Von 1959 bis 1962 Engagement in Bremen

Montserrat Caballé stirbt mit 85 Jahren: „Die Beste der Besten“

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Montserrat Caballé im Jahr 2005 während eines Auftritts in Cannes. Die letzte Opern-Diva der Welt ist am Samstag im Alter von 85 Jahren gestorben.

Barcelona - Sie wolle auf der Bühne sterben, hatte Montserrat Caballé immer gesagt. Die Spanierin, die als die letzte große Operndiva galt, tat ihren letzten Atemzug aber in einem Krankenbett in ihrer Geburtsstadt Barcelona – am Samstag im Alter von 85 Jahren. Die Sopranistin wurde über die Grenzen ihres Faches hinaus weltberühmt.

Sie war, wie die spanische Zeitung „El Periódico“ zum Abschied ohne jede Übertreibung schreibt, ein Mythos. Das Königshaus in Madrid würdigte Caballé als „Legende der universellen Kultur“. Sie sei „die Beste der Besten“ gewesen.

Gerüchte über ein unmittelbar bevorstehendes Karriereende hatte sie trotz ihres Alters und zunehmender Gesundheitsprobleme bis zuletzt hartnäckig zurückgewiesen. Und den Aussagen hatte sie auch Taten folgen lassen. Erst am 14. April, zwei Tage nach ihrem 85. Geburtstag, trat sie in der ukrainischen Hauptstadt Kiew mit ihrer Tochter Montserrat Martí (45) auf, auch „Montsita“, die „kleine Montserrat“ genannt.

Obwohl ihre Stimme nicht mehr die alte war, begeisterte sie auch das Publikum in Kiew. Sitzend allerdings, denn nach einem Sturz vor einigen Jahren konnte die zweifache Mutter und Großmutter kaum noch gehen. Sie war meist auf einen Rollstuhl angewiesen.

Ein Leben wie im Märchen

Das Leben der María de Montserrat Bibiana Concepción Caballé i Folch erinnert an ein Märchen: Die Eltern des am 12. April 1933 in Barcelona geborenen Mädchens verloren im spanischen Bürgerkrieg ihr Hab und Gut. „Wir haben Hunger gelitten“, erzählte Caballé. Irgendwann musste sie die Schule verlassen, um als Näherin zum Familienunterhalt beizutragen. Da ihr Talent schon damals zu erkennen war, fand sie Zeit, mit Hilfe von Mäzenen das Konservatorium zu besuchen und erste Auftritte zu absolvieren.

Hunger und Nöte blieben aber vorerst. Mitte der 50er-Jahre zog die Familie deshalb als Gastarbeiter in die Schweiz. In Basel feierte die Sängerin 1956 ihr offizielles Debüt. Von 1959 bis 1962 war sie in Bremen engagiert – die zweite und vielleicht entscheidende Stufe auf der Karriereleiter. Denn unmittelbar nach ihrem dreijährigen Engagement am Theater am Goetheplatz gelang ihr der internationale Durchbruch. Kaum eine Überraschung also, dass sie im Jahr 2001 zum Gastspiel zurück an die Weser kam – natürlich in dem Theater wo alles begonnen hatte. Nicht ihr einziger Auftritt in Bremen: Ein paar Jahre vorher war sie schon im Weserstadion aufgetreten.

Doch zurück ins Jahr 1965. Da schaffte Caballé in der Titelrolle von Donizettis „Lucrezia Borgia“ in der Carnegie Hall in New York den Durchbruch – als Ersatzbesetzung. Sie wurde so gefeiert, dass die Metropolitan Opera sie engagierte. Einen weiteren Meilenstein setzte die Sängerin 1992: Mit dem für die Olympischen Spiele in der katalanischen Hauptstadt geschriebenen Song „Barcelona“ wurde sie einem breiten Publikum auch jenseits der Opernwelt bekannt. Sie hatte das Stück mit Rockstar Freddie Mercury aufgenommen, der kurz drauf an Aids starb. Caballé erinnerte sich jüngst: „Da standen an der Wiener Staatsoper ganz junge Menschen am Bühneneingang. Die wollten ein Autogramm, sie haben nur gesagt: Sie sind doch die Frau, die mit Freddie Mercury aufgetreten ist.“

Bewunderung für ihre Vokaltechnik

Caballé wurde bewundert für ihre Vokaltechnik und ihre Interpretationen des Belcanto-Repertoires, auf das sie sich schon Anfang der 60er-Jahre spezialisiert hatte. Zur Kritik, in der Oper herrsche immer mehr ein Schlankheitswahn, und dem Aussehen der Darsteller werde viel mehr Bedeutung beigemessen als der Stimme, sagte Caballé jüngst: „Ich hatte das Glück, in einer Zeit zu singen, als man nicht zur Oper ging, um sich deine Figur anzuschauen.“

Im Laufe ihrer jahrzehntelangen Karriere kam sie auf mehr als 4 000 Auftritte und etwa 90 verschiedene Rollen – allein zwanzig davon habe sie Bremen gelernt, sagte Caballé einmal in einem Interview. Sie arbeitete mit Stardirigenten wie Herbert von Karajan, Leonard Bernstein, Zubin Mehta und Claudio Abbado zusammen und trat besonders gern mit Plácido Domingo und Luciano Pavarotti auf.

Die für ihr lautes Lachen bekannte Künstlerin wurde beim Blick zurück auch wehmütig. Im vorigen Jahr klagte sie: „Die Magie der Oper geht immer mehr verloren.“ Inzwischen werde fast alles „dem schnellen Erfolg und dem Applaus“ geopfert.

Den Kontakt zu anderen Genres der Musik und des Entertainments scheute Caballé nie. Sie trat schon als junge Frau an der Seite von Frank Sinatra auf. Neben der Karriere unterstützte sie soziale Vorhaben, förderte den Nachwuchs und galt als Entdeckerin ihres Landsmannes José Carreras. Im Leben der Caballé gab es aber auch negative Schlagzeilen: Im Dezember 2015 wurde sie wegen Steuerhinterziehung zu sechs Monaten Haft auf Bewährung und zu einer Geldstrafe von 250.000 Euro verurteilt.

Stolzes Bekenntnis zur Leibesfülle

Caballé bekannte sich in ihrer humorvollen Art zwar stets stolz zu ihrer Leibesfülle. Ihr Gewicht machte ihr aber zu schaffen. Mit gesundheitlichen Problemen hatte „La Montse“, wie sie von Fans und Medien genannt wurde, vor allem seit Oktober 2012 zu kämpfen, als sie während einer Konzertreise in Russland einen Schlaganfall erlitt, ohnmächtig wurde und sich einen Oberarmknochen brach. Schon davor hatte sie große Opernauftritte eingeschränkt und sich auf Konzertabende konzentriert.

Bei allen Triumphen und Schwierigkeiten ist die Frau, die seit mehr als 50 Jahren mit dem Tenor im Ruhestand Bernabé Martí (89) verheiratet war, stets bodenständig, herzlich und bescheiden geblieben. Nach dem Tod ihrer engen Freundin Maria Callas im Jahr 1977 hatten viele in ihr die Nachfolgerin von „La Divina“ gesehen. Erst vor wenigen Jahren widersprach sie erneut trotzig: „Ich bin keine Diva. Mich als eine Diva zu betrachten, ist absurd! Ich versuche, meine Arbeit einfach nur so gut wie möglich zu machen.“

ban/dpa

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