Ausstellung beleuchtet Gabriele Münter

Ein Sprung ins tiefe Wasser

+
Stillleben mit Madonnenfigürchen, um 1910

Hannover - Von Jörg Worat. Gar zu üppig sind die Ausstellungsräume nicht dimensioniert. Und ob in „Kontur, Farbe, Licht: Das Wesentliche zeigen – Gabriele Münter 1877-1962“ wirklich die stärksten Arbeiten dieser Künstlerin vertreten sind, sei dahingestellt. Dennoch ist die Schau der Stiftung Ahlers Pro Arte beispielhaft – derart auf den Punkt kommen nur sehr wenige Präsentationen, und für Kenner wie Novizen gibt es eine Menge zu entdecken. - Von Jörg Worat.

Münter wird zumeist in einem Atemzug mit dem „Blauen Reiter“ genannt, wobei auf der Strecke zu bleiben droht, dass man dabei eher einen lockeren Zusammenschluss von Künstlern mit jeweils sehr eigenem Profil im Auge haben sollte und kaum von einem gemeinsamen Stil sprechen kann. Kandinsky höchstselbst äußerte einst, nach seinem Verständnis habe es die viel beschworene „Künstlergruppe“ nie gegeben.

Das spricht natürlich keineswegs dagegen, Münters Werk in einen weiter gefassten Kontext zu stellen. Von ihrer eigenen Hand stammen in dieser Ausstellung rund 50 Gemälde sowie etwa 30 grafische und zeichnerische Arbeiten, dazu kommen sinnfällige Ergänzungen aus dem Umfeld des „Blauen Reiters“ oder Beispiele der süddeutschen Volkskunst, die einen großen Einfluss auf die Künstlerin ausübte. Sie schwärmte von „unbekümmerter Formvereinfachung und starken Farben in dunklen Umrissen“; beide Merkmale sollten zu Charakteristika ihrer eigenen Darstellungen werden.

Überhaupt treffen die Zitate der Wandbeschriftung durchweg ins Schwarze. Schön ist etwa nachzuspüren, wie die Künstlerin nach impressionistisch geprägten Anfängen zunehmend in andere Richtungen driftete, „vom Naturabmalen zum Fühlen eines Inhalts, zum Abstrahieren, zum Geben eines Extraktes“. Was durchaus mit Risiko verbunden war: Münter verglich das Malen mit dem Sprung in tiefes Wasser, „und ich weiß vorher nie, ob ich werde schwimmen können“.

So ist diesen Figuren, den vielen Landschaftseindrücken, auch den späten Abstraktionen stets etwas Spontanes und etwas sehr Individuelles zu eigen. Höhepunkte der Ausstellung? Das um 1910 entstandene „Stillleben mit Madonnenfigürchen“ kann nachhaltig anrühren, die „Häuser im Schnee“ von 1933 sind stark atmosphärisch aufgeladen, ein Hundebild aus dem Jahr 1956 gefällt durch souveräne Reduktion. Und gegen Ende des Rundgangs findet sich das vielleicht schönste Zitat: „Ich mach‘ halt und pfirti.“

Die Ausstellung läuft bis zum 10. Januar. Geöffnet freitags bis sonntags von 12 bis 17 Uhr, Heiligabend, 1. und 2. Weihnachtstag, Silvester und Neujahr geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Gutes Geld für alte Schätze

Gutes Geld für alte Schätze

Kochen mit Matcha bringt Farbe ins Spiel

Kochen mit Matcha bringt Farbe ins Spiel

So trägt man farbiges Leder im Sommer 2020

So trägt man farbiges Leder im Sommer 2020

Autotest: Beim Morgan Threewheeler zählt der Funfaktor

Autotest: Beim Morgan Threewheeler zählt der Funfaktor

Meistgelesene Artikel

Gibt es „schwarzes Bewusstsein“?

Gibt es „schwarzes Bewusstsein“?

Unverkennbar menschlich, wundersam verformt

Unverkennbar menschlich, wundersam verformt

Zur Entspannung etwas Mozart

Zur Entspannung etwas Mozart

Der zweite Blick

Der zweite Blick

Kommentare