„Theaterpunk“ zeigt „Leutnant von Inishmore“

Alles für die Katz

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Die junge Mairead (Felix Rieder-Grundmann) schießt mit Vorliebe auf Kühe. 

Bremen - Von Rolf Stein. Woran denken Sie, wenn Sie an Terroristen denken? An bärtige Männer vielleicht, die „Allahu akbar!“ rufen? In Martin McDonaghs Stück „Der Leutnant von Inishmore“, übrigens in Deutschland kurz nach dem 11. September 2001 erstaufgeführt und nun in Bremen an einem ungewöhnlichen Ort zu sehen, begegnen wir Terroristen, die uns kulturell deutlich näher sind. Sie bilden Splittergruppen von Splittergruppen irischer Freiheitsbewegungen. Sie foltern, legen Bomben, hantieren mit Knarren herum – und sind vernarrt in Katzen. Sogar töten würden sie für die schnurrigen Vierbeiner. Und all das geschieht nicht in einer legendären Vergangenheit, sondern immerhin im Jahr 1993.

Von McDonagh ins Groteske übersteigert, liefert die Stückvorlage, die Regisseur Jonathan Prösler jetzt in der legendären Bremer Absturzkneipe „Heartbreak Hotel“ inszeniert hat, jede Menge Material für Tarantino-Szenen, mit grimmigem Witz und viel Kunstblut angerichtet. Und Prösler nimmt diese Gelegenheit durchaus wahr. Allerdings schaltet er ihnen noch eine ganz entscheidenden Kniff vor: Die fünf Männerrollen des Stücks werden allesamt von Frauen gespielt. Während die eine Frauenrolle von einem Mann gespielt wird, der eines augenscheinlich ganz und gar nicht ist: irgendwie ambivalent oder gar androgyn. Gekleidet sind sie alle in weißen Feinripp (Kostüme: Nadia Noack), wohl nicht zuletzt, weil man darauf das Kunstblut so schön sehen kann. Das in Mengen fließt. Zum Glück hat Bernhard Prösler für den Abend ein Bühnenbild erschaffen, welches verhindert, dass die Zuschauer in der einigermaßen kleinen Kneipe besudelt heimgehen müssen. Der Verschlag, auf, in, neben und vor dem gespielt wird, erinnert ein wenig an eine Duschkabine.

Die beiden Hauptfiguren, der selbst für die IRA zu durchgeknallte Padraic (Shalün Schmidt) und die seit der Pubertät in jenen verliebte, auf Kühe schießende Mairead (Felix Rieder-Grundmann), eskalieren sich in einen Gewaltrausch hinein, als wären sie Bonnie und Clyde. Während die übrigen Figuren (gespielt von Andrea zum Felde, Ulrike Knospe, Hanna Markutzik und Susa Hannsen) angesichts des großen Donnerwetters in Panik geraten, das sie heraufziehen sehen, falls Padraic herausfindet, dass seine geliebte Katze tot ist. Und natürlich findet er es heraus.

Das folgende Blutbad ist derweil einerseits, nun ja, blutig. Sehr blutig. Andererseits ist es so dermaßen zum Kinderspiel überzeichnet, dass wir darüber lachen. Und zwar eben gerade auch über diese Terroristen in Unterhosen, die sich im Zweifelsfall am ehesten noch selbst in die Luft jagen. „Eine entlarvende Wirkung auf den gesprochenen Text“ hatte sich Regisseur Prösler derweil von der Entscheidung versprochen, Männlein und Weiblein über Kreuz zu besetzen. Der „Leutnant“ sei schließlich „ein Text über männliche Gewaltstrukturen“. Es scheint einigermaßen aufzugehen. Was da im engen Schankraum zwischen Tresen, Poledance-Stange und Zigarettenautomat zu sehen ist, eignet sich zumindest ganz und gar nicht für die pseudoironische Feier männlicher Härten. Und hintertreibt die einschlägigen Romantizismen höchst effektiv.

Nächste Vorstellung: 21. Juni, 19.30 Uhr, Heartbreak Hotel, Fehrfeld 30, Bremen.

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