Ressortarchiv: Kultur

Gemeinschaft, Spiel und Konkurrenz

Gemeinschaft, Spiel und Konkurrenz

Bremen - Von Rolf Stein. Immerhin bringt sich diesmal niemand um. Wie noch bei Frank Wedekind, der vor mehr als hundert Jahren mit seinem Stück „Frühlings Erwachen“ einen veritablen Theaterskandal entfachte. Wegen seiner „Obszönität“ einst zensiert, wurde das Stück, in dem eine Gruppe Teenager ihre Sexualität entdeckt und dabei kräftig mit den Moralvorstellungen der wilhelminischen Gesellschaft aneinander gerät, später Schullektüre – und unverwüstlicher Theaterstoff, zumindest in seinen Grundzügen. Dass Eltern ihren Kindern heute noch erzählen, zum Kinderkriegen bräuchte es Heirat und große Liebe wirkt freilich ein bisschen aus der Zeit gefallen. Häusliche Gewalt, Scham, Tabuisierung von Sexualität dagegen leider nicht.
Gemeinschaft, Spiel und Konkurrenz
Linnea George brilliert an der Shakespeare Company im Gastspiel „Grounded“

Linnea George brilliert an der Shakespeare Company im Gastspiel „Grounded“

Bremen - Sie sind überall. Unsichtbare Überwacher, die niemals müde werden. Jeden Tag haben sie ein Auge auf die junge Frau – und alle anderen Menschen. Zumindest glaubt sie das. Sie, eine F-16-Kampfjetpilotin, die einst jeden Tag aufs Neue ins Cockpit kletterte, um dem grenzenlosen Blau ganz nah zu sein. Doch das war einmal. Die Weite des Himmels ist, längt engem Grau und Tod gewichen.
Linnea George brilliert an der Shakespeare Company im Gastspiel „Grounded“
Tanzpakt Stadt-Land-Bund fördert „TanzRAUM Nord“

Tanzpakt Stadt-Land-Bund fördert „TanzRAUM Nord“

Bremen - Das englische Wörtchen „curious“ ist mehrdeutiger als sein deutsches Pendant „kurios“. Es steht im Englischen vor allem für „neugierig“. Der Name „of curious nature“, den das zehnköpfige Tanzensemble trägt, dass sich gestern erstmals der Presse präsentierte, meint dann auch vor allem die „neugierige Natur“.
Tanzpakt Stadt-Land-Bund fördert „TanzRAUM Nord“
„Identifiziert euch!“: Ulrich Wickert sorgt sich um unsere Demokratie

„Identifiziert euch!“: Ulrich Wickert sorgt sich um unsere Demokratie

Syke - Deutschland ist in einem kritischen Zustand. Der gesellschaftliche Zusammenhalt ist in Gefahr, wenn ein Politiker wie Walter Lübcke mutmaßlich von einem Neonazi per Kopfschuss ermordet wird. Oder wenn in Halle (Saale) ein hasserfüllter Mann eine Synagoge angreift und willkürlich zwei Menschen ermordet. Doch Panikmache hilft niemanden, erklärt „Mr. Tagesthemen“ Ulrich Wickert: „Wir müssen ran! Und zwar schleunigst.“
„Identifiziert euch!“: Ulrich Wickert sorgt sich um unsere Demokratie
Keine Furcht vor Furien

Keine Furcht vor Furien

Hannover - Von Jörg Worat. Originell, interessant und zumindest streckenweise äußerst lustig: Mit „Furien des Erinnerns“ hat das Staatsschauspiel im Ballhof Zwei eine sehr spezielle Produktion zur Uraufführung gebracht. Speziell schon deshalb, weil hier die Kooperation mit der freien Szene eine neue Ebene erreicht: Entsprechende Einladungen hatte es in den vergangenen Spielzeiten schon gegeben, allerdings ohne echte Durchmischung – jetzt jedoch stehen Darstellerinnen aus dem Staatsschauspiel-Ensemble und Performerinnen der „Frl. Wunder AG“, von der auch die Idee zu diesem Projekt stammt, gemeinsam auf der Bühne.
Keine Furcht vor Furien
Oldenburgisches Staatstheater zeigt Uraufführung „Mission Mars“

Oldenburgisches Staatstheater zeigt Uraufführung „Mission Mars“

Oldenburg - Ein junger Mann tritt vor das Publikum in der Oldenburger Exerzierhalle. Die Dringlichkeit seines Vortrags bedarf kaum einer weiteren Erläuterung. Die Bewohnbarkeit der Erde steht zunehmend in Frage – sei es der Menschen Schuld oder nicht – und die Option Mars steht nicht erst seit gestern im Raum. Theoretisch, versteht sich.
Oldenburgisches Staatstheater zeigt Uraufführung „Mission Mars“
Mehr Metal für Bremen: Vier neue Bands für Hellseatic-Festival bestätigt

Mehr Metal für Bremen: Vier neue Bands für Hellseatic-Festival bestätigt

Im September wird es laut in Bremen-Blumenthal. Denn dann findet dort das Hellseatic-Metal-Festival statt. Der Ankündigung im Dezember folgten nach und nach weitere Band-Bestätigungen.
Mehr Metal für Bremen: Vier neue Bands für Hellseatic-Festival bestätigt
Stadttheater Bremerhaven wirbt mit Hausbesetzung für Rio Reiser

Stadttheater Bremerhaven wirbt mit Hausbesetzung für Rio Reiser

Bremerhaven - Wie schön das Leben ohne Polizei wäre, „Ach!“, hat Rio Reiser 1972 im „Rauch-Haus-Song“ gefragt. Dass die Zeiten sich geändert haben, ist schon daran zu merken, dass der erste Szenenapplaus auf der Bremerhavener Demo zu Reisers 70. Geburtstag ausgerechnet einem Polizisten gilt. Nicht ganz zu Unrecht allerdings: Der war immer ganz allein, zutiefst entspannt und hat den Demozug souverän über sämtliche Fußgängerampeln ans Ziel gelotst – damit die anstehende Hausbesetzung auch ohne Zwischenfälle über die Bühne geht.
Stadttheater Bremerhaven wirbt mit Hausbesetzung für Rio Reiser
Tanz den Separatismus

Tanz den Separatismus

Oldenburg - Einfach macht es sich Montserrat Gardó Castillo nicht mit ihrer Identität. „Die ist kompliziert“, sagt die 1982 in Barcelona geborene Tänzerin, „vielleicht komplizierter als viele andere.“ Es fängt schon mit der Sprache an: Zu Hause in der Familie hat sie Katalanisch gesprochen, mit den meisten Freundinnen hingegen Spanisch. Dazu hat sie eine französische Schule besucht, lebt seit 13 Jahren in Deutschland und arbeitet noch etwas länger in internationalen Zusammenhängen – auf Englisch, versteht sich. Dass die katalanischen Unabhängigkeitsbestrebungen sie dermaßen mitnehmen würden, wie es nun passiert ist, hatte Castillo jedenfalls nicht erwartet. Zumal sie sich von der Sozialisation her sowieso zu diesem selbstverständlichen US-amerikanischen Weltbürgertum zählt, wie die meisten ihres Jahrgangs: mit früher „Baywatch“ und heute Netflix.
Tanz den Separatismus
Ausgerechnet

Ausgerechnet

Bremen - Es ist natürlich eine gemeine Unterstellung, dass die Banane die Mauer zum Einsturz brachte. Dass allerdings die Musa paradisiaca, wie der Deutschen beliebteste Importfrucht unter Botanikern heißt, stellvertretend für Südfrüchte und andere in der DDR schwer erhältliche Konsumartikel steht wie kaum ein anderes Produkt, lässt sich kaum bestreiten.
Ausgerechnet
Am offenen Herzen

Am offenen Herzen

Bremen - Beispiele für die Relevanz der Liebe als Thema für aktuelle Kunst jedweder Art zu finden, fällt leicht. Und würde wohl auch zu jeder anderen Zeit leichtfallen. Etwas spezifischer klingt das Motto der diesjährigen, bereits 44. Literarischen Woche dann aber doch: Es geht in Bremen ab dem 16. Januar nämlich um „Liebe in unübersichtlichen Zeiten“, Untertitel: „Lebens- und Liebesstile im Sog der Veränderung“. Wobei die Frage erlaubt sei, ob – und wenn ja wann – es denn eigentlich jemals wirklich übersichtliche Zeiten gegeben hat.
Am offenen Herzen
Galerie Drees in Hannover feiert Doppeljubiläum – mit einer Doppelausstellung

Galerie Drees in Hannover feiert Doppeljubiläum – mit einer Doppelausstellung

Hannover - Von Jörg Worat. Die hannoversche Galerienszene hat sich seit den 90er-Jahren erheblich ausgedünnt. Einer der wenigen, die sich diesbezüglich dauerhaft haben halten können, ist Robert Drees. Er konnte zuletzt doppeltes Jubiläum feiern: Vor 25 Jahren wurde der ehemalige Kriminaloberkommissar zuerst als Galerist in Hannover tätig, seit 20 Jahren betreibt er nun eine Galerie allein unter eigenem Namen. Und wer sich vor Ort über zeitgenössische Kunst informieren will, kommt an dieser Adresse kaum vorbei.
Galerie Drees in Hannover feiert Doppeljubiläum – mit einer Doppelausstellung
Elf Münchner und ein Schotte

Elf Münchner und ein Schotte

Bremen - Von Wolfgang Denker. Wenn ein Verkehrsunfall glimpflich verlaufen ist, sagt man oft: Das war ja nur Blechschaden. Wenn man aus einem Konzert der Gruppe „Blechschaden“ kommt, muss man sagen: „Wow! So ist nur Blechschaden!“.
Elf Münchner und ein Schotte
Bewegungen im Crash

Bewegungen im Crash

Bremerhaven - Von Radek Krolczyk. In den Ausstellungsräumen des Bremerhavener Kunstvereins findet man noch bis Dienstag allerlei Dinge, die eigentlich nach draußen gehören. Es scheint, als habe irgendjemand das Äußere der Stadt ins Innere einer ihrer Bauten gestülpt. Da wäre beispielsweise ein Baugerüst, ein recht gewöhnliches, modular zusammengesteckt aus Stahlrohren und Bohlen. In der großen Ausstellungshalle des Kunstvereis ist es über Eck an der Wand aufgebaut. Manche der recht-, manchmal aber dreieckigen Zwischenräume sind farbig ausgemalt. Die Farbflächen sind rot, gelb und schwarz, hell- und dunkelblau. Die Arbeit hat den Titel „Brushstroke“. Der amerikanische Künstler Evan Robarts hat sie hier installiert.
Bewegungen im Crash
Die Zukunft ist süß

Die Zukunft ist süß

Syke - Von Rolf Stein. Es ist eigentlich immer wieder ganz einfach: Je mehr man über eine Sache erfährt, desto mehr Fragen ergeben sich daraus. Zum Beispiel „Hello Kitty“. Kennt wahrscheinlich fast jeder. Irgendwie zumindest. Aber wer sich dieses gezeichnete Wesen ausgedacht hat? Anderes Beispiel: Japan. Kennt jeder. Aber warum kennt man dort Snoopy, aber nicht Charlie Brown?
Die Zukunft ist süß
Spiel mit den Geschlechtern

Spiel mit den Geschlechtern

Hannover –  Liederabende beim Schauspiel: Das hat in Hannover inzwischen eine lange Tradition. Intendant Ulrich Khuon schickte einst für solche Projekte gern Erik Gedeon ins Rennen, Nachfolger Wilfried Schulz vertraute auf die bewährten Dienste von Franz Wittenbrink; bei Lars-Ole Walburg schließlich war das Genre in unterschiedlichen Zusammenhängen und Gewichtsanteilen vertreten. Und Sonja Anders setzt jetzt bei ihrem entsprechenden Debüt schon mit dem Titel „Held*innen“ ein Zeichen, kein gar zu überraschendes.
Spiel mit den Geschlechtern
„Wir müssen die Vergangenheit endlich Hitler uns lassen“: Hanseaten vom Mars

„Wir müssen die Vergangenheit endlich Hitler uns lassen“: Hanseaten vom Mars

Syke - Knarf Rellöm hat ein Buch geschrieben. Und das fängt bereits mit der ungeheuerlichen Möglichkeit an, dass es eventuell hier oder da Menschen gibt, die nicht so ganz genau wissen, wer dieser Rellöm eigentlich sein soll. Diese erste kurze Geschichte spielt in den 90ern und geht so: Elvis Costello gibt schon heute Abend ein Konzert in Hamburg und Knarf Rellöm soll kurzfristig den Support machen, weil (und das ist wichtig) Die Sterne keine Zeit haben und Tocotronic auf Tour sind.
„Wir müssen die Vergangenheit endlich Hitler uns lassen“: Hanseaten vom Mars