Bayern wagt den Aufstand: Die Dichterrepublik

Syke - Von Rolf Stein. Die Ausdauer, mit der in den vergangenen Wochen und vermutlich – wenn auch mit verminderter Intensität – auch in den kommenden Wochen der Novemberrevolution in Deutschland gedacht wurde, die vor 100 Jahren das Kaisertum abschaffte und eine parlamentarische Demokratie an dessen Stelle setzte, war durchaus verblüffend. So viel zu lesen hatte es vielleicht noch nie gegeben zu Phänomenen wie den Räterepubliken vor allem in Bremen und München. Da kann es einem beinahe schon zu viel werden.

Allerdings: Auch wenn es mit den inneren Konflikten dieser Revolution durchaus noch ein Weilchen weiterging (Stichworte: Ruhraufstand 1920, „Deutscher Oktober“ 1923), wird am 1. Mai eines ihrer Kapitel Jubiläum gefeiert haben, das in gewisser Weise ein Ende markiert. Am besagten Tag des Jahres 1919 war die Bayrische Räterepublik tot. Mit ihr starben Tausende ihrer tatsächlichen oder vermeintlichen Anhänger. Totgeschlagen hatten sie Freikorpsverbände und Armeeeinheiten der sozialdemokratischen Reichsregierung. Bayern, gerade erst Freistaat geworden, entwickelte sich schon bald zu einer der Brutstätten des Nationalsozialismus.

Nachdem in den vergangenen Monaten ungefähr jeder einmal sagen durfte, ob er den Versuch, die Revolution in Deutschland nach dem Vorbild der russischen Oktoberrevolution weiterzutreiben, gut oder nicht so gut fand, sei gleichwohl noch auf ein Buch hingewiesen, dass einen Blick aus der Mitte des Geschehens heraus ermöglicht.

Der in Berlin lebende Bremer Autor Markus Liske hat für den Band „Sechs Tage im April – Erich Mühsams Räterepublik“ aus Schriften und Aufzeichnungen Erich Mühsams und dessen Frau Zenzl mit einordnenden Einschüben zu einer Darstellung collagiert, die das Geschehen ebenso aufblättert wie die Entwicklung von Mühsams politischen Denken. Zwar hat Erich Mühsam selbst in „Von Eisner bis Leviné. Die Entstehung der Bayerischen Räterepublik“ (1929) seine Sicht der Dinge dargelegt. Liskes Band allerdings, der pünktlich zur Ausrufung der Bayrischen Räterepublim Verbrecher-Verlag erschienen ist, ordnet die Woche der ersten, anarchistisch geprägten Räterepublik in einen größeren Rahmen ein und greift dazu auf Material zurück, unter anderem aus Mühsams Zeitschrift „Kain“, das zumindest teilweise die offenbar für immer verlorenen Mühsam-Tagebücher aus jener Zeit ersetzt.

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Markus Liske: „Sechs Tage im April“, 288 Seiten, 18 Euro, Verbrecher-Verlag.

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