Bannaschs Kulturwochen:

Gewissensfrage

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Noch bleibt es ein Gedankenspiel für die Bühne: Welches Leben wiegt mehr?

Was war? was wird? Bannaschs Kulturwochen schauen hin.

Was war?

In meinem Rückblick auf das Jahr 2015 schrieb ich vor nicht mal drei Monaten darüber, dass unserer Republik so langsam die Dichter und Denker ausgehen. Und das, obwohl wir sie mehr denn je brauchen. Nun ist auch 2016 keine Besserung in Sicht: Mit Roger Willemsen haben wir den Verlust des nächsten kritischen Intellektuellen zu beklagen. Unvergessen bleibt für mich sein Buch „Hohes Haus“, für das er sich ein Jahr lang dem Gekeife im Deutschen Bundestag ausgesetzt hat. Dabei herausgekommen ist ein geradezu aufklärerisches Werk, ja fast schon eine Realsatire über den Parlamentarismus dieser Tage und seine demokratisch gewählten Selbstdarsteller. Willemsen schrieb und kritisierte scharf, vor allem Heidi Klum und ihre Modelshow kamen bei ihm nicht gut weg. Allerdings jagte Roger Willemsen den Menschen keine Angst ein, vor allem nicht voreinander. Stattdessen warb er, der leidenschaftliche Reisende, für Verständnis und ruhige Töne – umso größer die Lücke, die sein Krebstod gerissen hat. Besonders heute, wo eins so selten geworden ist: eine kluge Stimme.

Was wird?

Was würden Sie tun? Ein vollbesetzter Passagierjet nimmt Kurs auf die Allianz-Arena in München. Das Stadion ist ausverkauft, knapp 75 000 Menschen sitzen auf den Rängen. Sie haben es in der Hand, könnten den Jet abschießen und damit das Leben der Fußballfans retten. Allerdings erlaubt das Luftsicherheitsgesetz auch bei Bedrohung nicht, ein entführtes Flugzeug abzuschießen. Wenn Sie handeln, dann auf eigene Gefahr. Es ist eine fundamentale Frage, die Ferdinand von Schirach im Theaterstück „Terror“ abhandelt: Darf Leben gegen Leben aufgewogen werden?

Das ist zunächst einmal ein rein konstruiertes Problem, allerdings haben sich die Zeiten seit der Uraufführung des Stücks fundamental geändert. Heute befinden wir uns im Krieg gegen den IS, sagt jedenfalls die Politik. Da scheint auch eine Flugzeugentführung über Deutschland nicht mehr unwahrscheinlich.

Termine:

Freitag, 19.30 Uhr, Macbeth, Schauspiel-Premiere, Shakespeare Company.

Samstag, 19 Uhr, Ausstellung der Preisträger des 23. Videokunst Förderpreises, Kunsthalle Bremen.

Samstag, 19.30 Uhr, „Terror“ von Ferdinand von Schirach, Schauspiel-Premiere, Oldenburgisches Staatstheater.

Samstag, 20 Uhr, Robert van de Laar – unverzüglich zuwarten, Ausstellungseröffnung, Städtische Galerie Bremen.

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