Die „Galerie für Fotografie“ in Hannover zeigt das „Theater des Lebens“

Bilder der Straße

Ein Blick aus den Straßen Kubas.

Hannover - Von Jörg Worat. „Neulich“, schwärmt Foto-Professor Rolf Nobel, „waren an einem einzigen Tag über 300 Besucher bei uns. Das haben wir noch nie erlebt.“ In der Tat bemerkenswert, braucht die „Galerie für Fotografie“ in Hannover, an deren Entwicklung Nobel entscheidenden Anteil hatte, doch auch sonst nicht über mangelnde Resonanz zu klagen – diese zentrale Anlaufstelle für erzählende Fotografie ist längst viel mehr als ein Geheimtipp. Die aktuelle Ausstellung „Theater des Lebens“ aber stellt etwas ganz Besonderes dar, nämlich einen sehr abwechslungsreichen und qualitativ höchstwertigen Querschnitt durch die aktuelle Straßenfotografie.

Dabei stammt nur ein Bruchteil der 100 Aufnahmen von Lichtbildnern, die gezielt für die Schau angesprochen wurden. Das Gros waren Einsendungen aus dem In- und Ausland nach einem „Open Call“, und Fachmann Nobel räumt freimütig ein, dass selbst er etliche Namen erst in diesem Zusammenhang kennengelernt hat: „Straßenfotografie ist ohnehin eine Domäne der Amateure“, erläutert er, „weil sich kaum Geld damit verdienen lässt.“

Die Ausstellung ist in verschiedene Themenbereiche unterteilt. Beim „Urban Life“ hat Rudi Meisel eine fast mystisch verqualmte New-York-Impression eingefangen, während daneben eine junge Dame in ihrem quietschgelben Outfit, fotografiert von Martynas Katauskas, einem 60er-Jahre-Film entsprungen zu sein scheint. Reimund Belling wiederum hat genau die richtige Zehntelsekunde erwischt, um einen Mann abzulichten, der in eine Bahn einsteigt – auf seinem Koffer steht die Aufforderung „Frage mich nach Jesus“. Nanna Heitmann war im hannoverschen Steintor-Viertel unterwegs und zeigt eine Prostituierte mit einem Freier am Geldautomaten, natürlich so, dass die Gesichter der beiden Personen unkenntlich bleiben.

In einer weiteren Abteilung steht der Humor-Aspekt im Vordergrund, und den Vogel schießt hier wohl im wahrsten Sinne des Wortes Fabian Schreyer ab: Der abgelichtete Mann mit seiner Kopfbedeckung in Form eines Brathähnchens wäre schon bizarr genug, wenn aber Hintergrund eine große Puttenfigur offenbar auf die nächste Bedürfnisanstalt hinweist, wird es grenzwertig surreal.

In der Rubrik „Exotika“ besticht unter anderem Niklas Grapatin mit der effektvoll verrauschten Aufnahme von einem kleinen Kind, das an einem Palmwedel schaukelt. Und Moises Levy hat eine Serie über Menschen gemacht, die am Strand den Seiltanz üben – das hier vertretene Beispiel wirkt auf den ersten Blick besonders irritierend, weil es durch ein Speichenrad fotografiert ist.

Die Ausstellung zeigt die Handschriften von 51 Fotografinnen und Fotografen, wirkt jedoch weder beliebig noch überladen. Und ist, ein Markenzeichen der „Galerie für Fotografie“, schlüssig und nachvollziehbar gehängt: „Die Straße“, sagt Nobel, „steht für Anarchie und Ordnung. Wir haben beides berücksichtigt und zum einen bewusst unterschiedliche Rahmen gewählt, zum anderen aber die Bilder so aufgereiht, dass der Blick des Betrachters nicht ständig in eine neue Richtung gezwungen wird.“

Sehen

Die Schau läuft noch bis 15. März. Öffnungszeiten: Donnerstag bis Sonntag 12 bis 18 Uhr.

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