Bundesamt betreibt eigene Provenienzforschung / Warten auf die Erbscheine / Verfahrensstand im Internet

Das Bauernmädchen ist nur ausgeliehen

Leihgabe der Bundesrepublik an die Kunsthalle Bremen: Wilhelm Leibls „Bauermädchen ohne Hut mit weißem Halstuch“ von 1879.

Von Jost BeckerBREMEN (Eig. Ber.) · Auch Wilhelm Leibls „Bauermädchen ohne Hut mit weißem Halstuch“ von 1879, eine Dauerleihgabe der Bundesrepublik im Bestand der Kunsthalle Bremen, ist ein Restitutionsfall.

Das Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen (BADV), das die Interessen des Bundes vertritt, hatte zunächst eine Rückgabe an die Erben von Alexander Lewin abgelehnt mit der Begründung, es gebe Lücken beim Eigentumsübergang ans Deutsche Reich.

Lewin war Vorstandsvorsitzender der Berlin-Gubener Hutfabrik AG und flüchtete 1938 aus Deutschland. 1939 entzog ihm das Reich den Zugriff auf sein Vermögen. 1941 verlor er die deutsche Staatsangehörigkeit, sein Vermögen wurde beschlagnahmt.

Das Leibl-Bild war für das geplante „Weltkunst“- Museum Hitlers in Linz vorgesehen, es wurde im Führerbunker aufbewahrt.

Die Beratende Kommission empfahl Anfang 2009 die Rückgabe. Das BADV wird dem Rat folgen, sagt Harald König, einer der Provenienzforscher des BADV. Doch müsse die Erbengemeinschaft die Erbscheine komplett vorlegen.

Das BADV betreut heute das „Ressortvermögen“ der Bundesfinanzverwaltung. Es ist ein Restbestand an Kunst, der nach dem Krieg aus den Central Collecting Points (CCP) der alliierten Streitkräfte übernommen wurde und umfasst 2 300 Kunstobjekte und 10 000 Münzen und Bücher. Die Aufarbeitung und Dokumentation – ab 2007 online – betreut das BADV seit 2006. Die meisten Kunstwerke befinden sich seit Mitte der 60er Jahre als Dauerleihgaben der Bundesrepublik Deutschland in rund einhundert deutschen Museen. Die Ergebnisse der eigenen Provenienzrecherche sind unter http://www.badv.de einsehbar.

In der Internet-Datenbank http://www.lostart.de wiederum veröffentlicht die Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste, eine Einrichtung des Bundes und der Länder in Magdeburg, verloren gegangene/entzogene Kulturgüter. Sie operiert in beide Richtungen: Verluste können eingegeben und gesucht werden.

Zur Klärung von Streitfällen agiert eine „Beratende Kommission im Zusammenhang mit der Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogener Kulturgüter, insbesondere aus jüdischem Besitz“. Sie spricht Empfehlungen aus. Ihre Geschäftsführung obliegt der Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste in Magdeburg. Ihre beratende Funktion erstreckt sich auch auf öffentliche Einrichtungen. Der Kommission gehören unter anderem Richard von Weizsäcker, Jutta Limbach und Bernd Rürup an.

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