Schwankhalle zeigt „Highness“

Auch Majestäten fallen

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Die australische Performance-Künstlerin Melanie Jame Wolf gibt dieses Mal die Königin.

Bremen - Von Rolf Stein. Ein Abend über Lapdance im Besonderen und die Sex-Industrie im Allgemeineren, wie ihn die in Berlin lebende aus Australien stammende Perfomance-Künstlerin Melanie Jame Wolf vor einem Jahr in der Schwankhalle präsentierte, erregt natürlich schon seines Themas wegen Aufmerksamkeit.

Wenn er dann noch so klug und formal reizvoll durchgearbeitet ist wie „Mira Fuchs“, dann darf man schon mit einigen Erwartungen in den neuen Abend von Wolf gehen, der im Oktober in Berlin Premiere feierte und nun an zwei Tagen in Bremen zu sehen war.

Im zweiten Teil ihrer Trilogie über weiblichen Archetypen nimmt sie sich die Königin vor, nicht so sehr, aber durchaus auch als politische Funktion. Eher aber als die Frau als überhöhtes oder sich selbst überhöhendes Wesen. Anders als in „Mira Fuchs“ steht Wolf diesmal nicht allein auf der Bühne, sondern hat sich, wie sich das für eine Hoheit gehört, mit zwei diensthaften Geistern (Louise Trueheart und Jos McKain) umgeben. 

Sie sind in weißen Tennis-Dress gewandet, passend zur Farbe des Raumes, der sich zunächst ganz in Weiß gibt. Ein paar Objekte dienen als Showtreppe, Paravent, Projektionsflächen. Wobei das natürlich ein prima Stichwort ist. Denn die Königin an sich, also nicht allein im monarchischen Sinne, ist nie allein. Sie lebt von einer sozialen Umgebung, die Ikonen braucht. Und diese Fallhöhe impliziert schon die Möglichkeit des Sturzes.

Eine Tragik, die sie erst recht zum Topos der populären Kultur macht. Ein komplexes Referenzgeflecht, das Wolf aufzuzeigen sucht. Und oft sind die Bilder bestechend. Wolf wird buchstäblich zur Projektionsfläche, umkreist in Text-Loops Ideen von kulturellem Kapital, aber auch von der real existierenden Gewaltsamkeit des Königinnen-Verhältnisses. Blutrot blitzt es dann über die weiße Bühnenwand.

Wo allerdings „Mira Fuchs“ eben auch ein Wunder an Stringenz war, bleibt hier manches dramaturgisches Stückwerk und/oder undeutlich, wobei, das ist gewiss eingeschrieben in „Highness“: Das Scheitern zum Königin-Sein gehört dazu wie die Überhöhung. Man darf gespannt sein auf den dritten Teil der Reihe, in dem sich Wolf mit dem Bild der älteren Frau befassen wird.

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