Serie: „Die neunte Kunst“

Asterix bei den alten Männern

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Adrenaline, die Heldin des neuen „Asterix“, zeigt den alten Männer eines kleines gallischen Dorfs, wo es langgeht.

Syke - Man wird nicht jünger, wäre die erste schlichte Erkenntnis, manche sind sogar schon gestorben. Und das ist für alle schwer. Auch Jean-Yves Ferri und Didier Conrad haben es nicht leicht mit Asterix, den sie von genialen alten Männern geerbt haben, um die Serie für eher durchschnittliche alte Männer am Leben zu halten. Sie können nur verlieren, das ist klar. Aber ohne jede Gallier-Metapher lässt sich mindestens sagen, dass die beiden erhobenen Hauptes in die Zukunft schreiten.

Darum geht es eigentlich im neuen Band: „Die Tochter des Vercingetorix“. Fast alle Figuren haben irgendwelche Kinder oder Praktikanten an der Backe, die nicht nur alles besser wissen, sondern in der Regel auch noch Recht damit haben: „So krass, wie ihr die Wildschweine überjagt, gibt’s sowieso bald keine mehr!“ Und das tut Obelix schon auch weh, weil er ja irgendwie dazwischen steht, zwischen den Alten und den Jungen, die beide so recht nichts mit ihm anzufangen wissen.

Konsequent und mutig erzählen Ferri und Conrad ihre erste wirklich selbstreflexive Geschichte an ihren Helden vorbei: Während die Titelfigur Adrenaline verständlicherweise keine Lust auf Römisch-Gallische-Querelen hat und sich stattdessen irgendwie nach Thule durchschlagen will, steht das ganze Gallierdorf bereit, sie davon abzuhalten. Paternalistisch ist das, klar, nur klappt es eben auch nicht. Man kann das nun so oder so lesen: als Versuch, feministische Positionen als zickigen Unfug lächerlich zu machen – oder als imposantes Aufbegehren einer jungen, weiblichen Generation. Wirklich gut ist, wie der Band genau dieses Verhältnis selbst problematisiert: als Adrenaline de facto Piratenkapitänin wird, während die Mannschaft sie für eine Art Maskottchen hält.

Asterix bei der Frankfurter Buchmesse.

Eine Zumutung für alte Leser und alte Helden ist das in jedem Fall: Asterix und Obelix wären lieber auf einem „Auslandseinsatz“, der ewige Piratenspäher will seinen Ausguck zurück, den Adrenaline besetzt hat – und der Zenturio befiehlt seinen Männern, die Köpfe unten zu halten. Weil er keinen Stress mehr braucht, bevor es „an den Iden des Maius“ endlich in Rente geht.

Das sind die Zutaten, aus denen Ferri und Conrad erstaunlich viel machen: Einen „Asterix auf der Metabene“ inklusive Selbstzitatschlacht, in gewohnter zeichnerischer Qualität mit größtenteils gelungenen Gags. Geschenkt, dass früher alles besser war. Es tut auch wirklich nicht weh, einfach mal anzuerkennen, mit welcher Behutsamkeit die beiden ihr Erbe pflegen und es statt anarcho-komisch eher subtil auf seinen Gehalt befragen.

So weit, so schön. Und nicht vergessen: „Hinkelsteine und Zaubertrank sind die Stützen des Wildschweinesystems!“

Lesen

Ferri, J.-V. / Conrad, D.: Asterix 38: Die Tochter des Vercingetorix, Egmont 2019, 48 Seiten, verschiedene Ausgaben.

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