Neujahrskonzert der Bremer Philharmoniker

Neujahrskonzert der Bremer Philharmoniker: Bewegende Eskapaden

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Ashu

Bremen - Von Ute Schalz-Laurenze. Wenn Marko Letonja im Sommer seine Position als Generalmusikdirektor (GMD) und Chefdirigent der Bremer Philharmoniker antritt, ist er in der Stadt kein Unbekannter mehr. Abgesehen von früheren Dirigaten, die seine Wahl provozierten, leitete er in der GMD-losen Spielzeit zwei Konzerte, jetzt das sogenannte große Neujahrskonzert. 

Der Abend ist nahezu ausverkauft, für die Konzerte am Montag- und Dienstagabend gibt es nur noch Restkarten. Das zeigt wohl, dass mit einem etwas anderen Repertoire noch einmal ein ganz anderes Publikum angelockt werden kann. Und die Bremer Philharmoniker zeigen Lust und Kompetenz an der Musik: Musik vom Broadway und aus Amerika. Der leidenschaftliche Einsatz des neuen Operndirektors Yoel Gamzou für die Musik von Leonard Bernstein – zu dessen 100. Geburtstag es noch einige Konzerte gibt – trägt Früchte, die nun Letonja bestens nutzen konnte.

Aaron Copland, der große amerikanische Komponist, war vertreten mit seinem Ballett „Rodeo“ (1942): Musik, die man vielleicht so selten hört, weil sie sich zu sehr der Unterhaltungsmusik nähert. Dabei sind die Anforderungen nur von großen Sinfonie-Orchestern zu leisten. Und so gelingt die Mischung aus Nord- und südamerikanischer Folklore und Jazz als Feuerwerk von wilden Effekten, musikalischem Witz – wenn im ersten Satz die Bläser zum gespielten Entsetzen des Dirigenten versuchen, mal ganz alleine dranzukommen – und wunderschöner Lyrik.

Musik aus Film und Musical

John Williams hat viele Filme mit Steven Spielberg gemacht, weswegen seine Musik wahrscheinlich viel bekannter ist als sein Name. Für die Gaunerkomödie über den Hochstapler Frank William Abagnale (mit Leonardo di Caprio in der Titelrolle) entstand 2002 „Escapades“ für Altsaxophon und Orchester, in Bremen bewegend geblasen von dem kalifornischen Musiker Ashu, der sich noch mit einer Piazzolla-Zugabe bedankte.

Die hochdramatische Musik des Musicals „South Pacific“ (1949) von Richard Rodgers zeigt in der mitreißenden Ouvertüre die Grenzen der Musikstile in einer vollkommen eigenständigen Sprache. Und dann Bernsteins Glanzstück, die „West Side Story“. Immer wieder wurde der Komponist, Dirigent, Pianist, Pädagoge gerade wegen seiner Vielfalt als Eklektiker kritisiert, aber was in den „Symphonischen Tänzen aus der West Side Story“ (1960) krass, grell, wild, bunt, zart, lyrisch mit allen Zwischentönen erklingt, kann sich in jedem klassischen Programm bestens behaupten. Zumal, wenn es so genau, so ausgehorcht, so rhythmisch präzise, so leidenschaftlich gespielt wird wie in diesem Konzert. Großer Beifall.

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