Bremer Bürgerschaft 

Ausstellung über einstigen Bremer Intendanten Kurt Hübner eröffnet

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Kurt Hübner (r.) stand auch selbst auf der Bühne, hier 1965 mit Bruno Ganz (l.) und Vadim Glowna: „Frühlings Erwachen“ im „Bremer Stil“. 

Bremen - Von Rolf Stein. Es ist etwas mehr als drei Jahre her, da fragte das Theater Bremen uns und sich selbst: „War da was?“ Der Regisseur Gernot Grünewald hatte zur Annäherung an diese Frage mit einem Ensemble recherchiert, was es mit der legendären Ära Kurt Hübner auf sich hatte, die nach Meinung nicht weniger Bremen für eine Zeit zum aufregendsten Theaterort der Republik machte.

Derzeit und noch bis zum 15. November befasst sich in der Bremer Bürgerschaft die Ausstellung „Was für ein Theater?!“ anlässlich Hübners 100. Geburtstag (am 30. Oktober) mit dem Mann, der das Theater Bremen von 1962 bis 1973 leitete und in dieser Zeit Künstler wie Peter Zadek, Peter Stein, Rainer Werner Fassbinder, Wilfried Minks, Bruno Ganz, Hannelore Hoger, Edith Clever und viele andere an die Weser holte und damit zum Vater des sogenannten Regietheaters wurde.

Inszenierungsfotos, Programmhefte, Textbuchseiten mit Anstrichen, Fernsehmitschnitte, Korrespondenzen und einordnende Informationstafeln erlauben einen differenzierten Blick auf den Mann, der das Bremer Theater nicht nur aus seiner Provinzialität riss, sondern es für ein Jahrzehnt zum aufregendsten deutschen Theater schlechthin machte.

Davon mögen Bremen und sein Theater seither zwar nostalgisch zehren – andererseits nährte das allerdings auch einen Anspruch, den nicht nur das hiesige Stadttheater seither kaum hätte erfüllen können.

Es überrascht kaum, dass die Bremer Gesellschaft jener Jahre keineswegs einhellig begeistert war. Es ist auch bekannt, dass die Bremer Kulturpolitik der Ära Hübner nach langem Hin und Her schließlich ein Ende setzte – die Zuschauerzahlen, die Steuergelder, kurz: die alte Leier. Geschlagen wurde sie übrigens nicht zuletzt vom Feuilleton des „Weser Kurier“, wie ein in körnigem Schwarzweiß über einen der Bildschirme laufender Beitrag erzählt, in dem – das waren noch Zeiten – in den Redaktionsstuben dieser Republik noch nach Herzenslust gequalmt werden durfte.

So auch am Schreibtisch von Günther Rühle, damals Theaterkritiker der „Frankfurter Allgemeinen“, der in dem Bremer Theater jener Jahre etwas Einzigartiges erkannte. Provokativ könne so ein Theater nur auf Stehengebliebene wirken.

Die Schau in der Bürgerschaft will allerdings auch nicht unreflektiert an der Legende Hübner mitstricken. Es kommen auch dessen Gegenspieler zu Wort, von denen der damalige Bildungssenator Moritz Thape (SPD) der prominenteste war, während übrigens laut Christine Koschnick, damals Bremens First Lady, Bürgermeister Koschnick eher Anhänger des Bremer Stils gewesen sei. Thape jedenfalls wies laut einem in der Ausstellung einsehbaren Protokoll einmal darauf hin, dass bei aller Progressivität nach außen am Theater Bremen „wie im Mittelalter“ gearbeitet werde. Neben dem Protokollausschnitt hängt übrigens die Nachbildung eines Hampelmanns, der, zieht man an seiner Strippe, den Schriftzug „Thape ist doof“ zeigt. Das Original sitzt in einer Vitrine gleich daneben.

Einen kleinen Schönheitsfehler gibt es übrigens zu bemängeln: Leider enthalten die Bildlegenden zu den Inszenierungsfotos keine Informationen über die abgebildeten Schauspieler. Davon abgesehen ist die Ausstellung nicht nur Theaterfreunden und kulturpolitisch Interessierten höchst sehenswert.

„Was für ein Theater?!“, bis 15. November, montags bis freitags, 10 bis 17 Uhr, Bremische Bürgerschaft, Eintritt frei.

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