Efterklang im Bremer Lagerhaus

Aufwendig, aber langweilig

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Allzu ausgewogen: Efterklang konnten in Bremen nicht überzeugen. ·

Bremen - Von Andreas SchnellDa hätte man sich wirklich einen anderen Veranstaltungsort als das Bremer Lagerhaus gewünscht.

Nicht nur, weil die Leinwand, die Efterklang zur visuellen Unterstützung ihrer zweistündigen Show mitgebracht hatten, so neben der Bühne platziert war, dass Auftritt und Projektionen eher nebeneinander herliefen, anstatt in Kombination zu einer Intensivierung des Konzerterlebnisses zu führen. Sondern auch, weil die Musik der Formation in ihrer gepflegten Melancholie eher für einen bestuhlten Saal geeignet ist. Zudem verhindert der niedrige Raum und die entsprechend niedrige Bühne, dass mehr als die ersten Reihen einen freien Blick auf die Bühne haben. Andererseits: So viel zu sehen gibt es bei Efterklang auch nicht unbedingt, weder eine ekstatische Bühnen-Show noch eine ausgefeilte Choreographie.

Umso mehr Wert legen Casper Clausen, Mads Christian Brauer und Rasmus Stolberg, die sich für ihre Konzerte um eine dreiköpfige Live-Band verstärken, darunter der amerikanische Violinist und Pianist Peter Broderick, auf gediegene Kompositionen, in denen sie Indie-Rock, Folk, Post-Rock und dezente Elektronik ausgewogen kombinieren. Oft leider allzu ausgewogen. Was dann ein bisschen an die dubiosen Nachgeburten des Progressive Rock erinnert, in denen sich die Lust zum Experiment zu einer technisch souveränen, aber musikalisch eher belanglosen Handwerkskunst verschliffen hatte.

Richtig falsch machen Efterklang eigentlich nichts. Sie haben auch durchaus Sinn für spinnerte Konzepte, reisten beispielsweise für ihr aktuelles Album „Piramida“ in ein Geisterstädtchen nach Spitzbergen und nahmen dort die Klänge auf, auf denen sie ihre neuen Kompositionen gründeten. Und sogar eine Zusammenarbeit mit dem National Danish Chamber Orchestra gelang ihnen ohne Verkitschung, was von derartigen Projekten nicht allzu oft zu behaupten wäre.

Über eine Länge von zwei Stunden fällt allerdings auf, dass ihre Musik zur Einförmigkeit neigt, immer wieder ähnliche Lieddramaturgien aufweist, sich vor allem allzu selten irritierende, sperrige Momente einstellen, wie sie Großmelancholiker wie Radiohead oder eine Band wie The Notwist immer wieder zustande bringen. Nur vereinzelt durchbrechen rhythmische Eskapaden, ein A-cappella-Exkurs oder dynamische Verdichtungen den Fluss des Abends, so dass am Ende das unbefriedigende Gefühl bleibt, einem bei allem Aufwand doch langweiligen Abend beigewohnt zu haben.

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