Werke von Friederike Klotz im Gerhard-Marcks-Haus

Banalität des Fabulierens

Frederike Klotz: „Turm“, 2013. Acrylglas, Fresnellinsen, Folien, Drehmotor. ·
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Frederike Klotz: „Turm“, 2013. Acrylglas, Fresnellinsen, Folien, Drehmotor.

Bremen - Von Johannes Bruggaier. Wer sich mit der Kunst von Friederike Klotz befassen will, sollte weder mit seinen Gelenken noch mit seinem Rücken auf Kriegsfuß stehen.

Man muss schon ganz nah rangehen, um etwas geboten zu bekommen von diesen eigentümlichen Glaskörpern im Gerhard-Marcks-Haus. Und „nah ran“, bedeutet nicht selten: bücken, knien, hocken.

Blickt man also mit diesem Körpereinsatz gespannt durch die von weitem milchig undurchsichtig anmutenden Scheiben (sogenannte Fresnel-Linsen), tun sich unvermittelt skurrile Welten auf. Wir sehen parkähnliche Anlagen mit ameisengroßen Menschen darin, gigantische Brücken über Industriegebäuden, futuristische Türme zwischen monströsen Wohnblöcken. Alles in zarten, schwarzen Konturen, gebaut auf einer rotierenden weißen Scheibe. Ein installierter Motor sorgt für ständigen Szenenwechsel, der Betrachter fliegt förmlich über Park, Brücken und Türme hinweg.

Eine Etage tiefer, vom Bücken geht‘s jetzt in die Hocke, zeigt sich eine zweite Scheibe: wieder architektonische Wagnisse und extrovertierte Konstruktionen. Immer noch beschränkt sich diese kühle Welt fast ganz auf Schwarz und Weiß. Und überrascht dann doch mal eine Grünfläche, so befindet sich diese sorgsam eingekapselt unter einer Glaskuppel. Erst ganz unten, der Betrachter rutscht bereits auf den Knien, kommt so richtig Farbe ins Spiel: Grün und Braun, eine erdige Substanz als letztes Relikt der Natur.

In einem anderen Glasobjekt zieren Klotz‘ filigrane Gebäude wüste Mondlandschaften mit tiefen Canyons und rauen Felsen. Assoziationen zu menschlichen Siedlungen im Weltraum tun sich auf. Und eine urbane Studie auf mehreren übereinander geschichteten Plexiglasplatten – eine Technik, die Räumlichkeit suggeriert – lässt im Himmel eine Art Raumschiff erahnen.

Das alles erinnert an einen großen Abenteuerspielplatz der Science-Fiction-Industrie, an die orwellschen Horrorvisionen von Anonymität und Künstlichkeit gleichermaßen wie an die Faszination eines technologisch durchdesignten Lebens. Mehr allerdings als diese spielerische Dimension lässt sich den Objekten schwerlich abgewinnen. Zu diffus für eine kritische Relevanz und zu konventionell für eine ästhetische Geltung reduziert sich ihre Wirkung auf die Banalität des Fabulierens. Davon bietet die herkömmliche Science-Fiction-Literatur schon mehr als genug.

Bis 26. Januar im Gerhard-Marcks-Haus (Empore), Am Wall 208, Bremen. Öffnungszeiten: Di. und Mi. sowie Fr. bis So. 10 bis 18 Uhr, Do. 10 bis 21 Uhr.

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