Besondere Kennzeichen: Keine

Hamburger Museum der Arbeit erinnert an einen Vermissten

Einige: Anna Armann Dinge, die Heiner Weiland hinterließ. - Foto: Anna Armann
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Einige Dinge, die Heiner Weiland hinterließ.

Hamburg - Von Rolf Stein. So prototypisch wie Heiner Weiland, Maschinenbauer aus Barmbeck und Protagonist von „Mir fehlt es an nichts“, so ungewöhnlich ist die Form, in der uns seine Geschichte begegnet: Wir nehmen Weiland über seine Spuren wahr – von ihm selbst gibt es kein Bild in der „theatralen Ausstellung“, die die Theatermacher Raban Witt und Saskia Kaufmann heute in Hamburg eröffnen.

Heute vor drei Jahren verschwand Weiland, erfahren wir; aber nicht, was aus ihm wurde. Wie er wurde, was er war, das erforscht diese Arbeit zwischen Ausstellung und Performance mit einer gewissen Gründlichkeit. Reisepass und Rasierapparat, Aschenbecher und Ansichtskarten des Entschwundenen sind erhalten. Aus den Relikten formt sich, kuratiert und mit Audio-Kommentar, ein Bild mit Leerstelle.

Ähnlich wie ein anthropologisches Museum durch das, was Archäologen so ausgegraben, sortiert und Ausstellungsmacher dann arrangiert haben, Rückschlüsse auf die Vergangenheit zulässt, proben Witt und Kaufmann einen musealen Blick – allerdings auf die Zeit, in der wir leben.

Der titelgebende Satz „Mir fehlt es an nichts“ verweist in diesem Kontext auf handelsübliche Voraussetzungen für privates Glück, die so prototypisch scheinen wie Weiland selbst: „eine schöne Wohnung, ein fröhliches Kind, eine stabile Beziehung und ein gutes Gehalt“, lassen Witt und Kaufmann verlauten. Aber warum sollte man dann verschwinden wollen?

Die Antwort werden wir nie erfahren. Weil es Heiner Weiland nie gegeben hat. Aber auch, weil er, gäbe es ihn, einer von sehr vielen wäre, die ihrem Leben entfliehen wollen. Mehr als 10 000 Vermisstenfälle führt das Bundeskriminalamt. Manche klären sich binnen weniger Tage, andere bleiben für Jahrzehnte ungelöst.

So unterschiedlich ihre Gründe sein mögen: Gemeinsam dürfte ihnen sein, dass sie alle versuchen, ihrem Leben zu entkommen, oder zumindest einem Teil davon, der das Bleiben scheinbar unmöglich macht. Was eben kein euphorischer Aufbruch ist, sondern das Gegenteil. Weil aber Weiland nun einmal kein Bestimmter, sondern ein möglichst Verallgemeinerter ist, trifft die Diagnose über das vorgeblich Individuelle stattdessen das Allgemeine.

„Heiner Weiland. Mir fehlt es an nichts“´: Theatrale Ausstellung von Kaufmann/Witt: 5. bis 19. Oktober, Museum der Arbeit, Hamburg.

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