Bannaschs Kulturwoche:

Die Sicherheit des Leichten

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Ob Helene Fischer nun anspruchsvolle Musik macht oder nicht - an dieser Frage scheiden sich die Geister.

Was war? was wird? Bannaschs Kulturwochen schauen hin.

Ein Konzerthaus, Hort deutscher Hochkultur. Wenn es irgendwo Toleranz und Verständnis gibt, dann wohl da. Kommen in den Konzertsälen der Republik schließlich Menschen zusammen, denen man Angst und Engstirnigkeit nun wirklich nicht vorwerfen kann. Oder etwa doch? Die Geschehnisse vom vergangenen Wochenende lassen etwas anderes vermuten, als das Publikum in der Kölner Philharmonie den iranischen Cembalisten Mahan Esfahani von der Bühne pöbelte. Denn der Musiker beging einen schwerwiegenden Fehler, er mutete den Zuhörern des Abonnentenkonzerts die „Piano Phase“ von Steve Reich zu.

Zugebenermaßen keine leichte Kost, besteht das 1967 geschriebene Stück doch aus sechszehn Minuten purem h-Moll. Ein und dieselbe Tonfolge, die eigentlich zwei Pianisten spielen und im Laufe des Stücks langsam ineinander verschieben sollen. Am Klavier knallt das ziemlich und klingt durchaus etwas gewöhnungsbedürftig. Doch auch die weichere Version am Cembalo konnte die Zuschauer in Köln nicht milde stimmen, sie lärmten, klatschten, johlten – und zwangen Esfahani zum Abbruch. Und dass, obwohl der Interpret zuvor in bestem Englisch erklärt hatte, was es mit der Komposition auf sich hat. Da hatte die Menge dem in Teheran geborenen Musiker aber bereits „Reden Sie doch gefälligst Deutsch“ zugerufen. Da frage ich mich, wo wir hier eigentlich sind. Immerhin, es waren keine uninformierten Konzertbesucher, deren Benehmen an diesem Vormittag unter aller Sau war. Nein, hier saßen wütende ältere Männer und Frauen, Abonnenten, die sogenanten Bildungsbürger und schrien gegen die unaufhaltsame Verschiebung des Vertrauten an. Das mutet schon fast wie ein Sinnbild für die Lage der Nation an. In einer Zeit, in der sich so viele Dinge im Umbruch befinden, in der nichst mehr sicher scheint, möge doch zumindest das Konzert am Sonntagmorgen so bleiben wie es ist: Schön leicht.

Was wird?

Anklägerin 3, Verteidiger 1, Anklägerin 5, Angeklagter 1, Zeuge 2, Zeuge 22 – so heißen einige der Hauptakteuere in einem literarischen Denkmal der etwas anderen Art. „Die Ermittlung“ lautet der Titel des Stücks von Peter Weiß, mit dem er den Frankfurter Auschwitz-Prozess von 1965 verarbeitete. Zum 100. Geburtstag des Autoren wird es nun am Donnerstag gelesen und zwar szenisch. Die Rollen übernehmen aber keine Schauspieler, sondern Politiker, Kulturschaffende und ganz gewöhnliche Bürger. Allerdings nicht irgendwo, sondern in der Bremer Bürgerschaft. Dort, wo sonst politische Entscheidungen gefällt werden, geht es einen Abend lang um die NS-Vergangenheit, um Schuld und Vergeltung. Und damit auch um die Lehren, die wir aus dem Gräuel des Nationalsozialismus gezogen haben. Ein Thema, das aktueller nicht sein könnte.

Termine

Montag, 20 Uhr, „Die Prinzen – 25 Jahre auf Bewährung“, Musical Theater Bremen.

Donnerstag, 19 Uhr, „Die Ermittlung“, szenische Lesung, Bremische Bürgerschaft.

Freitag, 20 Uhr, „Ballet Recolución“, Musical Theater Bremen.

Samstag, 19.30 Uhr, „Carmina Burana“, szenisches Chorkonzert, Theater Bremen.

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