Bremen „phil-intensiv“: Symphonie Nr. 2 D-Dur op. 36 – und zwischen den Sätzen improvisierte die Jazz-Combo

Beethoven hatte das letzte Wort

Von Wolfgang DenkerBREMEN (Eig. Ber.) · Am zweiten Tag des Bremer Festivals „phil – intensiv“ stand Beethoven im Mittelpunkt, genauer seine Symphonie Nr. 2 D-Dur op. 36. Die Begegnung von Sinfonieorchestern und Jazzmusikern ist nicht neu.

So hat beispielsweise Lalo Schifrin in den 90er Jahren mit „Jazz meets the Symphony“ solche Wege beschritten. Trotz gleicher Grundidee, „sich vom Gewöhnlichen entfernen“, wie Beethoven postulierte, war der Ablauf bei Markus Poschner und den Bremer Philharmonikern etwas anders: Die Philharmoniker spielten einen Satz der Symphonie, dann setzten die Jazzer mit Improvisationen über Beethovens Themen ein; nach der Pause in umgekehrter Folge, so dass Beethoven das letzte Wort hatte. Es war also mehr ein Nebeneinander als ein Miteinander. Aber die Rechnung ging trotzdem auf. Denn Poschner und die Philharmoniker musizierten auf höchstem Niveau.

Die zweite Symphonie ist alles andere als harmlos, zeigt sie Beethovens „Pranke“ doch schon in ganzer Ausprägung. Das machte Poschner mit seiner in Dynamik und Ausdruck sehr intensiven Wiedergabe mehr als deutlich. Vom pathetischen Kopfsatz über das träumerische Larghetto, das bewegte Scherzo bis zum jubelnd-dramatischen Finale, das bereits die Romantik anklingen lässt, musizierte Poschner mit herbem Grundklang, stimmigen Tempi und feiner Differenzierung. Probleme bei den Hörnern konnte man verschmerzen.

Das Erlebnis einer in sich geschlossenen Beethoven-Symphonie konnte naturgemäß nicht vermittelt werden. Aber die Jazzer hatten Gleichgewichtiges dagegenzusetzen. So wurde die Stimmung der jeweiligen Beethoven-Sätze hervorragend aufgegriffen, am perfektesten nach dem Larghetto. Es entstand ein fast zart zu nennender Klangteppich, bei dem Saxophon, Klavier, Bass, E-Gitarre und Schlagzeug zunächst gleichberechtigt schienen, bis wechselseitig Saxophon oder E-Gitarre die Führung übernahmen. Die dynamischen Steigerungen, das Wechselspiel, die immer wieder eingeschobenen Soli waren grandios. Nguyen Le etwa erwies sich als begnadeter Virtuose an der E-Gitarre, dem eine breite Klangpalette zur Verfügung steht. Oder Hugo Siegmeth, der das Saxophon entrückt aber auch expressiv spielen konnte. Oder Harry Scharf, der am Bass ein zuverlässiges Fundament legte. Die Krone gebührte aber dem Schlagzeuger Bastian Jütte, der vor wenigen Tagen den Deutschen Jazzpreis bekam. Markus Poschner betätigte sich dazu als Jazzpianist, was ihm mit sichtbarer Freude auch ausgezeichnet gelang.

Wer beides schätzt, Jazz und Klassik, dürfte mit den Gegensätzen kein Problem gehabt haben und an diesem Abend ganz auf seine Kosten gekommen sein. Der begeisterte Beifall zeigte, dass das wohl die Mehrheit war.

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