Betörender Wucher

René Polleschs „Probleme Probleme Probleme“ feiert Premiere in Hamburg

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Große Schauspielerin ganz klein: Sophie Rois (u.) muss sich in „Probleme Probleme Probleme“ von Sachiko Hara (l.) und Marie Rosa Tietjen überragen lassen. 

Hamburg - Von Rolf Stein. Ohne Punkt und Komma: Der Titel ist zwar dann doch ein bisschen zu abstrakt, um Programm zu sein. Aber wie er geschrieben ist, eben: ohne Punkt und Komma, gibt er das Tempo dieses Abends durchaus vor, der ein klassischer Pollesch ist. Sein Autor und Regisseur, René Pollesch nämlich schichtet und verschachtelt in seinen Stücken, die er scheinbar unermüdlich auf die Bühnen der größten Häuser der deutschsprachigen Theaterwelt wuppt, stets allerlei aktuelle Diskurse, die sich in der Regel in mehrere Richtungen über den Abend selbst hinaus erstrecken.

„Ich weiß nicht, was ein Ort ist, ich kenne nur seinen Preis (Manzini-Studien)“, das im vergangenen Jahr in Zürich herauskam, enthält beispielsweise diverse Motive und Themenstränge, die nun in „Probleme Probleme Probleme“ wieder aufgegriffen werden – der „Sommernachtstraum“ von William Shakespeare zum Beispiel und, der Niedergang an und für sich als leider unvermeidlicher Bestandteil des Lebens.

Für die jeweiligen Fassungen dieses Kontinuums lassen sich die besten Schauspieler und Schauspielerinnen gern und vermutlich nicht lange bitten. So kommt Hamburg nun in den Genuss eines grandiosen Ensembles, das aus Marie Rosa Tietjen, Bettina Stucky, Angelika Richter, Sachiko Hara und Sophie Rois besteht.

Eine klassische Dramaturgie, Aristoteles im Sinn, haben Polleschs Stücke nicht, auch „Probleme Probleme Probleme“ macht da keine Ausnahme.

Dafür findet sich darin allerlei Unterhaltsamkeit zwischen Quantenphysik, Rock und „Titanic“ elegant verzwirbelte Überlegungen zu den Dimensionen einer Doppelvorstellung – im Theater wie außerhalb – sowie theaterästhetische und erkenntnistheoretische Fragen. Ist eine Schauspielerin eigentlich noch da, wenn sie keiner ansieht?

Ein erschlagend schönes Bühnenbild von Barbara Schöner und beziehungsreiche Kostüme von Tabea Braun geben dieser quietschvergnügt vor sich hin loopenden Textmaschine einen prachtvollen Rahmen: Ein doppeltes Bühnenportal, dessen erratisch auf- und zugehende Vorhänge den Blick auf ein betörend wucherndes Treibhaus freigeben. Ein gutes Bild für das Referenzendickicht, in dem Ideen und Theorien von Dietmar Dath über Led Zeppelin bis Slavoj Zizek ventiliert werden. Immer dicht dran: die Kamera von Ute Schall, allerdings verbal unter schwerem Beschuss durch Sophie Rois, die lauthals mit der ganzen „Videokacke“ hadert. Vermutlich nicht ohne diebische Freude, die man mit diesen rasanten 75 Minuten auch als Publikum durchaus haben kann.

Die nächsten Termine:

Samstag, 20. April, 19.30 Uhr, Mittwoch, 24. April, 20 Uhr, Freitag, 3. Mai, 19.30 Uhr, Dienstag, 14. Mai, 19.30 Uhr, Deutsches Schauspielhaus Hamburg.

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