Politischer Rap aus Zimbabwe und Argentinien in Bremen

Kühler Sound und heißer Hüftschwung

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Viel Humor trotz düsterer Themen: AWA aus Simbabwe. 

Bremen - Von York Schaefer. Wenn man als Musikerin mit gesellschaftskritischer Botschaft auf internationalem Parkett Gehör finden möchte, können ein paar Brocken Englisch im Wortschatz nicht schaden. Die argentinische Cumbia-Rapperin Sara Hebe gibt beim Konzert im großen Saal der Schwankhalle offen zu, dass ihr Englisch „Bullshit“ sei.

Statt also ihre Texte selber zu erklären, wie es zuvor die Rapperin AWA aus Simbabwe getan hatte, bittet die Argentinierin eine junge Frau aus dem Publikum auf die Bühne, die des Spanischen mächtig ist und grob skizziert worum es geht: Um Antirassismus, Antiseximus, Globalisierungskritik – alles auch im Internet einsehbar. Das klingt politisch zwar klar verortet, wenn auch erstmal wenig differenziert. Dass Sara Hebe aber durchaus etwas zu sagen hat, zeigt sich in ihren Interviews. Sie sieht sich als musikalische Widerstandskämpferin mit Rap als poetischem Ausdruck, die sich für soziale Bewegungen wie Arbeiterkollektive und natürlich für eine starke Stimme von Frauen grade in der Musik einsetzt. Bei ihren Konzerten transportiert die Argentinierin ihre Botschaften auf hohem Energielevel, sie tigert über die Bühne, wirbelt ihr Tuch mit Totenschädel-Motiv durch die Luft und sucht den direkten Kontakt zu den ersten Reihen im Publikum, besetzt mit vorwiegend jungen Frauen. An ihrer Seite hat die Rapperin Ramiro Jota an Bass, Keyboards und Gitarre sowie den Schlagzeuger Edu Moroto.

Überzeugend ist das Trio immer dann, wenn es das Tempo drosselt und reduzierter spielt. Gerade in der ersten Hälfte des Konzertes nehmen treibende Songs in Punkmanier mit bretterndem Schlagzeug zu viel Raum ein. Dann aber setzt die Band mehr auf die eingängig groovenden Vierviertel-Rhythmen der in den 1930er-Jahren in Kolumbien unter dem Einfluss früherer afrikanischer Sklaven entstandenen Cumbia-Musik. Scheppernde Akkordeon-Samples, zischelnde Drums – ein archaischer, relaxt wiegender, aber doch druckvoller Sound in modernem Gewand. Auch die Cumbia ist längst elektrifiziert. Ein magischer Moment, wenn Sara Hebe einen Song verborgen unter ihrem Totenkopf-Tuch rappt. Mit einer Maskerade eröffnet die Rapperin AWA (African Women Arise) aus Simbabwe diesen Abend. Sie trägt üppig bunten afrikanischen Schmuck und hat sich weiße Punkte ins Gesicht getupft, angeblich mit Zahnpasta. Die Mittzwanzigerin kommt aus Makokoba, einem der härtesten Ghettos des südafrikanischen Landes, und ihre Songs, die sie in der Sprache des Volkes der Ndebele vorträgt, handeln von ihren Erfahrungen dort: häusliche Gewalt, Drogenhandel, Prostitution, HIV. Sie selbst ist mit 15 Jahren schwanger geworden, der Vater war nicht präsent. „Eine harte Zeit, aber ich habe es geschafft“, sagt die Rapperin, deren erstes Album demnächst erscheint.

Trotz der düsteren Themen erklärt sie mit viel Humor und Charme den Hintergrund ihrer Songs. Einer mit kühlem Sound und heißem Hüftschwung handelt von der Coolness und dem Respekt, den man als Ghettobewohner bekommt. AWA könnte demnächst auf internationalem Parkett durchaus Gehör finden.

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