Bohrende Klangwunder

Joëlle Léandre

Von Ute Schalz-LaurenzeBREMEN (Eig. Ber.) · Der Sendesaal Bremen war gut besucht: Allein das schien die anhaltende Popularität der französischen Kontrabassistin Joëlle Léandre zu beweisen.

Und die „figure de la scène musicale francais d‘aujourd‘hui“, wie sie in Frankreich seit über zwanzig Jahren betitelt wird, enttäuschte nicht. Gewiss sind ihre Improvisationen und Stücke formal überschaubar, aber sie enthielten so viel geheimnisvoll Überraschendes, so viel Meditatives, so viel von innen heraus Empfundenes, das ihre fünf Stücke zu wahren Geschenken für die Zuhörer machte. Technisch vollkommen auf der Höhe – sie hat mit dem Ensemble L’Itinéraire ebenso gespielt wie in Pierre Boulez’ Ensemble Intercontemporain – entwarf sie Vielstimmigkeit, irreale Klangfarben, blitzschnelle Virtuositäten. Besoders pfiffig wirkten „Improvisations Bremen“, für die sie ein Zuspielband mitgebracht hatte, das die Schreie von Möven imitierte. Ihr Gesicht spiegelt stets einen Dialog und manchmal auch einen Kampf mit ihrem sperrigen Instrument: keine Sekunde geht je die Spanung verloren. Häufig bezieht sie auch ihre Stimme mit ein, die Archaisches hervorzuzaubern scheint und häufig kommuniziert sie über Blicke oder kleine witzige Texte mit dem Publikum: ihre Konzerte sind durchinszeniert. Geradezu perfekt wurde das Programm durch die Stücke zweier Komponisten, die Léandre beeinflusst haben wie wahrscheinlich keine anderen: John Cage und Giacinto Scelsi. Von Cage erklang „The Flower“ aus dem Jahr 1950, ein Stück für Stimme und Klavier, das Leandre hier auf dem liegenden Kontrabass quasi als Schlagzeug behandelte. Und Scelsis bohrende Klangwunder waren natürlich mit „Maknongan“ bestens bei hier aufgehoben. Das begeistert aufgenommene Konzert in Kooperation mit dem Institut Français gehörte zum Zyklus „Portraits Contemperains“.

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