Das Sprengel Museum Hannover erinnert an zwei Modelle der Brücke-Künstler

Blicke auf Fränzi und Marcella

E.-L. Kirchner: Fränzi.

Von Wilfried DürkoopHANNOVER (Eig. Ber.) · Das hannoversche Sprengel Museum widmet sich in einer Ausstellung mit gut 170 Gemälden, Zeichnungen und Druckgrafiken den beiden kindlichen Modellen Fränzi und Marcella der „Brücke“-Künstler Erich Heckel, Ernst-Ludwig Kirchner und Max Pechstein aus den frühen Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

Manche der Kunstwerke wirken heute problematisch, ist es doch nicht opportun, Bilder nackter Kinder zu zeigen.

Die Maler der „Brücke“ interessierten sich für die Rolle der Frau als Inspiratorin, als Begleiterin, als Persönlichkeit, von der Zuwendung, Spannung und dialektisches Widerspiel zu erwarten ist. Sie beschäftigten Kinder als Aktmodelle, von denen sie das Unverfälschte, Unmittelbare erwarteten. Zugleich wollten sie sich von der fotografisch getreuen Aktmalerei absetzen. Für sie war anatomische Genauigkeit Nebensache. Kirchner notierte: „Wichtig ist, dass man begreift, dass die Kunst gestaltet, nicht darstellt. Das ist ein großer Unterschied. Gestalten ist eine freie geistige Tätigkeit. Darstellen ein Handwerk, das gelernt werden kann.“ In „Viertelstundenakten“ wollten sie das Wesentliche in Bleistift- oder Kohleskizzen festhalten.

Fränzi und Marcella, deren Nachnamen erst kürzlich nach aufwendiger Forschungsarbeit herausgefunden wurden, waren neben einigen erwachsenen Frauen und anderen Kindern die wichtigsten Modelle der Maler, die sie allerdings nicht als Personen porträtieren, sondern als Symbole für Kindheit, Beweglichkeit, Jugend. Fränzi war gerade achteinhalb Jahre alt und Marcella gut 14 Jahre alt, als sie die Künstler mit ihrer nicht posierenden Unbekümmertheit, ihrer Bewegungsintelligenz zu beeindrucken vermochten. Fränzi Fehrmann war immer in Bewegung: tanzend, in der Hängematte schaukelnd, sich bückend, die Rolle rückwärts machend, mit der Katze spielend, sich die Schleife ins Haar bindend. Sie bewegte sich in Kirchners Atelier, in dem sie auf Rollschuhen herum kurvte, oder im Freien, bekleidet oder unbekleidet. Kirchner fasste das, was vorging, in gedehnter Zeit, in Skizzen, Ölbildern, auch Lithografien.

Während Kirchner die Bewegungen in knapper Form wiedergab, ist Heckels Fränzi etwas Staturarisches eigen, was besonders in den geradezu heraldischen Farbholzschnitten „Fränzi liegend“ und „Stehendes Kind“ zum Ausdruck kommt. In fest gefügten farbigen Flächen ordnet sich die Komposition zu einer konsequenten Gesamtwirkung.

Marcella Sprentzel agierte als Modell – zuweilen auch mit Freundin Senta – fast ausschließlich für Kirchner, der sie malt und aquarelliert mit übereinander geschlagenen Beinen, in nach vorn gebeugter Haltung, mit ängstlichem, dann in Herausforderung umschlagendem Blick, schließlich mit vor dem Schoß verschränkten Armen.

Die Parallelschau „Kinder. Darstellungen um 1900“ im Untergeschoss des Museums beschreibt die Verletzbarkeit und das Flüchtige des Kindseins in Werken etwa von Max Liebermann, Paula Modersohn-Becker, Heinrich Zille oder Max Beckmann.

(Bis 9.1. 2011; Kataloge)

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