„Halv su wild“

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Alles unter Kontrolle: BAP-Sänger Wolfgang Niedecken in der Worpsweder Music Hall.

Worpswede - Von Ulf Kaack - Ein Konzert wie ein Besuch im Krankenhaus, der Patient ist nahezu genesen. Keine Schonkost wird mehr serviert, Deftiges ist angesagt.

Am Donnerstag gaben die Kölsch-Rocker BAP ein Warmup-Konzert für ihre Tour in familiärer Clubatmosphäre in der Music Hall Worpswede. Es war der erste gemeinsame Auftritt der Band nach dem Schlaganfall von Frontmann Wolfgang Niedecken. Nun wollten die Musiker und vor allem ihr 61-Jähriger Sänger beweisen, dass sie wieder zur alten Form zurückgehrt sind.

Bereits das Aufgebot der Medien, sieben TV-Teams tummelten sich zwischen den 500 Zuschauern in der ausverkauften Halle, ließ erkennen, dass dieser Auftritt besondere Beachtung erfuhr. Die ganze Nation hatte im vergangenen November Anteil an Niedeckens Schlaganfall genommen.

Mit drei Songs – „Wann immmer…“, „Halv su wild“ und „Autobahn“, gaben BAP zunächst Gas, bevor sich der Sänger, seit kurzem Bart- und Echo-Preisträger, zu seinem Gesundheitszustand äußerte. „Das Universum ist zu mir zurückgekommen. Ich bin so was von froh, dass ich endlich wieder Musik machen kann und nicht mehr über Schlaganfälle reden muss“, ließ Niedecken verlauten und stimmte sein „ganz persönliches Glaubensbekenntnis“ an – „Krohn oder Turban“.

An BAP und insbesondere Niedecken scheiden sich die Geister: Von Kritikern mit dem Nimbus der ewig-gestrigen 68er-Weltverbesserer bedacht, haben die Kölsch-Rocker auch nach rund drei Jahrzehnten Bühnenleben eine treue Fangemeinde. In Worpswede ließ sich das Publikum nicht in die Suppe spucken und machte das Konzert zur Party.

Vom ersten Ton an ließ Niedecken keinen Zweifel daran, dass er die volle Kontrolle über das Bühnengeschehen hat. Ein wenig leiser, weniger zynisch wirkte er – gereifter, manchmal introvertiert. Bassist Werner Kopal, Schlagzeuger Jürgen Zöller und Michael Nass an den Keyboards spielten eine solide Statistenrolle im Ensemble. Lediglich Gitarrist Helmut Krumminga, 1999 als Ersatz für den legendären „Major“ bei „Wolf Maahn’s Deserteuren“ abgeworben, durfte sich mit virtuoser Saitenarbeit neben dem kölschen Übervater in Szene setzen. Ebenso Violinistin Anne de Wolff, die nach einer halben Stunde die Bühne betrat. Sie fügte sich perfekt in das Ensemble ein, unterstützte mit sparsamen Parts, als Geigern, als Vokalistin und bei der Ballade „Jupp“ am Cello.

Doch, es war schon eine starke Vorstellung, die BAP ablieferte. Erdverbundene Hausmannskost, ein klingendes Roadmovie durch drei Jahrzehnte Bandhistorie mit Hits, Klassikern und einem klaren Schwerpunkt auf dem aktuellen Studioalbum. Musikalisch die bewährte eingängige Mixtur aus Rock und Pop, angereichert mit Reggae und Blues. Keine Highlights in der Spitze, Bewährtes halt.

Und mittendrin war er dann doch nochmal präsent, der Schlaganfall: Beim Refrain von „Du kannst zaubre“, der traumhaften Ballade aus dem BAPschen Frühwerk, sang das Auditorium mit kollektiver Inbrunst „… jeder andre hätt‘ gesagt, es ist zu spät. Der Typ ist fertig, den kriegste wirklich nicht mehr hin.“ Welch eine ergreifende Symbolik.

Gute Laune wurde kredenzt, Liebeslieder und natürlich kritisch betextetes Songmaterial: „Kristallnaach“ kam live deutlich intensiver und infernalischer rüber als das Original aus dem Jahr 1981. Noch eine Spur diabolischer „Noh Gulu“ – der Song über Kindersoldaten in Norduganda. Wachrüttelnd, elegisch, in einer kreischenden Gitarrenhölle endend. Nach fast drei Stunden und wie immer üppig bemessenem Zugabenteil flackerte nach „Für immer jung“, ein Cover von Bob Dylan’s Ballade „Forever young“, die Saalbeleuchtung wieder auf.

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