Specksteine im Pavillon des Gerhard Marcks Hauses: Ellen Mäder-Gutz sucht sinnliche Präsenz

Berührung? Nein Danke!

Alles so schön bunt hier: Specksteine von Ellen Mäder-Gutz.

Von Johannes BruggaierBREMEN (Eig. Ber.) · An der Wand hängend „evozieren“ sie eine „Atmosphäre sinnlicher Präsenz“ und den Wunsch „des Berührenwollens“. So kann man es natürlich auch formulieren.

Tatsächlich lösen Ellen Mäder-Gutz‘ Objekte im Pavillon des Gerhard Marcks Hauses zunächst einmal Fassungslosigkeit aus. Anmutige Formen in bunten Farben. Schmuckstücke, wie sie in jedem zweiten Wellnesstempel zu finden sind. Fensterbrett-Plunder vom Flomarktstand. Ist das wirklich ernst gemeint?

Einige der Speckstein-Skulpturen ziehen sich links in einer Reihe vom Boden bis zum Fenster hoch. Eine andere Gruppe fächert sich oberhalb der Heizung in umgekehrter Pyramidenform zur Decke hin auf. Manche erinnern an Blütenknospen, manche an Muscheln oder Schneckenhäuser. Teils sind sie hellblau, teils türkisgrün, teils grau. Eine Ansammlung solcher Steine ist komplett schweinchenrosa: Wunsch des Berührenwollens? Nicht wirklich.

Rechts im Eck bilden die Steine einen regelrechten Schwarm, der sich nach oben hin verjüngt und auf diese Weise Assoziationen zu einem Vogelzug aufkommen lässt. Aus handwerklicher Sicht mag das überzeugen, inhaltlich mutet der Effekt allzu idyllisch an.

Mitten im Raum stehen die drei größten Exemplare. Es handelt sich um ein an die Sonne erinnerndes Gebilde in Türkisgrün, eine graue Tulpenknospe sowie ein rosa Kokon. Sonne, Knospe, Kokon – man ist angesichts solch überbordener Naturmetaphorik geneigt, Zusammenhänge zu suchen. Doch wie man es auch dreht und wendet, es kommt dabei bloß naives Pathos heraus: die Kraft der Sonne, die Pflanze und Tier zum Leben erweckt, Knospe und Kokon als schützende Hülle vor der rauen Welt da draußen und ähnlicher Deutungskitsch. Da nützt auch ein Blick auf den Titel nichts. „Bella donna“ hat die Künstlerin ihre kleine Schau genannt. „Schöne Frau“ also? Oder eher die gleichnamige „schwarze Tollkirsche“ mit ihren giftigen Beeren? Warum dann aber dieser verklärende Blick auf die Natur?

Die Sache bleibt unklar, gewiss scheint nur eines: Diese Form der Sinnlichkeit sollte den Oasen der Wellness-Szene vorbehalten bleiben.

Ellen Mäder-Gutz: „bella donna“, bis 6. Juni im Pavillon des Gerhard Marcks Hauses. Öffnungszeiten: Di.-So. 10-18 Uhr.

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