Ressortarchiv: Kultur

„Knausgård IV: Leben“ am Theater Bremen

„Knausgård IV: Leben“ am Theater Bremen

Bremen - Von Jens Lalore. Da ist dieser unbändige Drang nach einem intensiven Leben, der im 18-jährigen Karl Ove pulsiert. Er will durch Europa reisen, mit Frauen schlafen und Geschichten schreiben. Doch zum Reisen braucht es Geld, weshalb der frischgebackene Abiturient für ein Jahr in ein nordnorwegisches Kaff zieht, um dort als Aushilfslehrer an der Dorfschule zu unterrichten. Dort angekommen ist er einerseits euphorisiert: Endlich die erste eigene Wohnung, in der er machen kann, was er will. Andererseits ist er, der alle Autoritäten verachtet, nun etwas geworden, was er nie sein wollte: Lehrer.
„Knausgård IV: Leben“ am Theater Bremen
Bremer Generalmusikdirektor Yoel Gamzou über „Die Fledermaus“

Bremer Generalmusikdirektor Yoel Gamzou über „Die Fledermaus“

Bremen - Von Ute Schalz-Laurenze. Johann Strauß‘ 1874 in Wien uraufgeführte „Fledermaus“, eine „komische Operette“, gehört zum festen Bestandteil internationaler Opernspielpläne. Ehebruch, Intrigen, Lügen, Täuschungen prägen das an der Oberfläche lustige, auch absurde Geschehen. Der neue Generalmusikdirektor des Theater Bremen, Yoel Gamzou, pflegt Musik nicht danach zu beurteilen, zu welcher Gattung oder Stil sie gehört, sondern danach, ob sie gut oder schlecht ist. In diesem Sinne findet er von Strauß‘ Werk, es sei eins der besten der gesamten Musikgeschichte. Wir trafen ihn bei den Probenarbeiten.
Bremer Generalmusikdirektor Yoel Gamzou über „Die Fledermaus“
Der Fall aus der Rolle

Der Fall aus der Rolle

Bremen - Von Ulla Heyne. Wenn der auf Schurken abonnierte Schauspieler Ben Becker in seiner Geburtsstadt mit „Ich, Judas“ den Bösewicht schlechthin gibt, zieht das – auch nach zwei Jahren, 85 Aufführungen und dem Erscheinen des gleichnamigen Films – die Bremer in den Dom. Gleich zweimal gab Becker am Wochenende in St. Petri den größten Verräter der Geschichte.
Der Fall aus der Rolle
Herausforderung an die Hörer

Herausforderung an die Hörer

Hamburg - Von Michael Pitz-Grewenig. Das Doppelkonzert a-Moll op. 102 gehört zu jenen Kompositionen von Johannes Brahms, die nur selten aufgeführt werden. Es stellt eminente Anforderungen an beide Solisten, die weit über das rein Virtuose hinausgehen. Die Geigerin Julia Fischer und der Cellist Daniel Müller-Schott verfügen nicht nur über eine glänzende Technik, sondern verstehen sich auch prächtig, wie man bei dem Konzert im großen Saal der Elbphilharmonie unschwer erhören konnte. Da gibt es keine solistischen Eitelkeiten, sondern fabelhaft konzentriertes gemeinsames Musizieren. Kirill Petrenko und sein Bayerisches Staatsorchester sind gleichberechtigte Partner beim vollendeten Dialog mit der „achtsaitigen Riesengeige“ (so ein Bonmot vom Brahms-Biografen Max Kalbeck zur Kombination von Geige und Cello).
Herausforderung an die Hörer
Die Müh‘ ist aus

Die Müh‘ ist aus

Bremen - Von Ute Schalz-Laurenze. Scharf saß die Dissonanz am Ende der „Matthäus-Passion“ von Johann Sebastian Bach in der Aufführung durch die Capella St. Martini in Lesum unter der Leitung von Hans-Dieter Renken. Die gefeierte Aufführung mit der Bremer Ratsmusik beendete Renkens Kantorat, das er vor 17 Jahren mit demselben Werk begonnen hatte.
Die Müh‘ ist aus
Siegeszug der Schrumpfgitarre

Siegeszug der Schrumpfgitarre

Bremen - Von Ulla Heyne. Worauf soll man sich gefasst machen, wenn acht Briten zur Ukulele greifen – auf Country-Geschrabbel mit mehrstimmigem Gesang wie am Lagerfeuer? Auf Comedy? Die Antwort, die das Ukulele Orchestra of Great Britain am Donnerstagabend in der nahezu ausverkauften Bremer Glocke gab, nahm sich etwas differenzierter aus. Sicher: Das klassische Countrystück „On the Road Again“ oder der Partykracher „I’m gonna be (500 Miles)“ erfüllten alle Klischees – das war’s dann aber auch schon.
Siegeszug der Schrumpfgitarre
Thomas Schütte stellt in seiner Geburtsstadt Oldenburg aus

Thomas Schütte stellt in seiner Geburtsstadt Oldenburg aus

Oldenburg - Von Radek Krolczyk. Vor der Zentrale der Oldenburger Landessparkasse steht eine Figur von Thomas Schütte. Das liest sich wenig rühmlich – für den Künstler. Mehr Provinz geht schließlich nicht. Schütte scheint das bewusst gewesen zu sein, als er 2009 seinen fünf Meter hohen „Mann im Matsch“ auf den Platz stellte. Auch mehr Ironie gegenüber seinem Autraggeber ist schwer denkbar: Denn der Mann steht direkt vor dem Sitz einer Institution, deren Image außer „Beständigkeit“ wenig hergibt. Bis knapp unter beide Knie im Schlamm, scheinbar vollkommen orientierungslos, aber äußerst konzentriert mit einer Wünschelrute in den Händen.
Thomas Schütte stellt in seiner Geburtsstadt Oldenburg aus
Naomi Klein legt Buch über Donald Trump vor

Naomi Klein legt Buch über Donald Trump vor

Syke - Von Jan Dirk Wiewelhove. Die Vereinigten Staaten von Amerika befinden sich im Schockzustand, und zwar seit der Wahl von Donald Trump zum 45. Präsidenten. Der Schock sitzt tief, die Folgen der seit 16 Monaten andauernden Krise sind noch immer unvorhersehbar. Seit jenem Tag im November 2016 ist lediglich sicher, dass ein einzelner Tweet alles auf dem Kopf stellen kann. Die Journalistin Naomi Klein ruft deshalb in ihrem neuesten Werk „Gegen Trump“ zum aktiven Widerstand gegen die Regierung Trump auf.
Naomi Klein legt Buch über Donald Trump vor
Hannover schließt Theaterexperiment nach Fallada ab

Hannover schließt Theaterexperiment nach Fallada ab

Hannover - Von Jörg Worat. Immer eine neue Regiehandschrift, immer eine neue Ästhetik, immer ein neues Verständnis vom Stoff: „Eine Stadt will nach oben“, das große Theaterexperiment des Staatsschauspiels, ist jetzt zu Ende gegangen. Im Cumberland-Treppenhaus sind die letzten beiden Folgen der Serie zur Premiere gekommen.
Hannover schließt Theaterexperiment nach Fallada ab
Christoph Marthaler zeigt in Hamburg routiniert absurdes Theater

Christoph Marthaler zeigt in Hamburg routiniert absurdes Theater

Hamburg - Von Rolf Stein. Dass es mindestens ein bisschen dada, wenn schon nicht so richtig gaga werden würde, damit war zu rechnen. Christoph Marthaler, einer der wichtigsten Regisseure nicht nur im deutschsprachigen Theater, hatte sich schließlich Alfred Jarry vorgenommen, einen, gelinde gesagt, exzentrischen Schriftstellr des ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhunderts, dem zu Lebzeiten wenig Erfolg beschieden war. Umso mehr wirkte sein Werk auf Autoren wie Eugène Ionesco, Boris Vian und Raymond Queneau. Eine seiner bekanntesten Figuren ist König Ubu, dessen Namen Jahrzehnte später die US-Avantgarde-Punk-Band Pere Ubu übernahm.
Christoph Marthaler zeigt in Hamburg routiniert absurdes Theater
„Der Konsul“: Brutale Bürokraten

„Der Konsul“: Brutale Bürokraten

Bremerhaven - Von Rolf Stein. Es ist kalt in Deutschland – und vielleicht sind auch deswegen recht viele Plätze leergeblieben bei der Premiere von Gian Carlo Menottis Oper „Der Konsul“ am Sonnabend. Vielleicht liegt es aber doch eher daran, dass es sich dabei nicht um ein Standardwerk handelt oder manch einer vielleicht gar neutönerische Experimente erwartet – oder befürchtet. „Der Konsul“ stammt nämlich aus dem Jahr 1950.
„Der Konsul“: Brutale Bürokraten
Leipziger Buchmesse: Bunt – mit brauner Ecke

Leipziger Buchmesse: Bunt – mit brauner Ecke

Leipzig - Von Jens Laloire. Überfüllte Straßenbahnen und Straßenbahnfahrer, die es mit Humor nehmen („Willkommen in der Leipziger Kuschelbahn!“). Tausende vor allem junge Besucher, die in aufwendigen Kostümen trotz heftigen Wintereinbruchs als bunte Comicfiguren verkleidet durch die Stadt und die sechs Messehallen flanieren. Dicke Kondenswassertropfen, die vom Dach der zentralen Glashalle auf die Gäste, die Bücher und die vorlesenden Autoren klatschen.
Leipziger Buchmesse: Bunt – mit brauner Ecke
Ungeheure Bewegungsenergien

Ungeheure Bewegungsenergien

Bremen - Von Ute Schalz-Laurenze. Ein starker Abend! Und eine ungeheuer mutige Choreografie. Der Tänzer Frederik Rohn setzt mit der Truppe „Unusual Symptoms“ in seiner ersten Regiearbeit am Theater Bremen nämlich nicht auf ein kunstvolles Ineinander der sieben Tänzer, sondern auf deren Individualität und das beträchtliche tänzerische Können.
Ungeheure Bewegungsenergien
Riesen, Zwerge, Götter

Riesen, Zwerge, Götter

Hannover - Von Jörg Worat. Wenn in einem Theaterstück unter den Rollenbezeichnungen „Die ersten Menschen“, „Die schönste Frau der Welt“ sowie „Vergangenheit“, „Gegenwart“ und „Zukunft“ auftauchen, handelt es sich wohl um einen großen Stoff.
Riesen, Zwerge, Götter
Eine musikalische Offenbarung

Eine musikalische Offenbarung

Oldenburg - Von Wolfgnag Denker. Wer kennt den polnischen Komponisten Roman Statkowski (1859 bis 1925) und seine Oper „Maria“? Wohl kaum jemand. In Deutschland ist dieses Werk 112 Jahre nach seiner Uraufführung (1906 in Warschau) nun zum ersten Mal in Oldenburg zu sehen. Eine Ausgrabung, die in jeder Hinsicht lohnend ist. Das gilt für das Werk ebenson für die Umsetzung am Staatstheater.
Eine musikalische Offenbarung
Syowia Kyambi in der Galerie Mitte

Syowia Kyambi in der Galerie Mitte

Bremen - Von Radek Krolczyk. In der Galerie Mitte hat die deutsch-kenianische Künstlerin Syowia Kyambi aus mehreren Spiegeln und Bekleidung eine begehbare Installation gebaut, einen Parcours, in dem die Besucher mit dem Fremden und dem Eigenen konfrontiert werden.
Syowia Kyambi in der Galerie Mitte
Wiener Juwelen

Wiener Juwelen

Bremen - Von Ute Schalz-Laurenze. Als Wolfgang Amadeus Mozart sein erstes Violinkonzert in B-Dur, KV 207, schrieb, war er gerade einmal 16 Jahre alt, hatte aber schon für Mailand „Mitridate“ und „Lucio Silla“ komponiert. Mit enormem Schwung – vielleicht manchmal etwas zu grob und zu laut – spielte jetzt die Deutsche Kammerphilharmonie unter der Leitung von Paavo Järvi das melodienselige Werk.
Wiener Juwelen
Gesellschaft für Aktuelle Kunst Bremen zeigt Arbeiten zum 25. Videokunstförderpreis

Gesellschaft für Aktuelle Kunst Bremen zeigt Arbeiten zum 25. Videokunstförderpreis

Bremen - Von Mareike Bannasch. „Millionenfach fotografiert – einmal kopiert – nie erreicht“: ein schmissiger Spruch, der Lust auf mehr macht. Das glaubt zumindest das Stadtmarketing von Hallstatt. Das 800-Seelen-Dorf liegt im österreichischen Salzkammergut und ist vor allem bei asiatischen Touristen sehr beliebt. Sie fallen jeden Sommer zu Zehntausenden in die pittoresken Gassen ein – und halten alles Erlebte für die Nachwelt fest.
Gesellschaft für Aktuelle Kunst Bremen zeigt Arbeiten zum 25. Videokunstförderpreis
Volker März zeigt in Bremen „Horizontalist (der Affe fällt nicht weit vom Stamm)“

Volker März zeigt in Bremen „Horizontalist (der Affe fällt nicht weit vom Stamm)“

Bremen - Von Rolf Stein. Zum Presstermin ist noch nicht einmal alles fertig aufgebaut, und doch hat „Horizontalist (der Affe fällt nicht weit vom Stamm)“, eine Ausstellung von Volker März, bereits die räumlichen Grenzen des Gerhard-Marcks-Hauses gesprengt, das die Schau gemeinsam mit dem Berliner Georg-Kolbe-Museum auf die Beine gestellt hat. Die rund zwei Meter langen Objekte, die wie Radiergummis aussehen und auf dem Teil der Wallanlagen hinter dem Bildhauermuseum schwimmen, gehören nämlich dazu.
Volker März zeigt in Bremen „Horizontalist (der Affe fällt nicht weit vom Stamm)“
Weserburg zeigt Teile der Sammlung der polnischen Signum Foundation

Weserburg zeigt Teile der Sammlung der polnischen Signum Foundation

Bremen - Von Mareike Bannasch. Es gibt Menschen, die können das Ticken der Zeiger nicht hören. Nicht etwa, weil sie taub wären. Nein, das monotone Geräusch macht ihnen Angst. Weil es weit mehr ist, als ein Resultat mechanischer Abläufe. Das Ticken steht für Vergänglichkeit – wieder eine Sekunde, die wir einfach verplempert haben. In der wir mit unserem Leben kein Stück vorangekommen sind.
Weserburg zeigt Teile der Sammlung der polnischen Signum Foundation
Staatsschauspiel Hannover spielt Kling

Staatsschauspiel Hannover spielt Kling

Hannover - Von Jörg Worat. Wäre es nicht eine feine Sache, wenn Rechner unser Leben gestalten würden? Rechner, die unser Persönlichkeitsprofil so gut kennen, dass sie alles für uns aussuchen – Partner, Restaurants und auch Waren, von deren elementarer Wichtigkeit wir womöglich bislang noch gar nichts wussten? Autor Marc-Uwe Kling beschreibt diese genau genommen gar nicht völlig utopische Zukunftsvision in seinem Roman „Qualityland“. Das Staatsschauspiel Hannover brachte jetzt die Theaterfassung im Ballhof für Menschen ab 15 Jahren zur Uraufführung. Regisseur Malte C. Lachmann hat mit den „Känguru-Chroniken“ desselben Autors in Hannover einigen Erfolg gehabt. Ob der sich mit dem neuen Projekt wiederholt, darf allerdings bezweifelt werden. In der Premiere steckte zumindest streckenweise kräftig der Wurm.
Staatsschauspiel Hannover spielt Kling
„Effi Briest (27)“ am Theater Bremen

„Effi Briest (27)“ am Theater Bremen

Bremen - Von Rolf Stein. Vor Jahr und Tag hatte die Regisseurin Leonie Böhm „Unterwerfung“ nach Michel Houellebecq einer Gender-Rosskur, nun ja, unterworfen, was den kontroversen Roman um zentrale Dimensionen brachte.
„Effi Briest (27)“ am Theater Bremen
Alize Zandwijk inszeniert „Die Ratten“ am Theater Bremen

Alize Zandwijk inszeniert „Die Ratten“ am Theater Bremen

Bremen - Von Corinna Laubach. Kurz vor dem tragischen Ende fallen die staccatohaften Satzfragmente, die das Gesehene nicht besser zusammenfassen könnten: „Alles morsch hier, alles faul.“ Das ganze erlogene Leben basiert auf einem brüchigen Fundament. Frau John bleibt in der logischen Konsequenz nur der Selbstmord. So will es Gerhart Hauptmann in seiner Tragikomödie „Die Ratten“.
Alize Zandwijk inszeniert „Die Ratten“ am Theater Bremen
Bremer Musikfest: Vorverkauf gestartet

Bremer Musikfest: Vorverkauf gestartet

Bremen - Von Rolf Stein. Es gehört zu den Routinen im Kulturjahr: Das Team des Bremer Musikfests lädt ein, um die Eröffnung des Vorverkaufs und das Programm zu verkünden, das in diesem Jahr am 25. August mit einer „Großen Nachtmusik“ rund um den Bremer Marktplatz eröffnet wird.
Bremer Musikfest: Vorverkauf gestartet
Schlackenlos ins Jenseits

Schlackenlos ins Jenseits

Hamburg - Von Michael Pitz-Grewenig. Der niederländische Dirigent Bernard Haitink und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks sind alte Bekannte: Wenige Tag nach seinem 89. Geburtstag dirigierte Haitink nun im ausverkauften großen Saal der Elbphilharmonie Johannes Brahms‘ „Ein deutsches Requiem“.
Schlackenlos ins Jenseits
Shakespeare Company: „Tiyatro BeReZe“ zeigt eine eigenwillige „Macbeth“-Version

Shakespeare Company: „Tiyatro BeReZe“ zeigt eine eigenwillige „Macbeth“-Version

Bremen - Von Jens Laloire. Aktuell wimmelt es in der Welt der Politik wieder einmal nur so von skrupellosen Staatsmännern, die die Macht komplett an sich reißen wollen. Manche von ihnen sind auch bereit, dafür über Leichen zu gehen; solange es dem eigenen Machterhalt dient, scheint alles erlaubt. So gesehen passt Shakespeares „Macbeth“ wunderbar in unsere Zeit.
Shakespeare Company: „Tiyatro BeReZe“ zeigt eine eigenwillige „Macbeth“-Version
Levin Handschuhs zeitgenössisches Musiktheater

Levin Handschuhs zeitgenössisches Musiktheater

Bremen - Von Jan-Paul Koopmann. Gute Laune war ja auch wirklich nicht zu erwarten. Finster und trostlos sollte er werden, dieser musikalische Ausflug in die inneren Räume, eine Konfrontation mit dem verkorksten Selbst inmitten verdrängter Erinnerungen.
Levin Handschuhs zeitgenössisches Musiktheater
Am Ende alle wie tot

Am Ende alle wie tot

Hamburg - Von Wolfgang Denker. Über Giuseppe Verdis „Messa da Requiem“ gibt es das Bonmot, dieses Requiem sei Verdis beste Oper. Und Hans von Bülow bezeichnete das Werk einst gar als „Oper im Priestergewand“. Aber das bezieht sich natürlich auf die Musik, es gibt ja keine eigentliche Handlung. Eine solche hat der Regisseur Calixto Bieito auch nicht erfunden. Er beschränkt sich darauf, die Abschnitte des Requiems assoziativ zu bebildern. Und wer hier nun Exzesse und skandalträchtige Phantasien erwartet, wird enttäuscht. Selten hat sich Bieito bei einer Inszenierung so zahm gegeben wie hier – zum Glück für die Musik, die sich unter der Leitung von Kevin John Edusei in ihrer ganzen Pracht entfalten kann. Edusei und das Philharmonische Staatsorchester offerieren eine breite dynamische Palette, die von zartesten Geigentönen bis zu den machtvoll aufgebauten Klängen des Jüngsten Gerichts reicht. Eindrucksvoll der Klang der von oben tönenden Posaunen, berührend das innige Flehen um Gnade. Der Chor zeigt sich dabei in imponierender Bestform. Eberhard Friedrich hat einmal mehr hervorragende Arbeit geleistet. Auch bei den Solisten gibt es durchweg gute und homogene Leistungen. Maria Bengtsson überzeugt mit ihrem lyrischen Sopran weitgehend, obwohl man manche Passagen schon schwebender und ätherischer gehört hat. Nadezhda Karyazina führt einen glutvollen Mezzo ins Feld, Dmytro Popov glänzt nicht nur bein „Ingemisco“ mit kraftvollem, höhensicherem Tenor, Gábor Bretz sorgt mit seinem schlanken Bass für reinstes Balsam.
Am Ende alle wie tot
Hans Joachim Hespos: „Macht Dinge, die ihr nicht könnt“

Hans Joachim Hespos: „Macht Dinge, die ihr nicht könnt“

Ganderkesee - Von Ute Schalz-Laurenze. Heute wird der Komponist Hans Joachim Hespos aus Ganderkesee, bis heute Enfant terrible der Neuen Musik, 80 Jahre alt. Sein Gesamtwerk ist in der Berliner Akademie für Künste archiviert. Zeit für einen Rückblick.
Hans Joachim Hespos: „Macht Dinge, die ihr nicht könnt“
Alles wird anders werden

Alles wird anders werden

Bremen - Von Jan-Paul Koopmann. Wenn in einer Kunstausstellung scheppernd was zu Boden fällt, ist das selten Grund zur Freude. Tim Reinecke strahlt trotzdem, als er hört, wie sich seine Skulptur zerlegt. Er lässt den Blick kurz durch die Galerie des Künstlerhauses wandern, auf der Suche nach der Stelle, wo jetzt schon wieder was abgebrochen ist. Das Poltern gehört dazu: Reineckes Arbeiten in der Schau „Beyond Thrill“ sollen und werden sich in den nächsten Wochen auflösen.
Alles wird anders werden
Zwischen plakativ und witzig: Hip-Hop mit 187 Strassenbande

Zwischen plakativ und witzig: Hip-Hop mit 187 Strassenbande

Bremen - Von Gareth Joswig. Ein Konzert der Hip-Hop-Truppe (Vorsicht: Eigenschreibweise) 187 Strassenbande ist wie Kurzurlaub in einer Stadt, in die man niemals wollte: Ein paar Stunden hält man das vielleicht aus, aber leben möchte man dort nicht. Viele Gangsta-Rap-Fans im ausverkauften Pier 2 in Bremen fühlen sich jedoch offenbar ganz wie zuhause: Auffällig hoch ist die Quote stiernackiger Halbstarker, die gehen, als hätten sie Rasierklingen unter ihren Achseln.
Zwischen plakativ und witzig: Hip-Hop mit 187 Strassenbande
Das „jazzahead!“-Festival feiert vom 6. bis 22. April Polens Kultur

Das „jazzahead!“-Festival feiert vom 6. bis 22. April Polens Kultur

Bremen - Von Mareike Bannasch. 100 Jahre ist die Unabhängigkeit Polens jetzt her, Grund genug für unsere Nachbarn, diesen Meilenstein in den kommenden Monaten mit zahlreichen Veranstaltungen zu feiern. Doch nicht nur das: Polen ist außerdem auch Gastland des 13. „jazzahead!“-Festivals. Vom 6. bis 22. April gibt es als Vorlauf zur dreitägigen Fachmesse bei rund 100 Konzerten, Lesungen, Filmen und Ausstellungen etliche Möglichkeiten, das Land an der Ostsee näher kennenzulernen.
Das „jazzahead!“-Festival feiert vom 6. bis 22. April Polens Kultur
Niederländische Geheimnisse in der Kunsthalle Bremen

Niederländische Geheimnisse in der Kunsthalle Bremen

Bremen - Von Mareike Bannasch. Vier Jahre Geduld, unzählige Arbeitsstunden und jede Menge Fingerspitzengefühl hat es gebraucht, nun sind sie zu sehen: rund 180 Zeichnungen niederländischer Altmeister – ein kleiner Teil der rund 950 Arbeiten umfassenden Bremer Sammlung. Unter dem Titel „Kühles Licht und weite See“ gibt die Kunsthalle nicht nur einen Einblick in einen bisher unbekannten Teil des Bestands. Sie rückt auch jenen Aspekt der musealen Aufgaben in den Vordergrund, der vor allem im Verborgenen geschieht: die Pflege und Konservierung der Kunstwerke.
Niederländische Geheimnisse in der Kunsthalle Bremen
Mehr als nur Fundament

Mehr als nur Fundament

Bremen - Von Ulla Heyne. Zwei Musiker, eingehüllt in rosa Nebelschwaden, aus dem Off wummern Synthesizer-Beats, dazu gibt es live den zehn Jahre alten Britney-Spears-Hit „Scream and Shout“ – ist das noch Jazz? Zumindest sind die beiden Herrn, die sich am Donnerstagabend in Bremen ein Stelldichein geben, große Namen der deutschen Jazzszene.
Mehr als nur Fundament
Vom Rätsel einer Freundschaft

Vom Rätsel einer Freundschaft

Berlin - Von Katia Backhaus. Der vierte und letzte Band der neapolitanischen Saga von Elena Ferrante zeigt endgültig, was die insgesamt mehr als 2 200 Seiten nicht sind: ein Roman über eine rosarote Frauenfreundschaft. Denn die Beziehung, die die Hauptfiguren Elena und Lila verbindet, ist oft brutal, hart und kalt. Trotzdem ist sie unantastbar.
Vom Rätsel einer Freundschaft
Sprengel-Museum Hannover: Auf der Suche nach der Fälschung

Sprengel-Museum Hannover: Auf der Suche nach der Fälschung

Hannover - Von Jörg Worat. Zunehmend gehen Museen in die Offensive – peinliche Themen, über die früher lieber der Mantel des Schweigens gebreitet wurde, können nun sogar explizit Gegenstand eigener Ausstellungen werden.
Sprengel-Museum Hannover: Auf der Suche nach der Fälschung