaust-Opern viele irrationale Ängste haben. Gleichzeitig habe ich erlebt - und auch das ist in mein Buch eingeflossen -, dass man sich durch ein Trauma nicht zerstören lassen muss. Mein Vater hat neues Leben in die Welt gesetzt und dafür sogar seine Alkoholsucht überwunden. Ich war so eine Art Hoffnung für ihn, eine Form von Glück.

Frage: Die frei erfundene Hauptfigur im Roman ist die 16-jährige Mira. Richtet sich Ihr Buch an Jugendliche oder Erwachsene?

David Safier: Es ist ein Buch für alle, wobei ich hoffe, dass gerade Jugendliche so einen neuen Zugang zu diesem Thema bekommen. In meinem Buch geht es um junge Leute, die sich gewehrt haben, und um die Liebe im Schatten des Todes. Das Ganze ist spannend und sehr emotional erzählt, mit den Mitteln des Unterhaltungsromans. Meine Lieblingsszenen sind die, wo es um menschliche Größe geht. Im Ghetto gibt es zum Beispiel den Leiter des Waisenheims, Janusz Korczak, der sein Leben hätte retten können, sich aber entscheidet, zusammen mit den Kindern in die Züge zum KZ zu steigen, damit die Waisen auf dieser letzten Reise nicht allein sind. Dagegen stehen Szenen, wo Menschen ihre eigenen Eltern verraten haben, um einen oder zwei Tage länger leben können. Während ich an „28 Tage lang“ gearbeitet habe, hatte ich das Gefühl, es gibt keine Geschichte, die mich so emotional gepackt hat wie diese.

Frage: Wie schaffen Sie den Spagat zwischen lustigen und ernsten Büchern?

David Safier: Grundsätzlich ist es ja so, dass ein Mensch nicht nur lustig oder nur ernst ist. Man kann ganz unterschiedliche Dinge schreiben und tun. Bei Schauspielern ist das selbstverständlich. Dustin Hoffman kann ja mit der Travestie-Komödie „Tootsie“ einen Oscar gewinnen oder mit dem Filmdrama „Rain Man“, wobei ich damit nicht sagen will, dass ich einen Oscar gewinnen will. Mein siebter Roman, an dem ich gerade sitze, wird auf jeden Fall wieder lustig sein.

ZUR PERSON: David Safier (47) ist Bestsellerautor mit mehr als drei Millionen verkauften Büchern. Schräge Romane wie „Mieses Karma“ und „Muh!“ haben ihn international bekanntgemacht. Sein Roman „Jesus liebt mich“ wurde 2012 verfilmt. Nach der Vorlage seines Erfolgsbuches „Happy Family“ entsteht gerade ein Animationsfilm. Für das Drehbuch der TV-Serie „Berlin, Berlin“ wurde Safier mit dem Deutschen Fernsehpreis und dem amerikanischen Emmy ausgezeichnet. 2010 gegründete er die Stiftung „Gutes Karma“ zur Förderung weltweiter Bildungsprojekte. Zurzeit entsteht sein siebter Roman. Der Autor lebt mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen in Bremen.

dpa

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