Bannaschs Kulturwochen:

Mein Held in Latzhose

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Peter Lustig hat am Dienstag für immer abgeschaltet.

Was war? was wird? Bannaschs Kulturwochen schauen hin.

Was war?

Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, aber es muss irgendwann Anfang der 90er gewesen sein, als ich an einem Sonntagmorgen zum ersten Mal die Bekanntschaft mit dem Mann in der Latzhose gemacht habe. Vermutlich um sich eine Verschnaufpause zu gönnen, hatten mir meine Eltern am Sonntagvormittag erlaubt, das Zweite einzuschalten. Dort lief Löwenzahn – der Beginn einer jahrelangen Freundschaft mit einem Mann, der mir einfach und verständlich die Welt erklären konnte. Keine Frage, auf die Peter Lustig nicht eine Antwort wusste, der Mann mit Nickelbrille und Latzhose hatte stets einleuchtende Argumente dafür, weniger Müll zu produzieren, sich gut um Tiere zu kümmern oder ganz allgemein auf die Umwelt achtzugeben. Und dann lebte er auch noch in einem Bauwagen mitten auf der Wiese – ein Traum! Doch nicht nur das, Peter Lustig konnte sich außerdem etwas erlauben, was heute undenkbar scheint: die Zuschauer zum Abschalten ermuntern. War die halbe Stunde Sendezeit um, guckte er freundlich in die Kamera und forderte Kinder und Eltern gleichermaßen auf, die Flimmerkiste auszumachen. Am Dienstag hat er nun selbst abgeschaltet, dieses Mal leider für immer.

Was wird?

Zwei „Wozzeck“-Premieren direkt hintereinander: 1924 wurde genau diese Konstellation Manfred Gurlitt zum Verhängnis. Nach dem starken Eindruck, den Alban Bergs Berliner Inszenierung hinterlassen hatte, gab es für die Gurlittsche Premiere kaum noch Aufmerksamkeit. Nun gibt es im Bundesland Bremen eine ganz ähnliche Situation: Nachdem der junge Regisseur Paul-Georg Dittrich am 13. Februar mit einem Albtraum aus Sauberkeit, Gehorsam, Redlichkeit und Ordnung am Theater Bremen sein Debüt gab – übrigens durchaus schlüssig und beachtenswert –, ist nun das Stadttheater Bremerhaven an der Reihe. Dort feiert „Wozzeck“ am Samstag Premiere, in der Gurlitt Version. Bleibt nur zu hoffen, dass es dieses Mal etwas mehr Aufmerksamkeit gibt.

Termine:

Dienstag, 19.30 Uhr, „Kultur und Politik – Eine Debatte“, Falstaff, Shakespeare Theater Bremen.

Donnerstag, 20 Uhr, „Nora oder ein Puppenheim“, Schauspiel-Premiere, Theater Bremen.

Freitag, 20 Uhr, „Glocke Vocal: Simone Kermes“, Glocke Bremen.

Freitag, 20 Uhr, „SommerNacht“, Tanz-Premiere, Schwankhalle Bremen.

Samstag, 19.30 Uhr, „Wozzeck“, Musiktheater-Premiere, Stadttheater Bremerhaven.

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