Optionen für die Weserburg werden auf Realisierbarkeit geprüft

Auf Augenhöhe

Noch leuchten die Fenster der Weserburg. Doch die Zukunft bleibt unklar, der Verantwortlichen prüfen zwei Optionen für das Museum. ·
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Noch leuchten die Fenster der Weserburg. Doch die Zukunft bleibt unklar, der Verantwortlichen prüfen zwei Optionen für das Museum. ·

Bremen - Von Tim SchomackerWie geht das Kunstsammeln heute? Im März präsentiert die Weserburg mit dem Auftakt der Ausstellungsreihe „Junge Sammlungen“ einen Einblick in die Kunstkollektion von Dominic und Cordula Sohst-Brennenstuhl aus Hamburg. Zugleich kann das Sammlermuseum dann zeigen, wie es sich kuratorisch zu veränderten Bedingungen auf dem Kunstmarkt und zu einer neuen Generation von Sammlern verhält.

Fast ein wenig ironisch trägt die Ausstellung den Titel „Nullpunkt aller Orte“. Nicht schlecht gewählt für ein Museum, über das derzeit weniger wegen seiner Kunstpräsentation als wegen seiner Standortfragen berichtet wird. Denn einen entsprechenden Nullpunkt postulieren derzeit vor allem jene, die für die Rahmenbedingungen der kuratorischen und wissenschaftlichen Arbeit in der Weserburg verantwortlich sind.

„Was die Standortfrage betrifft, gibt es keine Tabus“, sagte Vorsitzende des Stiftungsrats, Klaus Sondergeld vergangene Woche. Es geht um den Verbleib in den sanierungsbedürftigen Räumen auf dem Teerhof einerseits oder den Umzug in ein alternatives Gebäude (mutmaßlich in den Wallanlagen unweit der Kunsthalle) andererseits. Beide Optionen, so die Bremer Kulturstaatsrätin Carmen Emigholz bei der Sitzung der Kulturdeputation am Dienstag, würden „jetzt auf ihre Realisierbarkeit hin überprüft. Ich erwarte, dass bei beiden Möglichkeiten alle anstehenden Kosten in die Betrachtung einbezogen werden.“ Das Ziel sei – und in diesem Punkt herrscht zwischen allen Akteuren Einigkeit –, „die Weserburg zukunftssicher aufzustellen und so in Bremen weiterhin eine attraktive und impulsgebende Präsentation von Gegenwartskunst zu ermöglichen.“ Konzepte und Zahlen sollen im Verlauf des kommenden Jahres vorliegen, so der Beschluss der Kulturdeputation.

Während sich der Betriebsrat der Weserburg im Umfeld der Deputationssitzung klar zum Teerhof als Standort bekannte, wollte sich Emigholz auf das akute Gebäude nur insofern beziehen als es ein „Instrument der Präsentation“ sei. Mit Blick auf Bremen als attraktivem Standort für Gegenwartskunst gehe es vor allem um eine Profilschärfung der Weserburg als Einrichtung.

Der Chefkurator der Weserburg und Interimsdirektor, Peter Friese, nutzte die Gelegenheit, ein Zukunft-Profil zu skizzieren: Neben der ausstellungsgestützten Reflexion über gegenwärtige Sammlungstätigkeit nannte Friese verstärkte Kooperationen mit anderen Einrichtungen, die engere Zusammenarbeit mit der hiesigen Hochschule für Künste und deren Absolventen sowie die Vermittlungsarbeit in Partnerschaft mit Schulen oder Einrichtungen wie „Quartier e.V.“

All das, ohne mehrfach auf die beiden aus seiner Sicht essenziellen A hinzuweisen: dem Alleinstellungsmerkmal als Institution, die sich ausschließlich der Gegenwartskunst widmet, und der Augenhöhe, mit der man welchen Partnern auch immer begegnen wolle und müsse.

Der Betriebsrat der Weserburg hatte in einer Stellungnahme ein weiteres A hinzugesetzt und die unbedingte Beibehaltung der Autonomie der Einrichtung gefordert. Es mache „keinen Sinn, eine Debatte über eine Zusammenführung anzustoßen, wenn vorher nicht geklärt ist, inwieweit dies aufgrund der unterschiedlichen Trägerstrukturen überhaupt möglich ist“. Die Belegschaft der Weserburg trage geschlossen das von Friese skizzierte Programm, sagte Betriebsrat Dietrich Reusche.

Die institutionelle Eigenständigkeit müsse auch eben wegen dieses Profils gewahrt bleiben. Sich klar zur Autonomie zu positionieren, erwarte der Betriebsrat vom Stiftungsrat. Dazu gehöre auch die Besetzung des Weserburg-Direktoriums. „Eine direktorenlose Zeit bis zum Frühjahr 2015 kann nicht ernsthaft gewollt sein.“ Denn auch das Wissen, wer die Weserburg längerfristig in inhaltlichen wie strukturellen Fragen entsprechend vertrete, gehöre zu jener Planungssicherheit, die Kulturdeputierte aus verschiedenen Parteien bei der Sitzung am vergangenen Dienstag im Bezug auf eine zukunftsfähige Aufstellung der Gegenwartskunst in Bremen gefordert hatten.

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