Bannaschs Kulturwochen

Ein Lehmann fürs Theater

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Sven Regener ist nicht nur Sängern, sondern auch ein verdammt guter Buchautor. Foto: imago

Was war? Was wird? Bannaschs schauen hin.

Was war?

„Wir sind das Volk.“: Vier Worte, mit denen die Teilnehmer der Montagsdemonstrationen in der DDR 1989/1990 den Untergang des Regimes einläuteten. Friedlich erhoben sie sich gegen die SED-Diktatur und trieben, zumindest indirekt, den Fall der Berliner Mauer voran – eine Sternstunde der deutschen Geschichte. Und heute? Tja, heute ist dieser Satz wieder ganz groß in Mode. Besonders bei all jenen, die, befeuert von der AfD und anderen Gruppen, ihren Unmut über die Flüchtlingspolitik loswerden wollen. Ach, seien wir ehrlich: Bei all jenen, die sich ebenfalls mehr oder weniger offen zu rechtsradikalem Gedankengut bekennen. So auch am vergangenen Donnerstag, als eine brüllende Horde im sächsischen Clausnitz einen Bus mit Flüchtlingen auf dem Weg ins Asylbewerberheim blockierte. Ohne Eingreifen der Polizei – wenn die Leute sich nicht an Platzverweise halten, was will man da schon machen – schrie die Meute sich die Seele aus dem Leib, fühlte sich mal so richtig stark, während Frauen und Kinder weinend im Bus saßen. Sie wollten nicht aussteigen, aber wurden dann kurzerhand mit einem polizeilichen Nackengriff – da waren Recht und Ordnung plötzlich wieder durchsetzbar – in die Unterkunft gezerrt. Gerade erst Gewalt und Terror entronnen, könnte die deutsche Fratze, die ihnen zur Begrüßung entgegen brüllte, nicht hässlicher sein. Auch wenn sich die Meldungen von Anschlägen und Übergriffen auf Flüchtlinge seit Wochen häufen, hat mich Clausnitz aufs Neue erschreckt. Nicht nur, weil ich mich frage, was als Nächstes kommt, sondern auch, weil ich nicht verstehen kann, warum man unschuldige Menschen attackiert, wenn man mit der Politik unzufrieden ist. Doch dann fiel mir ein Liedtext der aus Chemnitz stammenden Band Kraftklub in die Hände. Er heißt „Schüsse in die Luft“, stammt vom Album „In Schwarz“ und hat vielleicht einen Teil der Lösung parat. Dort heißt es nämlich: „Und selbst wenn alles scheiße ist, du pleite bist und sonst nix kannst, dann sei doch einfach stolz auf dein Land.

Oder gib die Schuld ein paar anderen armen Schweinen: Hey, wie wäre es denn mit den Leuten im Asylbewerberheim?“

Was wird?

Der Fall der Berliner Mauer beziehungsweise die Zeit kurz davor treibt auch Herrn Lehmann um. 29 Jahre alt lebt er in Berlin-Kreuzberg, arbeitet dort in einer Kneipe mit dem ebenso kämpferischen wie originellen Namen der „Einfall“ – und ist der Protagonist im Erstlingswerk des Musikers und Schriftstellers Sven Regener. Ein Romandebüt, das 2001 von den Kritikern gefeiert und 2003 schließlich verfilmt wurde. Wie das bei vielen erfolgreichen Romanen so ist, gibt es auch zu „Herr Lehmann“ eine Bühnenadaption, die aber noch nie in Bremen aufgeführt wurde. Eigentlich ziemlich merkwürdig, wo der Frontmann der Band Element of Crime doch in der Hansestadt geboren wurde. Doch die Zeiten der Vernachlässigung sind nun vorbei, am Donnerstag bringt das Schnürschuh-Theater „Herr Lehmann“ als Schauspiel-Premiere auf die Bühne. Endlich.

Termine:

Donnerstag, 20 Uhr, „Herr Lehmann“, Schauspiel-Premiere Schnürschuh-Theater Bremen.

Freitag, 19.30 Uhr, „Eine Familie“, Schauspiel-Premiere, Theater Bremen.

Samstag, 20 Uhr, „Odyssee“, Schauspiel-Premiere, Oldenburgisches Staatstheater.

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