Ressortarchiv: Kultur

Wir bauen eine neue Stadt

Wir bauen eine neue Stadt

El Gouna - Von Rolf Stein. Als Samih Sawiris, Chef der Orascom Hotels and Development, im April 1989 den Grundstein für die Stadt El Gouna legt, ist Muhammad Husni Mubarak Staatspräsident in Ägypten; sehr lange schon – und auch noch für eine ganze Reihe von Jahren. Der „Arabische Frühling“ zwingt Mubarak zum Rücktritt. Der „Arabische Frühling“ hat die Hoffnungen kaum erfüllt, die in ihn gesetzt wurden.
Wir bauen eine neue Stadt
Stück der Stunde: Theater Bremen zeigt „Vögel“ von Wajdi Mouawad

Stück der Stunde: Theater Bremen zeigt „Vögel“ von Wajdi Mouawad

Bremen - Von Jan-Paul Koopmann. Wahrscheinlich gibt es diese Liebe wirklich, die alle Grenzen niederreißen und einander verhasste Völker befrieden kann. Es ist allerdings ein bisschen wie mit Gott: dass man’s eben nicht sicher weiß, weil weder den einen noch das andere je wer gesehen hat. Auch im Theater nicht, schon gar nicht dem in Bremen, wo es am Samstag anscheinend die ganze Zeit darum ging. Süß ist es allerdings schon, wie der zottelige Nerd Eitan Zimmermann und die programmatisch nachnamenlose Wahida in New York übereinander stolpern: Ob Schicksal oder Zufall – es geht jedenfalls verhängnisvoll weiter. Die jüdischen Zimmermanns lehnen die Araberin harsch ab, und die Geschichte versteift sich dann in generationenübergreifende Wirrnisse, zu deren Aufklärung die Verliebten nach Israel reisen, wo Eitan schließlich fast draufgeht bei einem palästinensischen Bombenanschlag.
Stück der Stunde: Theater Bremen zeigt „Vögel“ von Wajdi Mouawad
Alles könnte anders weitergehen

Alles könnte anders weitergehen

Oldenburg - Von Ute Schalz-Laurenze. Die Waschküche, aus der am Anfang von Richard Wagners „Rheingold“ in Oldenburg den Rheintöchtern von Wotan der Ring gestohlen wird, ist nun am Oldenburgischen Staatstheater wieder zu sehen: In der „Götterdämmerung“, die am Wochenende ihre zu Recht umjubelte Premiere hatte. Der Regisseur Paul Esterhazy wiederholt mit der ungemein geschickt genutzten Drehbühne (Mathis Neidhart) mehrere Bühnenbilder – wie auch schon für „Die Walküre“ und „Siegfried“. Insgesamt wird nicht nur dadurch die monumentale, 16-stündige Geschichte vom „Ring des Nibelungen“ schlüssig erzählt, sondern auch durch manche durchgehende Besetzung. So war Nancy Weißbach schon in der Walküre die seelisch schwer verletzte Wotan-Tochter Brünnhilde – jetzt in der „Götterdämmerung“ nimmt sie die Fäden in die Hand und sorgt mit dem Brand von Wallhall dafür, dass Wotans verkorkste Götterwelt untergeht und es vielleicht anders weitergehen kann. Ihre schauspielerische und gesanglich überragende Leistung dieser Riesenpartie setzt ergreifende Maßstäbe.
Alles könnte anders weitergehen
Herzerweichende Maschinentränen

Herzerweichende Maschinentränen

Bremen - Von Jan-Paul Koopmann. Es hat schon eine besondere Tragik, dass der im Juli verstorbene Rutger Hauer ausgerechnet mit einer Sterbeszene in Erinnerung bleibt. 1982 war das, als er in Ridley Scotts „Blade Runner“ mit in perfekt austariertem Stolz und Schwulst im Regen stand: „All diese Momente werden verloren sein in der Zeit“, heißt es da, „so wie Tränen im Regen“. Und nach einer kurzen Pause dann: „Zeit zu sterben.“ Viel mehr Kitsch geht nicht, größere Traurigkeit aber auch nicht. Selten war das Kino wahrer als in diesem Monolog, den Hauer übrigens Höchstselbst ins Skript improvisiert hat.
Herzerweichende Maschinentränen
Diesem Anfang wohnt ein Zauber inne

Diesem Anfang wohnt ein Zauber inne

Hannover - Von Jörg Worat. Das ging fix: Bei Kurswechseln pflegt das hannoversche Publikum ja zuweilen ein wenig zu fremdeln – der neue Ballettdirektor Marco Goecke eroberte das Opernhaus jedoch mit seinem Eröffnungsabend im Sturm. „Beginning“ lautete der programmatische Titel der dreiteiligen Vorstellung, die von deutlich anderen Merkmalen geprägt war, als man dies bei Goeckes Vorgänger Jörg Mannes kannte. Von opulenten Bühnenbildern konnte nicht die Rede sein, und statt großer erzählerischer Bögen stand weit eher die Beschreibung von Zuständen im Mittelpunkt.
Diesem Anfang wohnt ein Zauber inne
Protest von seiner schönsten Seite

Protest von seiner schönsten Seite

Bremen - Von Mareike Bannasch. Der nächste große Name, der über Vorwürfe im Rahmen der „MeToo“-Bewegung stürzt: Nachdem ihm bis dato 20 Frauen sexuelle Übergriffe vorwerfen, schlossen sich für Plácido Domingo gestern die Türen zur New Yorker Metropolitan Opera. Und zwar für immer. Obwohl der Opernstar bis heute jegliche Vorwürfe gegen ihn bestreitet und in einer Pressemitteilung eine Vorverurteilung beklagt, war der öffentliche Druck auf das Opernhaus am Ende zu groß. Ein Urteil ohne Prozess – in der oftmals höchst emotional geführten „MeToo“-Debatte fast schon Normalität.
Protest von seiner schönsten Seite
Schwere Vorwürfe gegen Placido Domingo - Opernstar reagiert mit drastischer Maßnahme

Schwere Vorwürfe gegen Placido Domingo - Opernstar reagiert mit drastischer Maßnahme

Opernstar Placido Domingo hat auf die schweren Vorwürfe gegen ihn reagiert. Sängerinnen und eine Tänzerin hatten ihm sexuelle Übergriffe vorgeworfen.
Schwere Vorwürfe gegen Placido Domingo - Opernstar reagiert mit drastischer Maßnahme
Mit dem Degen im Anschlag

Mit dem Degen im Anschlag

Bremerhaven - Er will nur eins: Rache. Sie alle sollen bezahlen. Der eitle Danglas, der ihm nicht geholfen hat. Der schmierige Staatsanwalt Villefort, der ihn unschuldig in den Kerker warf. Und nicht zu vergessen Mondego, der seine Liebste geheiratet hat – obwohl Mercédès das Einzige war, was Edmond 14 Jahre lang am Leben gehalten hat.
Mit dem Degen im Anschlag
Der Stoff, aus dem Märchen sind

Der Stoff, aus dem Märchen sind

Bremen - Von Rolf Stein. Kindern erzählt man Märchen. Klar, für manche Sachen sind sie vielleicht noch nicht groß genug. Aber es sind manchmal wohl eher die Erwachsenen, die lediglich weitergeben, was ihnen einmal aufgetischt und von ihnen mehr oder weniger gut verdaut worden ist. In Märchen und anderen Geschichten erfährt unsere Welt einen Sinn. Sie ordnen das chaotisch wirkende Geschehen, geben ihm einen Anfang, ein Ende – und, oft jedenfalls, eine Moral.
Der Stoff, aus dem Märchen sind
Liebe schützt nicht vor dem Tod

Liebe schützt nicht vor dem Tod

Bremen - Von Markus Wilks. Eine „Komödie für Musik“, so wie Richard Strauss seine Oper „Der Rosenkavalier“ nannte? Nicht in Bremen. Zur Saisoneröffnung im Musiktheater des Theaters am Goetheplatz blicken wir tief in das menschliche Gefühlsleben – oft verstörend, aber in fast jeder Sekunde faszinierend und bewegend. Dazu mal opulente, mal wienerisch charmante, aber auch scharfe Klanggemälde seitens der Bremer Philharmoniker.
Liebe schützt nicht vor dem Tod
Staatsministerin für Kultur und Medien auf Besuch in Bremen

Staatsministerin für Kultur und Medien auf Besuch in Bremen

Bremen - „Wir müssen zusammenrücken!“, ruft Monika Grütters. In dem Moment geht es nicht um die allgemeine Großlage, sondern um ein Gruppenfoto. Auf dem kommt allerdings immerhin zusammen, was durchaus unterschiedliche Interessen verfolgt. Auf dem Deich, hinter der Städtischen Galerie sollen nicht nur die Staatsministerin für Kultur und Medien mitsamt Mitarbeitern, sondern auch Intendanten, Dramaturgen, Regisseure und Journalisten beieinander stehen. Und natürlich ist das so ein Politikersatz zum Mitschreiben für Journalisten.
Staatsministerin für Kultur und Medien auf Besuch in Bremen
Batman: Auch mit 80 nicht in Rente

Batman: Auch mit 80 nicht in Rente

Bremen - Batman ist eine Figur, die in allen Dimensionen über sich hinausgewachsen ist. Bob Kane und Bill Finger haben mit dem „Schwarzen Ritter“ den Superhelden-Comic im Krimi geerdet, eine brutale Selbstjustizgeschichte losgetreten und die ultrapessimistische Sozialkritik im Genre begründet. Auch wenn sich das widerspruchslos in Tonnen von Kinderspielzeug übersetzen ließ. Wer die 80 Jahre alten Hefte heute liest, mag sie auf den ersten Blick schrullig und harmlos finden, aber der Stoff wirkt noch immer.
Batman: Auch mit 80 nicht in Rente
Nach dem Tanz bleibt nur der Tod

Nach dem Tanz bleibt nur der Tod

Hannover - Von Jörg Worat. Am Anfang ist der Tanz, am Schluss der Tod, und dazwischen geht‘s viel um verlorene Ideale, auch um Liebe oder besser gesagt um das, was die Figuren für Liebe halten: Im Schauspielhaus Hannover hatte nun „Platonowa“ nach Anton Tschechow Premiere.
Nach dem Tanz bleibt nur der Tod
Wie Mama es macht, ist es verkehrt

Wie Mama es macht, ist es verkehrt

Bremen - Von Jan-paul Koopmann. Wenn Frauen keine Kinder haben wollen, bekommen sie dafür gesellschaftlichen Druck mit voller Breitseite zu spüren. Das ist schon lange so. Etwas neuer ist hingegen, dass auch Frauen, die sich für Kinder entscheiden, regelmäßig einstecken müssen. Weil sie zum Beispiel auf der Arbeit ausfallen und man sie dafür nicht mehr ganz so leicht rauswerfen kann wie früher. Was unterhalb der alltäglichen Gängeleien gärt, ist Sexismus – und das gleich in mehrere Sinnkrisen zerfallende Frauenbild unserer Gesellschaft.
Wie Mama es macht, ist es verkehrt
Einmal im Leben nach San Remo

Einmal im Leben nach San Remo

Bremen - Von Rolf Stein. Pop war schon immer für die kühnsten Versprechungen gut, für die buntesten Träume, die unwahrscheinlichsten Hoffnungen. Dass zwei Musiker aus Berlin, die Musik machen, die sich an den Großen des italienischen Pop orientiert, hoffen, eines Tages auf dem Festival della canzone italiana in San Remo spielen zu können, ist deshalb vielleicht nicht so abwegig, wie es auf den ersten Blick scheinen könnte.
Einmal im Leben nach San Remo
„Es ist vor allem ein Seelendrama“

„Es ist vor allem ein Seelendrama“

Bremen - Von Ute Schalz-laurenze. Richard Strauss‘ 1911 uraufgeführter „Rosenkavalier“ behandelt als „Komödie für Musik“ den Zerfall des Adels. Der verarmte, trampelige Wiener Baron Ochs stellt der schönen Marschallin ebenso nach wie der neureichen vierzehnjährigen Sophie, die er heiraten will. Der siebzehnjährige Graf Octavian hat ein Verhältnis mit der Marschallin, wechselt dann aber zu Sophie. Wie genau diese Geschichte auf der Bühne des Theater Bremen aussehen wird, verrät Regisseur Frank Hilbrich im Interview.
„Es ist vor allem ein Seelendrama“
Aktuell wie nie: Das Schnürschuh-Theater zeigt „Der Trafikant“

Aktuell wie nie: Das Schnürschuh-Theater zeigt „Der Trafikant“

Bremen - Ein verbaler Brandstifter, der als Biedermann daherkommt und Journalisten bedroht. Ein Parteichef, der sich als Freund des kleinen Mannes inszeniert – und sich gleichzeitig weigert, fürs Sommerinterview Fragen von Zuschauern gestellt zu bekommen. Und eine Fraktionsvorsitzende, die im Bundesaußenminister einen Fall für den Verfassungsschutz sieht: Das „Fachpersonal“ der AfD zeigt sich in diesem Tagen so aggressiv wie eh und je.
Aktuell wie nie: Das Schnürschuh-Theater zeigt „Der Trafikant“
Furioser Ausklang mit Beethoven und Berlioz

Furioser Ausklang mit Beethoven und Berlioz

Bremen - Von Michael Pitz-Grewenig. Was hat der Geiger Leonidas Kavakos mit Leonard Bernsten, Benjamin Britten, Olivier Messiaen, Mstislaw Rostropowitsch, Miles Davis, Nikolaus Harnoncourt gemeinsam? Sie alle erhielten den renommierten Léonie-Sonning-Musikpreis. Was haben Miles Davis und Beethoven gemeinsam? Sie komponierten mit musikalischen Strukturen, weniger mit Melodien.
Furioser Ausklang mit Beethoven und Berlioz
Staatsoper Hannover eröffnet die Spielzeit mit „Die Jüdin“

Staatsoper Hannover eröffnet die Spielzeit mit „Die Jüdin“

Hannover - Dass die große Oper eigentlich fast immer mit der großen Liebe ins Haus fällt, ist an sich schon einmal politisch gewesen. Der Durchbruch des Bürgertums auf der Weltbühne deklinierte auf der Theaterbühne immer auch als die Freiheit durch, zu lieben, wen man möchte.
Staatsoper Hannover eröffnet die Spielzeit mit „Die Jüdin“
Laura Linnenbaum inszeniert Philip K. Dicks „Zeit aus den Fugen“

Laura Linnenbaum inszeniert Philip K. Dicks „Zeit aus den Fugen“

Hannover - Von Jörg Worat. Nehmen wir zunächst das Programmheft. Es ist ungewohnt sparsam gehalten: Neben den üblichen Zusammenfassungen steht ein einziger Aufsatz darin, sehr klar formuliert. Das mag man „schön schlank“ nennen oder auch „bisschen brav“ – womit wir zugleich die Problemzone der Uraufführung im Schauspielhaus umrissen hätten, die nicht nur die Spielzeit eröffnet, sondern auch die Intendanz von Sonja Anders: „Zeit aus den Fugen“ nach dem Roman von Philip K. Dick.
Laura Linnenbaum inszeniert Philip K. Dicks „Zeit aus den Fugen“
Vorwärts in die Vergangenheit

Vorwärts in die Vergangenheit

Bremen - Von Rolf Stein. Mit einer Uraufführung eröffnete das Bremer Schauspiel die neue Spielzeit. „Attentat oder frische Blumen für Carl Ludwig“ von Mehdi Moradpour ist als „humanoide Komödie“ annonciert, was in eine Zukunft weist, in der Maschinen dem Menschen ein Mensch sein werden.
Vorwärts in die Vergangenheit
Schlagabtausch der besonderen Art - mit der Deutschen Kammerphilharmonie

Schlagabtausch der besonderen Art - mit der Deutschen Kammerphilharmonie

Bremen - Von Markus Wilks. Musik ist Muskelarbeit – insbesondere dann, wenn man so virtuos und kraftvoll drauf haut wie Martin Grubinger, der Star unter den Schlagzeugern in der Welt der klassischen Musik. Er spielte den Solopart in Fazil Says neuem Konzert, danach setzte sich der Komponist an den Flügel und präsentierte Mozart. Und am Pult der Deutschen Kammerphilharmonie machte Alondra de la Parra einmal mehr verständlich, warum sie (nicht nur) vom Bremer Orchester geliebt wird – ein „musikalischer Schlagabtausch“ der besonderen Art.
Schlagabtausch der besonderen Art - mit der Deutschen Kammerphilharmonie
Ein Besuch reicht nicht

Ein Besuch reicht nicht

Hannover - Von Jörg Worat. Wenn einer Ausstellung „überwältigende Materialfülle“ zugesprochen wird, mag das eine wohlfeile Floskel sein. Die just in der Kestner-Gesellschaft eröffnete Schau „Wo Kunst geschehen kann – Die frühen Jahre des CalArts“ ist jedoch in der Tat unmöglich bei einem einzigen Besuch zu erfassen. Was nicht nur an der schieren Menge der Exponate von rund 40 Kunstschaffenden liegt, sondern auch daran, dass sich darunter zahlreiche Videos, Interviewmitschnitte und Texte befinden, deren Studium seine Zeit braucht. Nicht zuletzt gilt es dort, öfters einmal um die Ecke zu denken.
Ein Besuch reicht nicht
„Es geht ja nicht um Therapie“

„Es geht ja nicht um Therapie“

Bremen - Der unvergessene Harry Rowohlt hat einmal in einem Interview gesagt, Polyneuropathie (PNP) sei „eine Krankheit, die ich nur empfehlen kann. Erstens merkt man nicht mehr, wenn man kalte Füße hat, und zweitens kann man wunderbar Benefizveranstaltungen abblocken“. Das mit den kalten Füßen liegt daran, dass die Polyneuropathie vor allem die Nerven in den Extremitäten schädigt. Das mit den Benefizveranstaltungen hat damit zu tun, dass die Betroffenen keine Lobby haben. Es seien aber viele Kreative darunter, sagte Rowohlt im gleichen Interview.
„Es geht ja nicht um Therapie“
Gesichter einer Künstlerin

Gesichter einer Künstlerin

Bremen - 142 – so viele Menschen folgen aktuell dem Instagram-Account der Museen Böttcherstraße. In Zeiten, in denen sich Tausende sogenannter Influencer mit Selfies vor einem Millionenpublikum möglichst ästhetisch inszenieren, eine ohne Frage überschaubare Zahl. Allerdings geht es beim Kanal der Museen eben nicht darum, die eigene Existenz zu überhöhen, in dem man das Gesicht höchst ästhetisch in die Kamera hält. Nein, hier gilt die Werbung einer Frau, die bereits seit 112 Jahren tot ist – und deren Werk so gefragt wie nie ist.
Gesichter einer Künstlerin
Shakespeare ist zurück im Theater am Leibnizplatz

Shakespeare ist zurück im Theater am Leibnizplatz

Nach einer Saison ohne echte Shakespeare-Neuinszenierung ist der Hausautor der Bremer Shakespeare Company jetzt wieder im Geschäft: Als erste Premiere der Spielzeit ist sein „Coriolanus“ am Leibnizplatz zu sehen, im Winter folgt ein „Wintermärchen“.
Shakespeare ist zurück im Theater am Leibnizplatz
Hochbegabt unter Männern

Hochbegabt unter Männern

Syke - Von Michael Pitz-grewenig. Am 19. März 1981 beschloss der Zentralbankrat der Bundesrepublik Deutschland die Ausgabe einer neuen Banknotenserie. Auf den Scheinen sollten Persönlichkeiten der deutschen Geschichte zu sehen sein. Und so kam es, dass Clara Schumann (1819 bis 1896) auf dem 100-DM-Schein erschien, auf der Rückseite ihr Flügel aus dem Jahr 1838 und eine Stimmgabel. Mit der Einführung des Euro war es mit der Abbildung von Persönlichkeiten vorbei. Heute zieren Baustile verschiedener Epochen die Scheine. Aber Clara Schumann ist nicht vergessen. Heute feiert die Musikwelt ihren 200. Geburtstag.
Hochbegabt unter Männern
Verbrechen unter den Wellen

Verbrechen unter den Wellen

Syke - Von Jan-Paul Koopmann. Von Kapitän Nemo über Aquaman bis zu Sponge Bob: Die Ozeane sind auch unter der Wasseroberfläche Schauplatz abenteuerlicher Erzählungen. An den unerforschten Ecken und ihren sonderbar fremdartigen Bewohner mag das liegen, vielleicht auch an der entdeckermäßig inzwischen doch eher ausgeforschten Oberfläche. Dass mit klaustrophobischen Unterwasserfahrzeugen und den undurchsichtigen Tiefen des Meeres gleich zwei menschliche Urängste für Spannung sorgen, kommt noch obendrauf.
Verbrechen unter den Wellen
Streitgespräch: Anna Netrebko und Yusif Eyvazov beim Musikfest Bremen

Streitgespräch: Anna Netrebko und Yusif Eyvazov beim Musikfest Bremen

Bremen - Die Spannung war groß: Würde sie wirklich kommen? Schließlich hatte Sie vor Kurzem zwei Auftritte abgesagt. Sie, das ist keine Geringere als die Sopranistin Anna Netrebko. Sonst tritt sie eher an der Met in New York oder bei den Salzburger Festspielen auf. Oder in der Elbphilharmonie. Ein Weltstar eben.
Streitgespräch: Anna Netrebko und Yusif Eyvazov beim Musikfest Bremen
Das Festival „Tanzthater International“ geht nicht nur auf Nummer sicher

Das Festival „Tanzthater International“ geht nicht nur auf Nummer sicher

Hannover - Von Jörg Worat. 90 Prozent Auslastung und rund 3 000 Besucher: „Tanztheater International“ hält seinen Standard. Und festigt den Ruf Hannovers als Tanzstadt, zumal Christiane Winter, Leiterin der Veranstaltungsreihe, keineswegs immer nur die sichere Schiene fährt und es fast immer neben großer Begeisterung auch, zumindest im Einzelfall, entschiedene Ablehnung gibt. Bei der diesjährigen Ausgabe beides sogar am selben Abend: Pere Fauras „Sweet Tyranny“, eine selbstironische, sehr laute und sehr lange Aneignung von Meilensteinen des Tanzfilms zwischen „Grease“ und „Flashdance“, führte teils zu vorzeitiger Massenflucht, teils zu Jubelstürmen.
Das Festival „Tanzthater International“ geht nicht nur auf Nummer sicher
Männer sind ein Schwein

Männer sind ein Schwein

Hamburg - Haben Sie den Schock verarbeitet? Die Wahlergebnisse in Sachsen und Brandenburg? Dann können wir ja nun vielleicht zu den wichtigen Fragen kommen. Woher kommen diese Wut, diese Radikalisierung, diese Sehnsucht nach einem Gestern, das es freilich so kaum je gab? Klar, es mag schon auch eine spezifische, ostdeutsche Gemütslage geben. Aber die erklärt ja auch die Rassemblement National nicht, die in Frankreich die Wutbürger einsammelt.
Männer sind ein Schwein
Das Ende der Naivität

Das Ende der Naivität

Bremen - Nervosität liegt in der Luft, am Wochenende in der Schwankhalle in Bremen. Auf dem Programm steht, neben der Installation „Stricken“ von Magda Korsinsky, eine Podiumsdiskussion über den „Kulturkampf von rechts“. Eingeladen hat die Schwankhalle gemeinsam mit der Gruppe AfD Watch. Vorsorglich weisen die Veranstalter daraufhin, man werde gegebenenfalls vom Hausrecht Gebrauch machen. Rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen würden nicht geduldet.
Das Ende der Naivität
Festgefahren im Genre

Festgefahren im Genre

Hamburg - Von Jan-Paul Koopmann. Am einfachsten ist noch das mit dem rückwärtige Ausnüchtern: also erst schwitzend und verkatert in der Ecke liegen, dann zu viel trinken und gegen Ende einen guten Grund dafür haben. Mit der Chronologie ist es so eine Sache in David Czesienskis Theateradaption von „Stalker – Picknick am Wegesrand“. Vor allem, weil im Stück gar nicht durchgehend rückwärts erzählt, sondern mit den Plotfragmenten wild jongliert wird. Die Figuren hängen in einer Zeitschleife, in deren andauernde Wiederholungen sich immer neue Abweichungen und Fehler einschleichen – und wo sich vielleicht irgendwo auch ein Weg hinaus auftut.
Festgefahren im Genre
Yaron Herman: Dosierte Überraschungen

Yaron Herman: Dosierte Überraschungen

Bremen - Von Ulla Heyne. Überraschungen hat sich das Format „Musikfest Surprise“ auf die Fahnen geschrieben, das sich am Freitag, dem vierten und letzten Abend, den Pianisten Yaron Herman in die Überseestadt holte. Der Franco-Israeli war nach langjährigen Wanderungen auf Solopfaden im BLG-Forum mal wieder in Trioformation zu erleben. Überrascht dürften allerdings nur diejenigen gewesen sein, die sich vorher noch nicht mit dem aktuellen Album „Songs of the Degrees“ beschäftigt hatten. Das stand – wie zu erwarten – im Vordergrund bei dem mit gerade mal 90 Minuten eher komprimierten Auftritt des Trios in klassischer Besetzung mit Bass und Schlagzeug. Was dem Konzertgenuss im BLG-Forum allerdings keinen Abbruch tat, nehmen sich die subtil in das Werk des Franko-Israelis einfließenden Genres doch so vielfältig aus, dass man getrost in dieser Schaffensphase verhaftet bleiben darf. Wer mochte, konnte nicht nur Anklänge an Keith Jarrett erkennen, sondern in rascher Abfolge auch an Bachs Kunst der Fuge, Bluesphrasierungen oder Referenzen an das traditionelle Liedgut seiner Heimat Israel sowie das ein oder andere Liebäugeln mit Pop.
Yaron Herman: Dosierte Überraschungen
Perfekter Einklang

Perfekter Einklang

Bremen - Von Wolfgang Denker. Sie gehört zu den derzeit international erfolgreichsten deutschen Opernsängerinnen, er steht als Harfenist weltweit an allererster Stelle. Die Rede ist von Diana Damrau und Xavier de Maistre. Bereits 2012 sollten beide einen Liederabend beim Bremer Musikfest gestalten. Doch Damraus Schwangerschaft machte damals einen Strich durch die Rechnung, dafür trat dann Mojca Erdmann an ihre Stelle. Aber diesmal hat es geklappt.
Perfekter Einklang
Zwischen Orient und Okzident im BLG-Forum

Zwischen Orient und Okzident im BLG-Forum

Bremen - Von Wolfgang Denker. Seit Jahren ist es ein Markenzeichen des Bremer Musikfestes, neben den groß besetzten Abenden auch veritable Überraschungen anzubieten: Dafür steht die Reihe „Musikfest Surprise“, am Donnerstag unter dem Motto „Avital meets Sollima“ mit einem mitreißenden Konzert von Avi Avital, Giovanni Sollima und Itamar Doari.
Zwischen Orient und Okzident im BLG-Forum
Stellt tausend Tische auf!

Stellt tausend Tische auf!

Bremen - Von Rolf Stein. Es ist die eine Sache, von der Freiheit der Kunst zu sprechen, von den segensreichen Auswirkungen ihrer Zweckfreiheit – und andererseits zu verlangen, dass sie sich dem Betrachter einfach so hinzugeben hätte. Ein bisschen Nachdenken darf sie schon verlangen.
Stellt tausend Tische auf!
Nachruf auf Peter Lindbergh: Echte Momente in der Welt der Supermodels

Nachruf auf Peter Lindbergh: Echte Momente in der Welt der Supermodels

Peter Lindbergh porträtierte seine berühmten Motive so ungewöhnlich, dass man manchmal zweimal hinschauen musste. Ein Nachruf auf den Fotografen.
Nachruf auf Peter Lindbergh: Echte Momente in der Welt der Supermodels
Yazz Ahmed: Gegenbewegung zum Brexit

Yazz Ahmed: Gegenbewegung zum Brexit

Bremen - Von Rolf Stein. Dass der Jazz derzeit in Großbritannien neu erfunden wird, mag mit dem Brexit unmittelbar wenig zu tun haben, außer dass die Musiker von der Insel mit den Konsequenzen leben müssen. Wenn ein Künstler wie Shabaka Hutchings karibische Stile adaptiert und mit südafrikanischen Kollegen zusammenarbeitet oder Yazz Ahmed ihre bahrainischen Wurzeln produktiv macht, ist das derweil durchaus als Gegenentwurf zum Isolationismus und als Plädoyer für geistige Offenheit zu verstehen.
Yazz Ahmed: Gegenbewegung zum Brexit
Skandal mit Ansage? Liegt ihr nicht

Skandal mit Ansage? Liegt ihr nicht

Hannover - Von Jörg Worat. „Ich war ein Engel in einem Krippenspiel“, erinnert sich Laura Berman an einen sehr frühen Bühnenauftritt. „Und ich hatte die größten Flügel von allen.“ Im übertragenen Sinn ist dies immer noch so, allerdings hat in Sachen Spannweite ein Seitenwechsel stattgefunden: Seit 1. September hat der Ex-Engel, zuletzt als Operndirektorin in Basel tätig, die Intendanz an der hannoverschen Staatsoper inne.
Skandal mit Ansage? Liegt ihr nicht
Fast wie die Queen

Fast wie die Queen

Bremen - Von Mareike Bannasch. Weit oben schwebt die Kamera über dem Speicher XI, geht in den Sturzflug und saust an der metallenen Geigerin vorbei. Wer auf seinem Weg ins BLG-Forum die Augen zugemacht oder aus einem anderen Grund abgelenkt war, dem wird direkt vor dem Auftritt von Shayna Steele geholfen. In einem kurzen Film zeichnet das Musikfest Bremen an der Bühnenwand noch einmal den Weg ins Gebäude nach, inklusive Musikfest-Logo – falls noch Fragen aufgekommen sein sollten, wo man da gelandet ist.
Fast wie die Queen
Stürmische Liebeswirren

Stürmische Liebeswirren

Bremen - Von Markus Wilks. Wenn Teodor Currentzis dirigiert, kommt das einer Achterbahnfahrt durch die Partituren gleich: Himmlisch schöne Momente und Adrenalin pur prägten denn auch die konzertante Aufführung der Mozart-Oper „Così fan tutte“ in der Bremer Glocke; einen Tag nach der Verleihung des Musikfest-Preises an den Dirigenten. Und das Musikfest-Publikum? Erneut stehende Ovationen.
Stürmische Liebeswirren
Von wegen herzig: „Kind“ von „Peeping Tom“

Von wegen herzig: „Kind“ von „Peeping Tom“

Hannover - Von Jörg Worat. Eine Produktion namens „Kind“: Geht es da beim Festival „Tanztheater International“ einmal so recht herzig zu? Weit gefehlt – das war allerdings auch nicht zu erwarten, wenn „Peeping Tom“ ihre Finger im Spiel haben. Die belgische Truppe hat in ihrer Familien-Trilogie schon die Themenblöcke „Vater“ und „Mutter“ jeglicher Romantik beraubt und fährt jetzt beim Blick auf den Nachwuchs im Schauspielhaus Hannover die ganz finstere Schiene.
Von wegen herzig: „Kind“ von „Peeping Tom“
„Dieses Theater wird weiblicher“

„Dieses Theater wird weiblicher“

Hannover - Von Jörg Worat. Die Mutter Krankenschwester, der Vater in der Finanzbehörde tätig, und auch ansonsten glänzt in der Familie das berühmte schwarze Künstlerschaf durch Abwesenheit: „So genau“, rätselt Sonja Anders, neue Intendantin am Schauspiel Hannover, „kann ich gar nicht sagen, was mich ursprünglich zum Theater hingezogen hat. In der Schule habe ich zwar Darstellendes Spiel gewählt und beim Germanistik-Studium einen Schwerpunkt ,Theater und Medien‘. Aber das Schlüsselerlebnis war 1988 ein Praktikum am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. Ab da wusste ich – das ist es.“
„Dieses Theater wird weiblicher“
Opernabend mit Gefälle

Opernabend mit Gefälle

Oldenburg - Von Erik Hermann. Das Oldenburgische Staatstheater hat seine Kompetenz in Sachen Barockoper in den vergangenen Jahren mit Werken von Händel, Hasse oder Rameau wiederholt bewiesen. Dabei ging es immer um bedeutende Werke. Das war bei der Eröffnungspremiere der neuen Saison im Kleinen Haus nicht unbedingt der Fall.
Opernabend mit Gefälle
Heimat Bühne

Heimat Bühne

Bremen - Von Frank Schümann. Er war ein gefallener Engel in Elfriede Jelineks „Tod.krank.doc“, mannschaftsdienlicher Zuspieler in der Bremer Straßenoper, der getriebene Titelheld in Joachim Lottmanns „Endlich Kokain“ und nicht zuletzt Kaiserin Sissi in der Operette „Im weißen Rößl“. Klar, dass sich die Liste noch länger fortsetzen ließe, doch die kleine Auswahl an Rollen zeigt bereits, dass Matthieu Svetchine ein besonderer Schauspieler ist – einer, mit dem sich sehr viel machen lässt, aber auch einer, der sehr viel will – und der viel zu geben bereit ist.
Heimat Bühne
Überall Emotionen

Überall Emotionen

Bremen - Von Markus Wilks. Das an Höhepunkten wahrlich nicht arme Musikfest Bremen ist um einen Fixstern reicher: Nicole Chevalier. So souverän und unter die Haut gehend wie die Sopranistin die Titelpartie in Verdis Oper „La traviata“ interpretierte – das bleibt lange unvergessen. Aber auch die übrigen Solisten, der Musikfest-Chor (Einstudierung: Detlef Bratschke) und das Orchester Le Cercle de l‘Harmonie unter Leitung von Jérémie Rhorer machen in der Glocke aus der konzertanten Darbietung ein Erlebnis.
Überall Emotionen
Handarbeit am Klassiker

Handarbeit am Klassiker

Bremen - Von Jan-paul Koopmann. Das Metropole Orkest und Chefdirigent Jules Buckley zählen nicht nur zu den langjährigen Konstanten des Musikfests Bremen, sondern vor allem auch zu seinen absoluten Publikumslieblingen. Nicht erst seit die Künstler mit dem Musikfest-Preis geehrt wurden, zieht das Format „Musikfest Goes Overseas“ zuverlässig wahre Besucherscharen raus zum BLG-Forum in die Überseestadt – und entlässt sie in der Regel begeistert. So war es dann auch in diesem Jahr, mit einer auf (immer noch stattliche) 17 Mitglieder verknappten Big-Band-Besetzung. Und mit den beiden Stargästen natürlich.
Handarbeit am Klassiker