Ressortarchiv: Kultur

Buh-Konzert: Bayreuther "Siegfried" fällt durch

Buh-Konzert: Bayreuther "Siegfried" fällt durch

Bayreuth - Beim „Rheingold“ blieb es ruhig im Publikum, bei der „Walküre“ auch - Applaus statt Protest für Frank Castorfs Version von Richard Wagners „Ring des Nibelungen“. Nach dem „Siegfried“ aber platzt Teilen des Publikums der Kragen.
Buh-Konzert: Bayreuther "Siegfried" fällt durch
Ohne die üblichen Lügen

Ohne die üblichen Lügen

Syke - Von Rolf Stein. Der legendäre britische Radio-DJ John Peel soll sich notorisch darüber hinweggemogelt haben, den Namen der von ihm geschätzten australischen Punk-Band Hard-Ons klar und deutlich auszusprechen, wenn er einen ihrer Songs anmoderierte. Verständlich vielleicht: „Hard-on“ ist nämlich ein eher zotiger englischer Ausdruck für eine Erektion.
Ohne die üblichen Lügen
Japanische Kunst: Subversion und Alltag

Japanische Kunst: Subversion und Alltag

Hamburg - Von Jan-Paul Koopmann. Selbst wenn dieser Holzschnitt eigens als Pointe für diese Ausstellung gekauft worden sein sollte – besser hätte Hamburgs Museum für Kunst und Gewerbe (MKG) sein Geld kaum anlegen können.
Japanische Kunst: Subversion und Alltag
Geistige Leere auf knirschendem Sand

Geistige Leere auf knirschendem Sand

Bremen - Von Jan-Paul Koopmann. Stundenlang im Stau zu stehen, um danach mit den anderen Verschwitzten um das letzte Fleckchen Sand am Strand zu rangeln – es ist kein Wunder, dass die Figuren im Comic „Rein in die Fluten!“ nicht allein Ausgeglichenheit an den Tag legen. Dabei geht es den fanzösischen Künstlern David Prudhomme und Pascal Rabaté doch gerade um Entspannung und die Folgen: um eine Gesellschaft, die in Gluthitze und ohne sinnvolle Beschäftigung erst so richtig zu sich kommt.
Geistige Leere auf knirschendem Sand
Medienkünstlerin Karen Russo beschäftigt sich mit Bernhard Hoetger 

Medienkünstlerin Karen Russo beschäftigt sich mit Bernhard Hoetger 

Worpswede - Von Radek Krolczyk. In der Großen Kunstschau Worpswede ist derzeit eine Werkschau des deutschen Künstlers Bernhard Hoetger (1874 bis 1949) zu sehen. Im Rahmen dieser Ausstellung kommentiert die israelische Medienkünstlerin Karen Russo in zwei Videoarbeiten den ideologischen Gehalt der architektonischen Entwürfe Hoetgers und des Hauses Atlantis in der Bremer Böttcherstraße – einer nur scheinbar unpolitischen Touristenattraktion.
Medienkünstlerin Karen Russo beschäftigt sich mit Bernhard Hoetger 

Es glänzt nicht nur das „Schafe Maria“

Oldenburg - Von Corinna Laubach. Der Rasen in Nachbars Garten ist bekanntlich grüner als der eigene. Der Traum vom besseren Leben macht auch vor einer hungrigen Wolfsfamilie nicht halt. Die besseren Wälder versprechen ein paradiesisches Dasein voller Lammrippchen. So die Wunschvorstellung. In der Realität verliert der kleine Wolf auf der Flucht seine Eltern und landet bei einem kinderlosen Schafpaar. Liebevoll ziehen sie Ziehsohn Ferdinand (Johannes Lange) groß, machen aus ihm einen begeisterten Vegetarier, der beherzt in die Kohlköpfe beißt und als bestens integriertes Ersatzschaf in der Kirche mit seinem „Schafe Maria“ für rührselige Tränen sorgt. - Von Corinna Laubach.
Es glänzt nicht nur das „Schafe Maria“
„Hätte gern mehr Frauen auf der Bühne“

„Hätte gern mehr Frauen auf der Bühne“

Dangast - Von Sven Franzek. Noch relativ neu im Festival-Kalender der Region ist das „Watt En Schlick“-Festival, das von Freitag bis Sonntag zum dritten Mal in Dangast gefeiert wird: mit Musik, Lesungen und Kulturkino direkt am Meer. Festivalleiter Till Krägeloh gibt Einblicke in die Festivalarbeit.
„Hätte gern mehr Frauen auf der Bühne“
Zwischen den Stühlen

Zwischen den Stühlen

Syke - Von Rolf Stein. „Ich glaube, in summa war es wohl das ärgste Jahr in meinem nicht eben an argen Jahren armen Leben“, heißt es im Tagebuch von Erich Mühsam unter dem Datum 31. Dezember 1921.
Zwischen den Stühlen
Boom-Boom-Banksy

Boom-Boom-Banksy

Amsterdam - Von Matthias Freese. Ein wenig kitschig wirken sie ja schon – die mit dem Wind tanzenden Luftballons in Herzform, die da an der schwarzen Metall-Pforte der alten Jugendstil-Villa festgebunden sind. Doch sie sind ein starkes Symbol, schließlich ist der rote Ballon das zentrale Element in dem wohl bekanntesten Werk des britischen Streetart-Künstlers Banksy.
Boom-Boom-Banksy
Virtuose Schwebehaltung

Virtuose Schwebehaltung

Syke - Von Rolf Stein. „Nicht Rio, die Sprache hat Georg Horvath verstimmt“, heißt es in „Georg Horvath ist verstimmt“, einer der Geschichten des landauf, landab vollkommen zu recht bejubelten Bandes „Fallensteller“ von Sasa Stanisic, Empfänger einiger der wichtigsten Literaturpreise, die es, im Lande gibt. Verstimmt hat Georg Horvath nicht Sprache an sich. Eher eine Schlampigkeit, die sich in abgewetzten Bildern niederschlägt. Zum Beispiel: „Ein Meer der Lichter“. Horvath will ein solches in dem nächtlichen Rio de Janeiro, das er aus dem Fenster eines Flugzeugs sieht, nicht erkennen. „Auch ein Meer aus Licht hätte Tiefe und wäre nicht gepunktet, sondern bestünde aus einer durchgehenden hellen Fläche“, sinniert er. Und überlegt, wie es denn sonst beschrieben werden könnte. „Lichterteppich“? Aber: „Kein Teppich war uneben.“
Virtuose Schwebehaltung
„Gold ist nicht anspruchsvoll“

„Gold ist nicht anspruchsvoll“

Kalkriese - Von Elmar Stephan. Ihr Arbeitszimmer ist ein schmaler, rechteckiger Raum. Regale, drei Arbeitstische, Strahlkabinen an den Seiten. Aus den geöffneten Fenstern sind Kinder zu hören, die übers Museumsgelände tollen. Christiane Matz ist seit zwölf Jahren Chefin in diesem Reich: Die 44-Jährige ist Diplom-Restauratorin im archäologischen Museum Kalkriese bei Osnabrück.
„Gold ist nicht anspruchsvoll“
Handarbeit: Die Spuren der Flex

Handarbeit: Die Spuren der Flex

Bremen - Von Radek Krolczyk. Das Atelier von Dietrich Heller liegt im Hafengebiet von Gröpelingen. Der Name der nächstgelegenen Haltstelle klingt sehr kolonial: Kap Horn. Manches erinnert zwar noch immer an die alte Seehandelsstadt – Spediteure, Weinhändler und Fassfabrikanten verfolgen von dort aus ihre Geschäfte. Doch wie das so ist im Spätkapitalismus, haben auch dort in den letzten Jahren Produktionsstätten ihre Hallen geräumt. Eingezogen sind stattdessen Kreative, Musiker und Künstler.
Handarbeit: Die Spuren der Flex
Mudhoney spielen im Lagerhaus

Mudhoney spielen im Lagerhaus

Bremen - Von Rolf Stein. Vor vier Jahren erschien eine DVD, die den ersten Auftritt der Band Mudhoney auf europäischem Boden dokumentiert. 1988 waren sie zu den ersten Berlin Independence Days eingeladen, einer vom Musikjournalisten Wolfgang Doebeling initiierten Musikmesse, die bis 1993 jährlich in Berlin stattfand.
Mudhoney spielen im Lagerhaus
Zwei Fotos – jeden Tag

Zwei Fotos – jeden Tag

Hamburg - Von Carola Große-Wilde. Turnschuhsammler, jüngster Sammler aller Zeiten: Rik Reinking muss lachen, wenn er diese Beschreibungen über sich liest. „Ich konnte damit immer gut leben, weil ich dachte: Das erledigt sich ja von alleine. Viel schwieriger wäre, wenn es ein Attribut gewesen wäre, das ich aufrechterhalten muss“, sagt der 40-Jährige und lehnt sich entspannt auf seinem Sofa zurück.
Zwei Fotos – jeden Tag
Hochwertige Umstände

Hochwertige Umstände

Bremen - Von Ulla Heyne. Mit Bandwettbewerben ist das ja so eine Sache: Jeder will sie als Sprungbrett für eine (möglichst internationale) Karriere in der professionellen Musik – die wenigen, die tatsächlich dort angekommen sind, lassen sie in ihrer Vita gern mal unter den Tisch fallen. Ein Wettbewerb, der in Bremen auf mehrere Jahrzehnte Tradition zurückblickt und sich im Lauf der Zeit immer wieder gewandelt hat, ist „Live in Bremen“, der zuletzt Faakmarwin hervorgebracht hat.
Hochwertige Umstände
Tobias Venditti und Esther Buttersack spielen mit den Dimensionen

Tobias Venditti und Esther Buttersack spielen mit den Dimensionen

Bremen - Von Mareike Bannasch. Schrilles Pfeifen schrillt durch den kleinen Galerieraum, wird immer lauter bevor es schließlich abebbt – und nur noch Stille zurückbleibt. Endlich. Doch dem Besucher ist nur ein kurzer Moment ohne Misstöne vergönnt, denn schon bald ist das Quietschen wieder da. Woher die Töne kommen? Keine Ahnung, zumindest für den Moment. Denn es dauert eine ganze Weile, bis der Besucher die Mechanik hinter der Installation von Tobias Venditti durchschaut hat.
Tobias Venditti und Esther Buttersack spielen mit den Dimensionen
Der Teufel im Flussbett

Der Teufel im Flussbett

Langenhagen - Von Radek Krolczyk. Aus Hamburg hört man seit den frühen 90er-Jahren immer wieder von den Aktionen einer Künstlergruppe mit dem seltsamen Namen „Galerie für Landschaftskunst“ (GFLK). Eine Galerie im eigentlichen, kommerziellen Sinne ist es nicht, auch wenn sie über Jahre im Galerienhaus in der Admiralitätsstraße ihre Räume hatte. Den Aktionen dieser Gruppe widmet zurzeit der Kunstverein Langenhagen eine sehr sehenswerte Ausstellung.
Der Teufel im Flussbett
Das Markenzeichen: Kulturelles Crossover

Das Markenzeichen: Kulturelles Crossover

Hannover - Von Jörg Worat. Es ist ein schöner Brauch: Mitten im kulturell kargen Sommer gibt es einen Ausblick auf die Eröffnung der neuen Kultursaison in Hannover. Die nämlich bestreitet das Festival „Tanztheater International“, dessen Programm nun bekanntgegeben wurde. Vom 1. bis zum 10. September sind bei dieser 31. Ausgabe der Veranstaltungsreihe elf Aufführungen von acht Produktionen an sechs Spielstätten angesagt.
Das Markenzeichen: Kulturelles Crossover
Umfassender geht’s kaum

Umfassender geht’s kaum

Hannover - Von Jörg Worat. Zwei nackte Hintern, zwei französische Zeichner, zwei britische Thematiken: wie sich doch manche Bilder gleichen. Jean Veber versah 1901 den entblößten Po des „schamlosen Albion“ mit den Gesichtszügen von König Eduard VII. (und handelte sich damit ein Gerichtsverfahren ein). 115 Jahre später lüftete die Zeitschrift „Charlie Hebdo“ als Kommentar zum „Brexit“ den Rock der Queen. Beide Darstellungen gehören zu den rund 200 Exponaten in der neuen Ausstellung des Wilhelm-Busch-Museums: „Caricatures. Spott und Humor in Frankreich von 1700 bis in die Gegenwart“.
Umfassender geht’s kaum
Schwer was los

Schwer was los

Hamburg - Von Ute Schalz-Laurenze. Mehr als 50 Opern hat Georg Philipp Telemann geschrieben, davon circa 25 in seiner Zeit als Direktor des Hamburger Theaters am Gänsemarkt (1721 bis 1738). Die meisten sind verschollen, wenige fragmentarisch erhalten und von anderen gibt es nur noch Arien. Es ist also gar nicht klar, wie sein 1736 uraufgeführter „Orpheus“ aussah, den es in diesem Jahr gleich zweimal gibt: Die konzertante Uraufführung im Frühjahr 1736 hieß „Die wunderbare Beständigkeit der Liebe oder Orpheus“ und die ein halbes Jahr später szenisch aufgeführte Fassung „Die rachbegierige Liebe oder Orasia“.
Schwer was los
Opernhaus in Bayreuth wird restauriert

Opernhaus in Bayreuth wird restauriert

Bayreuth - Das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth gehört zum Weltkulturerbe der Unesco. Seit 2012 wird das hinter einer schlichten Sandsteinfassade verborgene barocke Schmuckstück restauriert - eine Mammutaufgabe.
Opernhaus in Bayreuth wird restauriert
Aristokratische Arroganz

Aristokratische Arroganz

Bad Hersfeld - Als Sandy Mölling am Ende etwas verlegen vor das Publikum trat, schwoll der ohnehin starke Schlussapplaus noch einmal kräftig an. Für ihre bislang größte Hauptrolle in einem Musical bekam die ehemalige Sängerin der No Angels viel Anerkennung. Den Part der Eliza Doolittle in „My Fair Lady“ bewältigte die 35-Jährige bei den Bad Hersfelder Festspielen mit Bravour. „Ich bin ja keine gelernte Musical-Darstellerin oder Schauspielerin, daher war es anspruchsvoll“, sagte sie nach der überzeugenden Premiere vor rund 1200 Zuschauern in der ausverkauften Stiftsruine.
Aristokratische Arroganz
Bekehrung der Hexe

Bekehrung der Hexe

Weyhe - Von Bernd Warnsloh. Medicus und Wanderhure waren einmal. Die neue große Familien-Saga kommt aus Polen. Diese Prognose wagt jedenfalls der Bremer Stefan Obronczka (67), nachdem er das Erstlingswerk von Joanna Zamejc gelesen hat, den historischen Roman „Nawrocenie Wiedzmy“ – was auf Deutsch etwa „Die Bekehrung der Hexe“ bedeutet.
Bekehrung der Hexe
Trondheim: Der Anfang ist das Ziel

Trondheim: Der Anfang ist das Ziel

Trondheim - Von Inken Quebe. Während Großbritannien in diesem Jahr der 90. Geburtstag der Queen gefühlt alle drei Wochen aufs Neue feiert und dafür Zehntausende die Straßen säumen, nimmt der Norweger Jubiläen seiner Monarchen deutlich gelassener zur Kenntnis.
Trondheim: Der Anfang ist das Ziel
Marvel krempelt sein Universum um

Marvel krempelt sein Universum um

Bremen - Von Jan-Paul Koopmann. Nach dem Weltuntergang ist vor dem Weltuntergang. Auch wenn sonst alles anders geworden ist: „All New All Different“ ist Titel und Versprechen diverser Serienneustarts, mit denen Comic-Riese Marvel sein Universum umkrempelt: Ab sofort liegt „Avengers 1“ auf Deutsch im Handel, direkt neben dem neuen ersten „Spider-Man“ und „X-Men“. Für Neu- und Wiedereinsteiger in das populärste aller Comicgenres dürfte damit gerade der günstigsten Moment seit vielen Jahren sein.
Marvel krempelt sein Universum um
Kunstbesessen und großzügig

Kunstbesessen und großzügig

Bremen - Von Sabine Komm. Uwe Hollweg, auch heute in Sakko mit Einstecktuch, gönnt sich im Büro eine kubanische Zigarre, während seine Frau durch das Privatmuseum gegenüber der Kunsthalle Bremen führt. „Hier dieses fantastische Farbdripping des Kaliforniers Sam Francis“, sagt die Bremerin, „und dort die übermalten Selbstporträts von Richard Hamilton.“ Diese Serie des britischen Pop-Art-Künstlers habe viel gekostet, aber ihr Mann habe schnell ja gesagt. Bei solchen Summen sei er entscheidungsfreudiger als sie.
Kunstbesessen und großzügig
Vier gewinnt statt Flunky Ball

Vier gewinnt statt Flunky Ball

Luhmühlen - Von Ulla Heyne. Ein vergleichsweise junger Spieler auf dem immer unüberschaubareren Feld norddeutscher Festivals ist das „A Summers Tale“ in Luhmühlen, das im vorigen Jahr erstmals auf dem ebenso malerischen wie ausladenden Gelände des örtlichen Reitvereins über drei Bühnen und diverse andere Spielstätten ging. Ein alter Hase hingegen ist der Veranstalter, FKP Scorpio, der auch für Mega-Musikspektakel wie das Hurricane verantwortlich zeichnet.
Vier gewinnt statt Flunky Ball
Essen ist Heimat

Essen ist Heimat

Bremen - „Das Essen ist fertig!“: So wird noch immer in etlichen Familien zur Mahlzeit gerufen. Nicht nur in der Republik, sondern weltweit – in den jeweiligen Landessprachen, versteht sich. Doch dieser universelle Spruch ist vielmehr als ein Aufruf zum Essenfassen: Er inspirierte außerdem den in Nigeria geborene Künstler Emeka Ogboh zu ihrer Rauminstallation „The Continental Entrée“. Aktuell ist die Arbeit in der Kunsthalle Bremen zu sehen – und wurde nun mit dem Kunstpreis der Böttcherstraße ausgezeichnet.
Essen ist Heimat
Unsichtbare Förderer

Unsichtbare Förderer

Berlin - Von Nada Weigelt. Dass für ein Kunstmuseum aus dem Stand 200 Millionen Euro lockergemacht werden, ist wahrlich kein Normalfall. In Berlin ist die spektakuläre Entscheidung des Bundestags von 2014 letztlich drei Sammlern zu verdanken, die schon lange auf eine angemessene Präsentation ihrer millionenschweren Bestände gedrängt haben. Derzeit läuft der Architektenwettbewerb, 2022 soll das neue Museum der Moderne eröffnen.
Unsichtbare Förderer