Ausbruch aus dem Alltag

„A Summer´s Tale“ wartet mit Workshops, Lesungen und Erlebnissen auf

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Lauschen in der Idylle: Das „A Summer’s Tale“ beginnt morgen in Luhmühlen.

Luhmühlen - Nun rollen sie an, die Karawanen von Festivalisten, die sich seit Anfang der Woche auf der Autobahn in den kleinen Ort im Norden namens Wacken schälen, am Auto oder Anhängerin drei Buchstaben das Bekenntnis „WOA“ aus Panzertape aufgeklebt. Bei den Metal-Fans geht es auch beim „Heavy Birthday“ in der 30. Auflage des Urgesteins vor allem um zwei Dinge: Musik und Bier.

Weiter davon könnte das, was sich 120 Kilometer entfernt zur gleichen Zeit im beschaulichen Luhmühlen bei Lüneburg abspielen wird, kaum entfernt sein: Bier wird beim Boutiquefestival „A Summer´s Tale“ höchstens in der „Craft“-Version am Foodtruck ausgeschenkt.

Ansonsten heißt es: Edelweine junger wilder Winzer, Cocktails mit Deko aus selbst gepflückten Wildkräutern und für den Nachwuchs die Nuckelflasche oder einen fair gehandelten Eistee. Und Musik? Die gibt es zwar auch, doch sie steht nicht im Vordergrund. Die großen Namen wie Patti Smith oder Noel Gallagher, die in den Vorjahren die oberen Plätzen des Line-Ups zierten, sucht man diesmal vergeblich. 

Spielen unter Bäumen: Auch an die Kleinsten ist gedacht.

Was nicht heißen soll, dass sich ein Besuch des Springreitturniergeländes am Rand der Lüneburger Heide aus musikalischen Gründen nicht trotzdem lohnt. Nun ist Geschmack ja bekanntlich relativ, aber im bunt gemischten, deutlich auf die gesetzteren Generationen ausgerichteten Programm finden sich neben Zugpferden wie Zaz mit ihrem französischen Gute-Laune-Charme, den Altrockern Elbow, der Dänin Tina Dico und Britpop-Wegbereitern Suede echte Perlen. 

Enno Bunger etwa, der gerade sein neues, sehr persönliches Album herausgebracht hat (wir berichteten) oder das zwischen Punk und Chanson mäandernde Schweizer Enfant Terrible Faber. Beide lieferten unlängst beim Hurricane ab – Zufall? Wohl kaum, stecken hinter den beiden ganz unterschiedlichen Massenveranstaltungen doch die Festivalorganisatoren von FKP Scorpio.

Bei dem jüngsten Kind der Hamburger, das in diesem Jahr immerhin auch schon fast schulreif ist, geht es jedoch nicht primär um den schnellen Rausch durch Promille und Dezibel. Sondern vielmehr um, das Wort möge verziehen werden, ganzheitliches Festivalerleben: um Bewusstseinserweiterung zwischen Kneipenchor und Karate, Kaligrafie-Workshop und Nachtwanderung mit dem Nachwuchs. Der ist an diesem Wochenende nicht nur ausdrücklich erwünscht, sondern wird sogar mit einem eigenen Programm bespaßt.

Auch hier verbergen sich zwischen Dauerbrennern wie Yoga in allen Variationen oder eine Lesung und Dauergast Heinz Strunk echte Schätze: die Lesung der Bloggerin Ronja von Rönne, die Erfahrungen von Lehrer Jan Kammann, der im Rahmen seines Projektes „ein deutsches Klassenzimmer“ während eines Sabbatjahres die Familien seiner Schüler in aller Welt besuchte oder Sören Zehles Wanderung auf den Spuren von Jesus von Nazareth in „zu Fuß durch ein gespaltenes Land“. 

Wer sich in den Ferien nicht mit Gedankenexperimenten wie „Citizen Science“ oder „A Global Mess“ fordern möchte, findet sicherlich beim gemeinsamen Mantrasingen oder Finger Knitting innere Einkehr – oder zumindest ein paar Tage Ausbruch aus dem Alltag.

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