Richtschnur für Anzahl der Konzerte

„Bekommen das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht“

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Bausenator Joachim Lohse bekennt sich zur Vielfalt des Viertels und empfindet das Treffen mit den Viertel-Gastronomen sehr konstruktiv.

Bremen – Von Pascal Faltermann. Es war ruhig geworden in der Diskussion um kulturelle Vielfalt, Spielräume für Musiker und den Wert von Kultur in Bremen. Doch im Hintergrund tat sich einiges. Am Mittwoch kam es zu einem Treffen von mehreren Gastronomen aus dem Viertel sowie der Neustadt mit Politik und Verwaltung.

Es ging wieder einmal um die Anzahl von Konzerte pro Jahr, um Lautstärke, Müll, Glasbruch und Anwohnerbelästigung. Und es gibt erste Lösungen.

Die Gastronomen um Litfass-Betreiber und Clubverstärker-Vorsitzenden Norbert Schütz setzten sich mit Bausenator Joachim Lohse, Hellena Harttung (Ortsamtsleiterin Mitte) und Marita Wessel-Niepel (Leiterin des Stadtamtes) zusammen. Lohse wie auch die Gastronomen bezeichneten das Gespräch in einer Pressemitteilung der Senatspressestelle am Freitag als ausgesprochen konstruktiv und zukunftsgerichtet. Es wird also nicht nur nach Lösungen gesucht, es gibt auch erste Resultate. Bereits Ende April hatten sich Sprecher der Kulturschaffenden und Gastwirte mit Senator Lohse und den Grünen zusammengesetzt (wir berichteten).

„Wir bekommen das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht“, sagte Clubverstärker-Chef Schütz am Freitag auf Nachfrage der Kreiszeitung. Es habe eine gute Zusammenarbeit mit vernünftigen Ergebnissen gegeben. Auch Lohse bestätigte dies in der Mitteilung: "Ich habe mich sehr über die gute Atmosphäre und die Ergebnisse gefreut." Das gemeinsame Ziel des Gespräches war es, das Bremer Viertel sowie Gastronomiebetriebe etwa in der Neustadt, in die Lage zu versetzen, weiterhin ihrer wichtigen Rolle für die Bremer Kleinkunstszene gerecht zu werden. Zugleich war es allen Beteiligten ein ernstes Anliegen, den Interessen der Anwohner gerecht zu werden. Weitere Gespräche sollen folgen.

Ein Weg auf den sich alle einigten, ist bei den Genehmigungen für die Konzerte gefunden worden. Auch wenn Lohse betont, dass man sich dabei in einer Grauzone befinde. Politik und Verwaltung habe den Gastronomen die Empfehlung gegeben, dass sie mit einem Konzert pro Monat als Richtschnur juristisch relativ sicher fahren. Gemeint seien damit Konzerte, die elektrisch verstärkt sind oder Bands, die mit Schlagzeug auftreten. Also Konzerte, die einen entsprechenden Schallpegel erreichen. Es habe zuvor unterschiedliche Genehmigungsprozesse gegeben, nun einigte man sich auf einen gemeinsamen Weg, damit die Gastronomen ihr kulturelles Programm planen können, so Schütz. Für unverstärkte Konzerte von Singer-Songwritern scheint es somit keine Deckelung zu geben.

Erleichtert sagt er zu dem konkreten Ergebnis: "Bisher sind wir davon ausgegangen, dass die Zahl acht bis zwölf Veranstaltungen pro Jahr ein klarer Deckel durch die Bauaufsicht und das Stadtamt sind. Und dass davon die Übertragung des Werder-Spiels bis hin zum richtigen Konzert in Summe gemeint sind. Dass dies eher als Empfehlung zu verstehen ist und alle Beteiligten noch einmal deutlich gemacht haben, dass seitens des Stadtamtes oder der Baubehörde nicht die Absicht besteht, alleine schon wegen der wöchentlichen Übertragung von Werder-Spielen Konzessionen zu entziehen, gibt uns wieder mehr Planungssicherheit und freut uns natürlich." Jakob Humbert von der Heldenbar (Cinema im Ostertor) habe den Prozess maßgeblich in Gang gesetzt.

Bausenator Lohse erklärt, dass diese Regelung prinzipiell weniger eine Frage der Bauordnung oder des Stadtamtes sei, sondern es darum gehe, Klagen von Anwohnern nach Möglichkeit zu vermeiden. Zudem sei an die Gastwirte appelliert worden, sich eng mit den Nachbarn abzustimmen und möglichst viel Rücksicht zu nehmen.

Sammelstellen für Glasflaschen

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Auch die Sauberkeit des Viertels und das Toiletten-Problem waren Thema. Ortsamtsleiterin Hellena Harttung verspricht: "Wir werden in absehbarer Zeit weitere Müllcontainer aufstellen." Zudem stehe sie in enger Abstimmung mit der "Leitstelle Saubere Stadt", so dass die Reinigungsintervalle angepasst werden. Zum Thema Glasbruch gebe es theoretisch die Option, im Viertel zeitweise ein Glasflaschenverbot zu verhängen. In der in der Waffenverbotszone rund um die Diskomeile existiere dies bereits. Als erfolgversprechender empfanden es aber alle Beteiligten, zunächst mit Sammelstellen für Glasflaschen zu beginnen.

Dazu Norbert Schütz: "Wir Gastronomen können uns vorstellen, Viertelkästen vor den Kneipen zu deponieren, in denen man sein Glas abstellen kann." Dies könne dann von Pfandsammlern entsorgt werden. Bei einem weiteren Problem wollen Behörde und Gastronomen die Zusammenarbeit intensivieren. Ein Dorn im Auge vieler Viertelbewohner ist es, dass häufig ihre Vorgärten mit Toiletten verwechselt werden. Dazu soll jetzt das Konzept "Nette Toilette", der sich auch die Viertel-Gastronomen angeschlossen haben, noch stärker in den Kneipen beworben werden. Senator Lohse: "Eins muss betont werden: Die Gastronomen sind bei Müll, Glasbruch und Urinieren in Vorgärten nicht das Problem. Sie können viel mehr Teil der Lösung sein."

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