Künstlerräume in der Weserburg

Mit bösen Buben und Mädchen

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Gewalt, überall nur Gewalt: Igor Grubic, 366 Liberation Rituals, 2008 – 2009 (Detail)

Bremen - Von Rolf Stein. Zum fünften Mal hat die Weserburg Künstler eingeladen, nach eigenem Gusto und Konzept Räume zu bespielen. Womit eines schon klar ist: Hier regiert die Gegenwart. Und zweitens: Statt des Kurators, der in den letzten Jahren eine erstaunliche, nicht unumstrittene Karriere gemacht hat, entscheiden die Künstler, was zu sehen ist.

Und so lässt sich, ganz ohne aufgestülpten Zusammenhang unter anderem ergründen, ob es in der zeitgenössischen Kunstproduktion eben Themen gibt, die zur Verarbeitung drängen. In der Weserburg stößt man da schnell auf eine Sache: Gewalt. Auf ihre schon typisch zu nennende Weise hat sich die Bremer Malerin Sibylle Springer einer Reihe weiblicher Mörderinnen angenommen und sie porträtiert, wobei die Methode der Übermalung zwar von ihren letzten Arbeiten her bekannt ist, hier aber nicht zuletzt des kleineren Formats und des seriellen Charakters wegen eine Eigenständigkeit hat. Der Farbauftrag lässt je nach Blickwinkel ein anderes Bild erscheinen. Die Geschichten dahinter stehen dabei nicht im Vordergrund, allerdings regen sie zur Recherche an.

Im Raum von Danny Devos begegnen wir einem weiteren Gewalttäter: Der unlängst im Gefängnis gestorbene Charles Manson, der den Traum der Hippie-Generation gründlich denunzierte und wohl genau deswegen auch zur düsteren Pop-Ikone wurde, prangt hier an der Wand. Um zu ihm zu gelangen und zu einem Lautsprecher, aus dem seine Songs erklingen, muss man sich durch einen Wald aus rostigen Macheten kämpfen, die sich zu bewegen beginnen, wenn man sich ihnen nähert. Auf den Maschinen, die dies bewerkstelligen, liegen diverse Bücher aus, die Manson „inspiriert“ hat. 

Die Arbeit ist jahrzehntealt, und bei der Planung der Ausstellung war Manson noch am Leben. Trittbrettfahrerei liegt also nicht vor. Eher schon die auch in bis in die jüngere Zeit dauernde Faszination, die Mansons Figur ausübt und die sich beispielsweise vor einigen Jahren in einer Inszenierung am Thalia-Theater in Hamburg manifestierte. Noch mehr Gewalt, allerdings gegen Dinge, ist bei Katja Aufleger zu sehen: Ihre Videoarbeit „Love Affair“ zeigt unterschiedlichste Lichtquellen, die – eine nach der anderen – per Luftgewehr zerstört werden. Was durchaus einen komischen Effekt hat.

Leerstehende Fabriken thematisieren Niedergang

In gewisser Weise ebenfalls mit Gewalt hat die Kunst von Igor Grubic zu tun, der in seiner Heimatstadt Zagreb immer wieder politische Aktionen startet, die er fotografisch dokumentiert. Die sozialen Verwerfungen nach dem Zusammenbruch Jugoslawiens hat er anhand leerstehender Fabriken thematisiert, in denen früher Menschen ihren Lebensunterhalt verdienten, von denen heute viele ohne Einkommen sind. Bei einer anderen Aktion färbte er den Brunnen vor der kroatischen Nationalbank rot. Anlass war der Besuch des damaligen US-Präsidenten George W. Bush.

Und auch in der Arbeit des Bremer Künstlers Wolfgang Hainken, der sich einen ganz bestimmten Raum als Bedingung für seine Arbeit ausbat, spielt Gewalt eine bestimmende Rolle: Mit verschiedenen Objekten und Klängen verarbeitet er die Ereignisse des 11. Septembers 2011 auf eine höchst spannende und komplexe Weise.

Es ist indes nicht überall nur Gewalt: Drei großformatige Gemälde von Karin Kneffel, ehemals Professorin an der Bremer Kunsthochschule, spielen mit Erwartungen des Betrachters, stellen Sichtweisen infrage – und sind darüberhinaus schlicht berückend schöne, originelle Malerei. Und noch einiges mehr gibt es in den Künstlerräumen zu entdecken. Zur heutigen Eröffnung übrigens gemeinsam mit zehn der 16 ausstellenden Künstler.

Eröffnung: Donnerstag, 19 Uhr; die Ausstellung ist bis zum 3. Juni in der Weserburg in Bremen zu sehen.

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