Für jeden etwas dabei: Das Bremer Musikfest eröffnet mit einem vielseitigen Programm / Mozart, Brahms und Ligeti

Atmende Impulse und Klangfarben ohne Ende

Interpreten im Dunkeln, doch die Musik war erhellend: „I Solisti del Vento“

Bremen - Von Ute Schalz-Laurenze(Eig. Ber.) · Es war alles perfekt an diesem Abend: die 850 Strahler, die die gesamte Innenstadt in geheimnisvolle Farben verwandelten (Christian Weißkircher), das sommer-warme Wetter, die Besucherzahlen, die kulinarische Versorgung und natürlich und keineswegs zuletzt die Künstler.

Zum 21. Musikfest präsentierte Musikfestintendant Thomas Albert, „spannende Geheimtipps“, wie er sagte, aber auch berühmte Ensembles. In sieben Häusern – Dom, Glocke, Unser Lieben Frauen, Haus der Bürgerschaft, Landgericht, Rathaus und Schütting, – spielten die Künstler nach dem nun schon über zehn Jahre alten Konzept je drei dreiviertelstündige Konzerte pro Abend, das heißt: Das Publikum bucht drei vorher ausgewählte Konzerte und hat zwischendurch eine dreiviertel Stunde Zeit zum Flanieren und Wein trinken. Sogar einkaufen konnte man, denn die City-Einzelhändler hatten geöffnet. Das stimmungsvolle Angebot wurde angenommen und genutzt: Es war rappelvoll bis weit nach Mitternacht, man spricht von 5 000 Besuchern.

Der Komponist Helmut Lachenmann hat Wolfgang Amadeus Mozarts Serenade „Gran Partita“ KV 361 für zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Bassetthörner, zwei Fagotte, vier Hörner und ein Kontrabass ein „fast unheimliches, gar monströses Beispiel für die Spannung zwischen gesellschaftlichem Zeremoniell und künstlerischem Anspruch, den Mozart daran knüpft“ genannt. So war die Interpretation der „I Solisti del Vento“ im Haus der Bürgerschaft zu erleben: eine Mischung aus experimentellen Klangfarben ohne Ende und atmenden Impulsen, eine Mischung aus anheimelndem Serenadencharakter und immer wieder schroffem Verlassens davon. In dieser Hinsicht könnte man sich bei dieser Interpretation so manche wahrhaft abgründige Harmoniewechsel nachdrücklicher vorstellen. Wenn man spekuliert, was für Mozart ein Schwergewicht gewesen wäre, hätte er länger gelebt, so wäre es ganz sicher das Experimentieren mit den Klangfarben der Bläser gewesen.

Gar kein „halbes“, sondern trotz der vierzigminütigen Spielzeit ein vollgültiges und perfekt gebautes Programm bot der nun schon 1972 gegründete Arnold Schönberg Chor im Dom unter der Leitung von Erwin Ortner. Die ca. 50 Berufssänger haben in der Oper und Oratorium, aber auch in der a cappella-Musik unzählige Preise verdient gewonnen. Die stilistische Vielseitigkeit ist neben aller Qualität ihr Markenzeichen: von Monteverdi bis Luigi Nono. Einen vergleichbaren Rahmen wählte der Chor auch für sein Bremer Konzert: Romantik und Moderne. In den Stücken von Felix Mendelssohn Bartholdy, Anton Bruckner und Johannes Brahms fiel die fabelhafte Deklamation auf, die aber einer verführerischen Klangsinnlichkeit nicht im Weg war. Diese Balance von Klang und Sprache war faszinierend zu erleben. Das galt dann auch für die kaum als vokalen Ursprung zu erkennenden Klanggewebe von György Ligetis „Lux Aeterna“ und die komplexen mikrotonalen Flächen von Giacinto Scelsis „Tre Canti Sacri“: eigentlich ein Stück für Soli und deswegen für Chor besonders schwer zu realisieren (Scelsi hat es zugelassen). Die nichts weniger als rasanten „Cappricio Stravangante“, jenes 1986 gegründete Ensemble nach dem legendären Orchester Ludwigs XIII., mit einem vielseitigen Programm aus dem 17. Jahrhundert schlossen meinen Rundgang ab: Zusammen mit allem anderen nicht Gehörten wurde an diesem Abend wohl jeder Musikgeschmack bedient.

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