Ressortarchiv: Kultur

Ein Band geht um die Welt

Ein Band geht um die Welt

Bremen – Gaffer Tape, das ist so etwas wie das Allheilmittel im Bühnenbetrieb. Man kann damit ungefähr alles zusammenkleben. Und es ist beinahe unsichtbar. „Gaffer Tape“ ist auch der Titel eines Tanzstücks für einen Menschen und ein aufblasbares Spielzeug für den Swimming Pool, von Tänzer Adrian Wenzel liebevoll „Schwimmi“ getauft. Gaffer Tape ist an diesem Abend auch auf der Bühne: Wenzel hat eine Rolle davon mitgebracht und auf einem Kasten rechts abgestellt. Dort bleibt es bis zum Ende des Stücks stehen. „Gaffer hält die Welt zusammen“, heißt es im Programmheft. „Aber nur provisorisch und bis wir in große Hitze gelangen.“
Ein Band geht um die Welt
Städte wie gemalt

Städte wie gemalt

Hannover – „Als wäre man schon einmal dort gewesen“, sagt Rem Koolhaas. „War man aber nicht. Es sind all die vertrauten Bausteine, die immer wieder neu zusammengestellt werden.“ Es hat seine Gründe, dass dieses Zitat des berühmten Architekten so ziemlich das erste ist, was der Besucher der Galerie für Fotografie in der Eisfabrik zu Gesicht bekommt. Die Ausstellung von Jürgen Strasser ist überwältigend, sie macht aber auch Angst. Gleichwohl sollte man sich voll darauf einlassen, erweist sich doch der einigermaßen abgedroschene Titel „Schöne neue Welt“ als einziges echtes Manko der Schau.
Städte wie gemalt
Sündenfall im Unrechtsstaat

Sündenfall im Unrechtsstaat

Bremerhaven – Das Elend beim Entrümpeln ist ja: Hat man den Krempel erst aus der Wohnung, geht meist auch die Gemütlichkeit flöten. Dann vermisst man ihn doch, den Plunder, und wird ihn trotzdem – um Himmels Willen – nicht wieder zurückschleppen. Ganz ähnlich verhält es sich mit Juli Zehs „Corpus Delicti“ und der inszenatorischen Entschlackungskur, die Magz Barrawasser dem Stück in Bremerhaven verpasst hat. Auch da nagen leider bald Zweifel, ob nicht vielleicht doch etwas dran war an dem geschwätzigen Ballast des Textes.
Sündenfall im Unrechtsstaat
Oldenburgisches Staatstheater bringt „Gott“ auf die Bühne

Oldenburgisches Staatstheater bringt „Gott“ auf die Bühne

Oldenburg – Ein Mann will nicht mehr leben. Richard Gärtner, 78, hat vor drei Jahren seine Frau verloren und nun keine Freude mehr am irdischen Dasein. Vor dem Ethikrat kämpft er um Verständnis für sein Vorhaben, sich beim Sterben helfen zu lassen.
Oldenburgisches Staatstheater bringt „Gott“ auf die Bühne
Mit deutscher Gründlichkeit

Mit deutscher Gründlichkeit

Bremen – Auch wenn er dort steht, wo Bremen schon beinahe zu Ende ist, kaum zu sehen von der Hauptstraße, ist der U-Bootbunker Valentin spätestens mit Hans Kresniks Karl-Kraus-Inszenierung „Die letzten Tage der Menschheit“ nicht nur in der Region weithin bekannt.
Mit deutscher Gründlichkeit
Wo die Zwerge wohnen

Wo die Zwerge wohnen

Syke – Jägerzaun und Gartenzwerg – es gibt wohl kaum etwas, das dem Bild vom spießigen Deutschen so sehr entspricht. Man sieht ihn förmlich vor sich den gepflegten Garten, natürlich mit akkurat gemähtem Rasen. Umgeben von eben jenem Jägerzaun. Hinter dem nicht nur die Gnome wohnen, sondern meist auch ein Dackel. Oder irgendein anderer Kläffer. Alles ganz ordentlich, angepasst – und langweilig. Oder doch nicht? Sind diese Sinnbilder deutscher Tradition vielleicht nicht ganz so überholt und spießig? Ein Eindruck, der einen zumindest im Syker Vorwerk beschleicht.
Wo die Zwerge wohnen
Ausstellung „Berührend“: So nah und doch so fern

Ausstellung „Berührend“: So nah und doch so fern

Bremen – Es ist ein eigentümlich zwiespältiges Entrée: „Stanze di Raffaello 2“ heißt die Fotoarbeit von Thomas Struth, die das Publikum der Ausstellung „Berührend. Annäherung an ein wesentliches Bedürfnis“ begrüßt. Zu sehen ist eine Szene aus den Vatikanischen Museen – ganz offensichtlich in Vor-Corona-Zeiten.
Ausstellung „Berührend“: So nah und doch so fern
Tanzen verboten, streamen erlaubt: Reeperbahn Festival 2020 ist angelaufen

Tanzen verboten, streamen erlaubt: Reeperbahn Festival 2020 ist angelaufen

Das Reeperbahn Festival 2020 in Hamburg findet trotz Coronavirus-Pandemie statt. Doch Europas größtes Musikfestival soll ein Zeichen für die Veranstaltungsbranche sein.
Tanzen verboten, streamen erlaubt: Reeperbahn Festival 2020 ist angelaufen
Immer auf die Kleinen

Immer auf die Kleinen

Bremen – So richtig neu ist es wirklich nicht – nicht nur, weil „La Poudre aux yeux“ von Eugène Labiche aus dem Jahr 1861 stammt. Und auch nicht nur, weil der Regisseur Felix Rothenhäusler das Stück in einer Neuübersetzung von Tobias Haberkorn mit dem Titel „Trüffel Trüffel Trüffel“ bereits vor ziemlich genau drei Jahren an den Münchner Kammerspielen auf die Bühne brachte. Gut, die Schauspieler sind in der Bremer Adaption andere, auch das Bühnenbild (Katharina Pia Schütz) entstand neu. Aber sonst: alles typisch Rothenhäusler.
Immer auf die Kleinen
Doppeltes Heimspiel

Doppeltes Heimspiel

Bremen – Willkommen zurück im Konzertalltag? Mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen kehrte erstmals ein großes Orchester zurück in die Glocke, um unter „Corona-Bedingungen“ zu musizieren. Zwei einstündige Konzertprogramme hatte das Ensemble unter der Leitung von Yoel Gamzou einstudiert und jeweils am Sonnabend und Sonntag gespielt. „Sonderkonzerte“ der ungewöhnlichen Art in ungewöhnlichen Zeiten.
Doppeltes Heimspiel
In der Leere zwischen den Bildern

In der Leere zwischen den Bildern

Bremen – Schön sind sie ganz bestimmt nicht, diese Zeichnungen von Kinki Texas. Im Gegenteil treten einem seine Cowboys und Krieger mit ihren grotesk entstellten Fratzen sogar ausnehmend hässlich entgegen. Die Zutaten der albtraumhaften Erscheinungen sind stets die gleichen: grinsende Schädel, unmenschlich proportionierte Gliedmaßen, bestienhaft aus ihrer Fleischwäsche glotzende Reittiere und natürlich Waffen aller Art. Wobei sie offenbar – und das ist nur die allererste von vielen Irritation – nicht so recht etwas damit anzufangen wissen.
In der Leere zwischen den Bildern
Ein Monolog kommt selten allein

Ein Monolog kommt selten allein

Bremen – Die erste Premiere der neuen Spielzeit bei der Bremer Shakespeare Company, „Der Nibelungen Wut“, deutete am Donnerstag vergangener Woche zwar nicht darauf hin. Aber die Zeichen stehen auch am Leibnizplatz auf Monolog, zumindest aber auf kleine Besetzungen. Das offenbarte die Company, vertreten durch Renate Heitmann, Peter Lüchinger, Michael Meyer und Markus Seuß, gestern Vormittag im Beisein von Kulturstaatsrätin Carmen Emigholz.
Ein Monolog kommt selten allein
Bremer Bronzemann darf bleiben

Bremer Bronzemann darf bleiben

Bremen – Sie gehört schon fest zum Stadtbild: die als „Bronzemann“ bekannt gewordene Skulptur mit Einkaufswagen und ungeklärter Urheberschaft in den Bremer Wallanlagen. Nachdem der anonyme Künstler vor wenigen Tagen auch in Hamburg zugeschlagen hat, wird sein Bremer Werk jetzt gesichert. Das teilte gestern die Pressestelle des Bremer Kultursenators Andreas Bovenschulte mit. Die Sicherung der Skulptur sei mit dem Künstler vereinbart worden.
Bremer Bronzemann darf bleiben
„Man fand es langweilig und schlecht“

„Man fand es langweilig und schlecht“

Bremen – Als die Mauer fiel, war Jens Fleischer gerade einmal neun Jahre alt. 1980 kam er in Rudolstadt in Thüringen auf die Welt. 2000 zog er nach Bremerhaven, bald darauf nach Bremen. Heute ist er Inhaber der Buchhandlung Hübener in Bremerhaven. Mit der Konzertgruppe Sissi & die Chinesische Wäscherei veranstaltet er Konzerte, als Musiker tritt er unter dem Namen Winkhorst Reisen auf. Was das kulturelle Erbe der DDR für ihn bedeutet, hat er unserer Zeitung erzählt. 
„Man fand es langweilig und schlecht“
Sonne, Sex und Marlon Brando

Sonne, Sex und Marlon Brando

Bremen – Es ist ja eigentlich ein Skandal – zumindest aber ein wenig pervers: dass es nötig ist, hundert Gründe suchen zu müssen, aus denen es sich zu leben lohnt. Hängt man nicht Vorstellungen von jenseitiger Glückseligkeit an, ist das Diesseits und das Verweilen darin doch ohnehin das Einzige, was einem bleibt. Weshalb es auf der Hand liegt, das Beste draus zu machen. Allerdings scheint es nicht nur in unserer eigenartigen Zeit in dieser Welt geradezu zu wimmeln von Dingen, die es vielen Menschen gar nicht so selbstverständlich erscheinen lassen, dass sich dieses Leben für sie lohnt – auch in unserer besten aller möglichen Gesellschaftformen.
Sonne, Sex und Marlon Brando
Historikerstreit in der Hölle

Historikerstreit in der Hölle

Bremen – Was ist das: Es geht um Liebe, Verrat, Gier und Macht – und am Ende sind alle tot? Große Oper? Fast. In diesem Fall zumindest ist die Nibelungensage aus dem 13. Jahrhundert gemeint, dessen Ursprünge allerdings schon in der Zeit der Völkerwanderung liegen, also im vierten bis sechsten Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Da gab es so etwas wie eine deutsche Nation beim besten Willen noch nicht. Was bekanntlich aber nicht verhindern konnte, dass die Geschichte um den Superhelden Siegfried zum Nationalepos der Deutschen wurde. Dabei ist die Sache bei näherem Hinsehen so dubios wie willkürlich. Zumindest, wenn man sich das Stück „Der Nibelungen Wut“ von Johanna Schall und ihrer Dramaturgin Grit van Dyk ansieht, das am Donnerstag im Theater am Leibnizplatz in Bremen Uraufführung feierte.
Historikerstreit in der Hölle
Neue Zeiten, neue Tänze

Neue Zeiten, neue Tänze

Bremen – Die Tendenz zur Vereinzelung, die nicht nur durch die Coronaregeln die Gesellschaften in aller Welt mehr oder weniger stark durchzieht, setzt sich auch in der Zeit der Lockerungen fort. Die darstellenden Künste wiederum sind davon auf ihre Weise besonders betroffen.
Neue Zeiten, neue Tänze
„Man sprach nicht darüber“

„Man sprach nicht darüber“

Bremen – Die Musikerin und Künstlerin Anne Moder wurde in der DDR geboren und wuchs in Potsdam auf. Wie sie die Jugend in der Nachwendezeit prägte, erzählt sie im Interview.
„Man sprach nicht darüber“