Bremer Philharmoniker spielen Beethoven

Aufblühen mit Pauken

Viviane Hagner ·

Bremen - Von Ute Schalz-Laurenze„Es ist eine Zumutung, mit der Geige in der Hand zuzuhören, wie die Oboe dem Publikum die einzige Melodie des ganzen Stückes vorspielt“: Der größte Geigenvirtuose des neunzehnten Jahrhunderts, Pablo de Sarasate, war nicht nur beleidigt über die Konzeption des Konzertes für Violine und Orchester op.

77 von Johannes Brahms, er traf auch inbezug auf die Konzeption des Komponisten den ästhetischen Kern. Brahms wollte kein „Virtuosenkonzert“ und verschlingt den Solo- mit dem Orchester in die gegenseitig ausgewogene Struktur eines sinfonischen Prinzips.

Dazu braucht man Solisten, die das verstehen und auch bejahen: In der 35-jährigen Viviane Hagner hatte man eine fulminante Künstlerin gefunden, die trotz einer bohrenden Präsenz sich nie in einen so nicht gedachten Vordergrund drängte. Ihr Reichtum an kommunikativen Nuancen war riesig: über solche Pianissimo-Tonschönheit, dass dem Publikum buchstäblich der Atem stehen blieb bis hin zu fast vibratolosen, fahlen und damit hochexpressiven Tönen und einem stringenten „energicamente“, wie es an einer Stelle in der Partitur heißt. Mehr als überzeugend auch die Feinheit der minimalen flexiblen Tempogestaltung, ohne jemals ungenau zu werden: diese Biegsamkeit erschien als eine wunderbare Kongruenz mit dem Dirigenten Markus Poschner. Wie beispiellos virtuos Hagner auf ihrer Stradivari doch spielen kann, zeigte sie dann in ihrer Zugabe mit einem Stück von Fritz Kreisler.

Beethovens siebte Sinfonie in A-Dur, op. 92, die „Apotheose des Tanzes“, wie Richard Wagner sagte, hat in Bremen bei der Deutschen Kammerphilharmonie Dauerpräsenz. Umso beeindruckender die Entscheidung der Bremer Philharmoniker, das Stück nun in einer sehr großen Besetzung vorzustellen. Denn mit derart großer Musik ist man nie zu Ende, umso mehr, als Markus Poschner ein überragend eigenständig anderes Konzept als Paavo Järvi vorstellen kann.

Carl Maria von Weber hatte 1813 Beethoven nach der Uraufführung als „reif für das Irrenhaus“ bezeichnet, und Poschner baute einen auf das Finale ausgerichteten Kosmos mit einem hemmungslosen Aufblühen, in der die Pauken eine größere Rolle spielen als je gehört. Häufig hat man das Gefühl, dass das Tempo reduziert oder angezogen wird, was aber nicht stimmt: Poschner und das aufmerksam, aber auch aufgekratzt folgende Orchester zeigten eine Wendigkeit der Tempi, die immer wieder von neuem zu größten Architekturen aufgebaut wurden. Weniger die Apotheose des Tanzes erklang hier, sondern eher die finale Dramatik einer Eroica. Zudem beeindruckend, wie das Riesenwerk in keiner Sekunde an Spannung verlor, sondern umgekehrt diese bis zu dem rasanten Schluss noch immer gesteigert werden konnte.

Die Ovationen waren verdient, es dürfte für so manchen von Interesse sein, an der Präsentation teilzunehmen, die der neunte Jahrgang der Musikklasse des Max-Planck-Gymnasiums in Delmenhorst am 27. Juni um 20 Uhr in der Glocke in Bremen zeigt. Die Schüler haben sich zusammen mit Markus Poschner die Sinfonie erarbeitet und ein neues Konzertformat entwickelt.

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