Anwalt geht weiter gegen die Lila Eule vor

Zwei Klagen und jede Menge Vorwürfe

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100 Dezibel dürfen es laut Stadtamt bei Livekonzerten in der Lila Eule sein.

Bremen – Von Pascal Faltermann. Lärmmessungen, Analysen, Richtwerte und doch nimmt alles kein Ende. Der Streit um die Lautstärke des Bremer Clubs Lila Eule weitet sich aus, obwohl es bereits erste Regelungen gibt.

Der Anwohner-Anwalt Andreas Reich geht nicht nur mit zwei Klagen gegen die Diskothek vor, er unterstellt zudem dem Stadtamt mangelnde Neutralität und bemängelt das Lärm-Gutachten zur Lila Eule.

Es dreht sich derzeit um zwei juristische Fälle. Einerseits um die Aufhebung der Sperrzeit für die Studentennacht in der Lila Eule von Donnerstag auf Freitag. Andererseits klagt die Anwohnerin seit Mitte Juli gegen die Regelung des Stadtamtes, dass Livemusik in der Eule erlaubt ist, wenn auf der Tanzfläche 100 Dezibel nicht überschritten werden.

Zur Sperrzeit für die Studentennacht hatte das Verwaltungsgericht Mitte Mai vorläufig beschlossen, dass die Diskothek durchgehend öffnen darf. Doch die Frau, die zwei Häuser neben der Eule wohnt, geht mit ihrem Anwalt gegen diesen Beschluss vor. Somit liegt die Entscheidung mittlerweile beim Oberverwaltungsgericht (OVG). Friedemann Traub, Pressesprecher des OVG, bestätigte dies. „Das Gericht will alsbald darüber entscheiden“, so Traub. Es bestehe die Chance, dass es noch in diesem Jahr ein Urteil gibt. Mündlich oder gar öffentlich wird diese Entscheidung nicht verhandelt.

Musik braucht Lautstärke, um zu wirken, doch wann dies dann zu Lärm oder Krach wird beziehungsweise wann eine zumutbare Lärmgrenze erreicht ist, haben die Eule-Betreiber Fuat Ates und Michael Pietsch mit mehreren Messungen versucht zu bestimmen. Sie engagierten einen staatlich anerkannten Akustik-Ingenieur und auch das Stadtamt nahm eine Messung vor. Ein Limiter wurde in die Musikanlage der Diskothek eingebaut, um die Lautstärke auf etwa 100 Dezibel zu begrenzen. Insgesamt haben die Club-Chefs einen höheren fünfstelligen Betrag in ihre Maßnahmen gesteckt. Das reichte der Gegenseite nicht. Ende Juni schien sich eine mögliche Regelung abzuzeichnen. Der vereidigte Sachverständige Stefan Nave, ein von der Handelskammer bestellter Diplom-Ingenieur für Geräuschemissionen, nahm Schallmessungen vor. Darauf hatte man sich geeinigt. Mit vor Ort waren alle Parteien: die Klägerin und ihr Anwalt, die beiden Betreiber der Lila Eule und ihr Rechtsanwalt Nicolai Rosin sowie das Stadtamt. Dabei stellte der Sachverständige fest, dass bei 100 Dezibel auf der Tanzfläche der Lila Eule im Wohnraum der Klägerin ein Geräuschpegel von 23 Dezibel ankommt - das entspricht leisem Flüstern oder dem Ticken einer Armbanduhr. Bis 22 Uhr sind in dem Gebiet 35 Dezibel zugelassen.

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Livemusik am liebsten leise

Daraufhin hatte das Stadtamt in der zweiten Juliwoche die Erlaubnis der Lila Eule geändert. Livemusik ist demnach in der Eule erlaubt, wenn auf der Tanzfläche 100 Dezibel nicht überschritten werden. „Mit dieser Regelung konnte man gut leben“, sagt Stadtamtsleiterin Marita Wessel-Niepel. Aber gegen genau diese Auflage geht Anwohner-Anwalt Reich beim Verwaltungsgericht vor. Er wirft dem Stadtamt mangelnde Neutralität vor, da die Tiefenfrequenzen, die im Gutachten erwähnt seien, nicht beachtet werden. „Diese sind schwerer hörbar, dafür aber im Körper fühlbar“, erklärt Reich. Er bemängelt zudem das Gutachten des Sachverständigen Nave. „Er hat Fehler bei den Messungen eingebaut“, sagt Reich. Es sei ein Musikstück mit gedämpften Schlagzeug abgespielt worden, die Messung bei seiner Mandantin habe in der Mitte des Raumes stattgefunden. Außerdem merkt er an, dass die Eule-Betreiber die Messungen in Auftrag gegeben haben. Vorwürfe, die sein Pendant Rosin nicht verstehen kann: „Sachlicher geht das Gutachten doch nicht.“

Auf die Frage, ob er selbst ein Gutachten in Auftrag geben möchte, sagt Reich, dass dies eine Möglichkeit sei. Michael Pietsch von der Eule erklärt dazu, dass es gerne ein Gutachten der anderen Seite geben könne. Er könne sowieso nicht verstehen warum in ihrem Fall keine Unschuldvermutung gilt und sie in der Beweispflicht seien.

Den Vorwurf, dass die Nachbarin die Lila Eule am liebsten geschlossen sehen würden, versucht Reich zu entkräften. Auf Nachfrage, was das Ziel seiner Mandantin sei, sagt er, dass sie sich einen Zustand wie vor 2010 wünsche, als es angeblich noch keine Studentennacht gegeben habe und es mehr Ruhe gab. Stadtamtsleiterin Wessel-Niepel und Pietsch, der seit zwölf Jahren in der Eule arbeitet, widersprechen: Die Studentennacht bis in den Morgen hinein habe es lange davor gegeben. „Allerdings ohne eingebauten Limiter, ohne dass unsere Türsteher die Menschen von der Straße geschickt haben, ohne dass die Straße gefegt wurde und deren Hauseingänge freigeräumt wurden“, so Pietsch. In den 80ern, 90ern und 00er habe es in der Bernhardstraße mehr Durchlauf und mehr Publikum gegeben.

Zum aktuell laufenden Verfahren wollen sich die Eule-Betreiber und ihr Anwalt Rosin übrigens nicht äußern. Nur soviel: „Wir haben alle Fakten. Die Notwendigkeit einer weiteren Begutachtung halte ich nicht für notwendig“, so Rosin. Er wünscht sich, dass es zu einer Einigung kommt und alles in „ruhigerem Fahrwasser“ weitergehe.

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