Blick über die Grenze

Das „jazzahead!“-Festival feiert vom 6. bis 22. April Polens Kultur

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Anna Maria Jopek und Leszek Mozdzer treten am 20. April in der Glocke auf

Bremen - Von Mareike Bannasch. 100 Jahre ist die Unabhängigkeit Polens jetzt her, Grund genug für unsere Nachbarn, diesen Meilenstein in den kommenden Monaten mit zahlreichen Veranstaltungen zu feiern. Doch nicht nur das: Polen ist außerdem auch Gastland des 13. „jazzahead!“-Festivals. Vom 6. bis 22. April gibt es als Vorlauf zur dreitägigen Fachmesse bei rund 100 Konzerten, Lesungen, Filmen und Ausstellungen etliche Möglichkeiten, das Land an der Ostsee näher kennenzulernen.

Den Anfang mach dabei wie gewohnt die große Eröffnungsshow im Theater Bremen. Dabei gibt es aber keinen Jazz zu hören, sondern stattdessen einen Querschnitt polnischer Kultur. So spielt am 6. April mit der Warsaw Village Band das wohl bekannteste Ensemble Osteuropas, das polnische Folklore mit elektronischer Musik kombiniert. Das ist aber noch nicht alles: Das Duo Masecki/Rogiewicz stellt sein Ragtime-Projekt vor, während die Improtheater-Pioniere Klanczyk aus Warschau für einen Programmpunkt jenseits der Musik sorgen werden.

Auch in diesem Jahr bildet ein Galakonzert den traditionellen Abschluss des zweiwöchigen Festivals. So kommt am 20. April die Sängerin Anna Maria Jopek gemeinsam mit dem Pianisten Leszek Mozdzer in die Bremer Glocke. „Sie ist einer der ganz großen Stars der polnischen Musikszene und zudem eine Jazzsängerin, die auch in anderen Sparten wandelt“, sagte dazu Ulrich Beckerhoff, künstlerischer Leiter der „jazzahead!“, bei der gestrigen Pressekonferenz. Bevor Jopek allerdings die Bühne betritt, übernimmt der Saxofonist Maciej Obara mit seinem Quartett – ein weiterer Hochkaräter mit hervorragendem Ruf.

Zu den mehr oder weniger inoffiziellen Höhepunkten des Festivals zählt schon seit einigen Jahren die Clubnight. Bereits zum achten Mal haben nicht nur Jazz-Experten am 21. April die Möglichkeit, durch 29 Spielstätten zu ziehen und sowohl Musiker von Weltrang als auch Geheimtipps für sich zu entdecken. „Wir hatten schon mehr Spielstätten, haben uns aber entschieden, die Zahl zurückschrauben“, erklärte Projektleiterin Sybille Kornitschky. Eine Verkleinerung, die vor allem einen Grund hat: die Spielstätten so gut miteinander zu vernetzten, dass die Zuhörer ohne allzu große Distanzen von einem Konzert zum anderen wechseln können. Dafür können sie auch den öffentlichen Nahverkehr nutzen, das Ticket, das ab sofort für 25 Euro (ermäßigt 20 Euro) zu haben ist, gilt als Fahrschein im BSAG- und VBN-Gebiet.

Aber nicht nur in Kneipen, Bars und Theatern sind Bands zu hören. Zum ersten Mal gibt es bei der Clubnight auch eine mobile Open-Air-Bühne, die ab 14 Uhr unterwegs ist und am „PAPP“ in der Neustadt, am Theater Bremen und auf dem Domshof Station macht. Mit auf Tour gehen die polnischen Chartstürmer vom Wojtek Mazolewski Quintet.

Polnische Künstler spielen natürlich auch eine große Rolle bei den Showcases auf der „jazzahead!“-Messe selbst, die vom 19. bis 21. April in den Messehallen und im Schlachthof geplant sind. Diese Kurzkonzerte unter den Überschriften „Polish Night“, „European Jazz Meeting“, „German Jazz Expo“ und „Overseas Night“, werden auch bei fachexternen Besuchern immer beliebter. „Daher werden wir dieses Jahr einzelne Konzerte im Amphie-Theater vor dem Schlachthof übertragen“, berichtete Kornitschky.

Auch wenn Musik naturgemäß eine große Rolle spielt, soll es beim „jazzahead!“-Festival, das in diesem Jahr mit dem staatlichen Adam-Mickiewicz-Institut zusammenarbeitet, auch um andere Bereich der polnischen Kultur gehen. Aus diesem Grund gibt es am 11. April die Nacht der polnischen Literatur, bei der unter anderem die Grand Dame Olga Tokarczuk und der polnische Oscar Wilde, Jacek Dehnel, im Theater Bremen lesen. Am Abend zuvor stellt außerdem Artur Becker im „noon“ Auszüge aus seinem literarischen Werk vor. Zusätzlich dazu ist im Kino „City 46“ ein umfassendes polnisches Filmprogramm vorgesehen.

Polen steht in diesen Tagen allerdings nicht nur für eine eindrucksvolle musikalische Landschaft, sondern leider auch für staatliche Einflussnahme, die sich nicht nur an der Justiz erschöpft. Ein Umstand, mit dem sich natürlich auch ein Festival wie das „jazzahead!“ auseinandersetzen muss – zumindest, wenn es sich nicht lächerlich machen möchte. Daher haben die Macher zum ersten Mal ein „Halbzeitgespräch“ ins Programm gehievt. Dort soll es am 12. April um folgende Frage gehen: „Wie sieht die Kunst- und Kulturproduktion und deren Rahmenbedingungen bei unseren östlichen Nachbarn aus?“ Gesprächsteilnehmer sind unter anderem Stefan Chwin, Danziger Romancier und Literaturhistoriker, und Boguslaw Chrabota, Chefredakteur einer der wichtigsten größten Zeitungen Polens, der Rzeczpospolita. „Wir wollen jenseits des Klischees und der Berichterstattung informieren“, betonte Kornitschky. Ob damit auch eine kritische Auseinandersetzung mit der polnischen Politik einhergeht, bleibt allerdings abzuwarten.

Karten für das Festival, die Messe und die Clubnight gibt es in allen Geschäftsstellen unserer Zeitung und unter jazzahead.de

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