Deutsche Kammerphilharmonie Bremen spielt Schumann, Schostakowitsch und Beethoven

Braucht keinen Dirigenten

Viktoria Mullova ·
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Viktoria Mullova ·

Bremen - Von Ute Schalz-LaurenzeDie Bremer haben die Chance, richtige Schumann-Kenner zu werden.

Vor drei Jahren präsentierten die Bremer Philharmoniker ihr Schumann-Projekt unter Mario Venzago, und die Deutsche Kammerphilharmonie trainiert sich seit Jahren in Sachen Robert Schumann, einem Lieblingskomponisten des Dirigenten Paavo Järvi, der vor Jahren bekannte: „Er war der erste Komponist, den ich als Jugendlicher wirklich geliebt habe“.

Nun also wieder mal die unwiderstehliche Vierte in der ebenso unwiderstehlichen Interpretation von Järvi. Diese Sinfonie, die in zwei Fassungen existiert und in der Urfassung 1841 „Phantasie“ hieß, wurde in der Fassung von 1851 gespielt.

Järvi betonte zwar bestens den improvisatorischen Charakter der Musik, ihr unaufhörliches Fließen und Entstehen aus dem vorhergehenden, trotzdem wirkte an diesem Abend das ein oder andere zu glatt, es gab so gar keinen Haken. Aber fast ist so etwas der Preis einer derartigen Perfektion, wie sie dieses Orchester mit einem gemeinsamen Atem inzwischen leistet: Manchmal denkt man, das braucht gar keinen Dirigenten. Wunderbar waren die Tempi, virtuos die solistischen Stellen, wunderbar auch die aus dem Nichts kommende Geburt des Themas, der interpretatorische Prüfstein für dieses Werk.

Viktoria Mullova, die nicht nur wegen ihrer Qualität, sondern auch wegen der Vielseitigkeit ihres Repertoires bewundernswerte Geigerin, spielte das Violinkonzert von Dimitri Schostakowitsch. 1948 ist es noch in der Zeit unter Stalin entstanden und konnte erst 1955 in Leningrad uraufgeführt werden. Mullova, von der es auch eine CD-Einspielung des Werkes gibt, arbeitete den Doppelcharakter der Musik großartig aus: die wütende Trauer der Burleske, die große Tragik der Passacaglia, die stupende Virtuosität der Kadenz: Mullova setzt nichts auf, sondern entwickelt alles mit einer fast bescheidenen Selbstverständlichkeit und inneren Anspannung, die ihresgleichen sucht.

Eingangs Beethovens Ouvertüre Leonore III: das kann man nicht besser machen. Das Freiheitspathos, die Lyrik, vollkommen durchhörbar war das alles und trotzdem von einem riesigen sinfonischen Schwung. Als Weihnachtsgeschenk gab‘s dann zwei begeisternde Zugaben: Ungarische Tänze von Johannes Brahms.

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