Tanz-Premiere von „(Little) Mr. Sunshine” am Theater Bremen

Berührend, humorvoll, organisch

Sechs männliche Tänzer stehen vor einer Wand auf der Bühne des Theater Bremen.
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Hoffnung, Freude, Spaß, Wut und Schmerz transportiert das Ensemble über das Körperliche.

Was Tänzer antreibt, ihre Performances beeinflusst und warum sie für den Auftritt leben, beleuchtet aktuell Samir Akika in „(Little) Mr. Sunshine“ - seine 15. Arbeit für das Theater Bremen.

Bremen – Was treibt uns an, warum machen wir das, was wir machen? Und vor allem: Warum machen wir weiter? Diese und andere Fragen beschäftigten den Choreografen Samir Akika, als er sich anschickte, sein neuestes Stück ins Laufen zu bringen. Akika stellte den Tänzern der Kompanie Unusual Symptoms auch diese Fragen und hielt eine brennende (und im Programmheft nachzulesende) Motivationsrede; darin forderte er die Tänzer unter anderem auf, all das zu tun, was in ihnen steckt – etwa so: „Zeig uns, wie du fällst, dich auf den Boden wälzt, ohne dich dabei zu verletzen. Wie du dich dumm anstellst oder irgendwelche Geräusche machst.“ Oder so: „Wir wollen Humor, Intensität, Lockerheit, poetische Momente.“ Und nicht zuletzt: „Zeig uns, was du drauf hast.“

Nun ja, das haben sie getan. Und wie! Die sechs Tänzer und zwei Musiker (sämtlich männlich) zeigten am Freitagabend während der Premiere von Akikas neuem Stück „(Little) Mr. Sunshine“ all dies und noch viel mehr. Primär dreht sich der Abend, die mittlerweile 15. Arbeit Akikas am Haus, um die Tänzer, die Performer und um das Performen an sich; mit allen Erfolgen und großen Momenten, aber auch Zweifeln und Entbehrungen, die dazugehören. Darüber hinaus ist der Abend aber doch viel mehr, denn er eröffnet dem, der sich darauf einlässt, einen Reichtum an Eindrücken und Empfindungen, die weit über eine Abhandlung über den Tanz und das „Tänzer-Sein“ hinausgeht; es geht um nicht weniger als um das Leben an sich. Der Abend erzählt von Erfolgen, von Freude und Lust, aber auch von Selbstzweifeln, von Zweikämpfen und Konkurrenzverhalten, vom Scheitern.

Immer wieder Wettkampf

Dabei bedarf es aber speziell zu Beginn einer gewissen Konzentration, so vielfältig sind die Eindrücke. So wird auf Englisch zunächst von der (harten) Ausbildung erzählt, von der Konkurrenz untereinander, vom Casting – und immer wieder auch vom Wettkampf, der sich im Bühnenbild widerspiegelt. Dieses ist mittels hell- und dunkelblauer Fliesen einem Schwimmbad nachempfunden, in dem die (Wett-)Kämpfe ausgetragen werden, aber natürlich – und darum geht es ja im Wesentlichen – auch getanzt wird.

Das internationale, um einige Gäste verstärkte Ensemble – namentlich Aaron Samuel Davis, Gabrio Gabrielli, Máté Mészaros, Marcus Alexander Roydes, Karl Rummel und Andor Rusu – schafft es dabei ebenso spielend wie beeindruckend, die vielen Empfindungen, um die es an diesem Abend auch geht, ins Tänzerische, ins Körperliche zu übertragen. Zwar wird in Akikas neuem Stück auch gesprochen (und das nicht mal wenig), aber Hoffnung, Freude, Spaß, Wut und Schmerz werden in erster Linie über das Körperliche transportiert. Eine wesentliche Rolle spielt dabei die Musik: Der in Tokyo geborene Geiger Yu Mita und der Ire Shane Fee am Klavier verstehen es vorzüglich, Stimmungen zu schaffen, zu transportieren und zu verstärken – je nachdem, was gerade gebraucht wird. Zudem sind sie auch szenisch in den Abend eingebunden, der neben viel Tanz auch wieder viel Theater, und vor allem: sehr Spielfreude zu bieten hat. Auch Greta Bolzoni (Bühne und Kostüme) und Christian Kemmetmüller (Licht, gemeinsam mit Máté Mészaros) tragen zum absoluten Gelingen dieses Abends bei.

Sichtbare Freude zu spielen und zu tanzen

„Also verhandle, konkurriere, unterstütze, debattiere, kommentiere deine Kollegen, beziehe dich auf Künstler, die du liebst“– auch all dies gab Akika seinen Tänzern mit auf dem Weg, und all dies setzen sie wunderbar um. Da gibt es unter anderem getanzte, aber auch gesprochene Duelle, eine Abhandlung über das Applaudieren (womit das Haus schon nach exakt zwölf Minuten das erste Mal gerockt wird) oder Variationen des Witzeerzählens. Großartig ist auch eine Dreifach-Fußtanz-Szene zwischen Stomp-Rhythmik und Schuhplattlern.

Die ganz große Stärke der Arbeit ist das Um- und Freisetzen dieser ganzen großen Lust, der sichtbaren Freude zu spielen und zu tanzen – und wenn mal was nicht klappt, dann geht’s eben weiter. Herrlich anzuschauen ist es, wie die gerade nicht aktiven Tänzer ihren Kollegen begeistert zuschauen, als ob es noch um eine Probe gehe – meistens mit dem Ausdruck großer Freude auf dem Gesicht.

Wunderbar organischer Tanzabend

Samir Akika hat einen wunderbaren, leichten und doch intensiven, vor allem aber organischen Tanzabend geschaffen, aus dem der Großteil der Premierengäste sehr beseelt herausging. Am Ende gibt es mit dem sehnsuchtsvollen irischen Lied „The Auld Triangle“ noch was fürs Herz – und vom Publikum für diesen Abend langen, begeisterten Applaus.

Die nächsten Termine

Weitere Vorstellungen sind für Mittwoch, 10. November, und Samstag, 20. November, geplant. Beginn ist jeweils um 20 Uhr im Kleinen Haus.

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