Deutsch-tschechische Doppelausstellung zum Ersten Weltkrieg in Bremen

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Tilman Rothermel: „Man trifft sich“ ·
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Tilman Rothermel: „Man trifft sich“ ·

Bremen - Von Andreas Schnell. Die Frage sei gewesen, was denn die bildenden Künste eigentlich zu einem solchen Thema sagen könnten, erzählt Dolf Bissinger, einer der 25 Künstlerinnen und Künstler, die ihre Arbeiten in der Ausstellung „Man spricht vom Krieg“ zeigen.

Eine Frage, die im Laufe der Vorbereitung bei regelmäßigen Zusammenkünften ebenso diskutiert wurde wie Ansätze und Arbeiten der Beteiligten, die im „Projekt Bremen-Böhmen nicht zum ersten Mal an einer gemeinsamen Ausstellung arbeiteten.

Dass dabei nicht so etwas wie eine gemeinsame Sichtweise entstanden ist, verwundert kaum. Das hat seinen Grund allerdings nicht nur in der Größe des Themas, sondern auch in der Zusammensetzung der Künstlergruppe, die, wie Bissinger sagt, so „gestrickt“ sei, dass jeder bereit sei, die Vorstellungen der anderen zu akzeptieren, Konkurrenzdenken gebe es nicht. So zeichnet sich „Man spricht vom Krieg“ durch eine Vielheit von Arbeitsweisen aus, von unterschiedlichen Abstraktionsebenen und Ansätzen und erschafft so doch ein Bild, das weit über Betroffenheitsgesten hinausgeht.

So hat sich die Schriftstellerin Angelika Sinn in einem Künstlerbuch und bedruckten Bandagen des Attentäters von Sarajevo angenommen, auch er ein Opfer des Krieges, zu jung, um zum Tode verurteilt zu werden, gestorben 1918 im böhmischen Theresienstadt, später ein berüchtigtes Konzentrationslager, an Tuberkulose. Ein politischer Mörder, der seinen eigenen Tod einkalkuliert hatte – aber eben auch ein Mensch.

Auf politisch höchster Symbolebene arbeitet Susanne Bollenhagen, die sich mit den Hoheitszeichen der Zeit, mit den Wappen der Monarchie Österreich-Ungarn auseinandersetzt, einem Vielvölkerstaat, der nach dem Krieg zusammenschrumpfte auf die Republik Österreich. Der Erste Weltkrieg ist ohne den nationalen Gedanken nicht zu fassen, der seinen Ausdruck auch in konkreten Symbolen findet.

Rosa Jaisli arbeitet das auf andere Weise heraus: Wie Piktogramme wirken die Silhouetten von Panzern, Kanonen und U-Booten, die gleich am Eingang der Ausstellungsräume in der Friesenstraße an der Wand hängen, was die Brutalität des Gezeigten paradoxerweise eher verstärkt als verringert.

Die individuellen Ansätze lenkten den Blick bei den Recherchen zum Thema nicht selten auch auf die eigene Familiengeschichte. Beinahe lapidar zeigt Bissingers „Interieur“ in zwei Gemälden Familienfotos auf einer Kommode, unter anderem den eigenen Großvater mit Trauerflor. Und trotz aller Fragmentarik durchzieht die Ausstellung dann doch eine politische Haltung, die Bissinger „antinationalistisch, antiimperialistisch, antmilitaristisch“ nennt. Und leider erscheint das auch heute wieder einmal beklemmend aktuell.

Nachdem „Man spricht vom Krieg“ in Bremen zu sehen war, zieht die Ausstellung nach Prag, Benesov, Wien, Sarajevo und Berlin. Auch das Ausdruck einer Haltung, die über politische Grenzen hinweg das Verbindende sucht.

„Man spricht vom Krieg“, Eröffnung: heute, 18 Uhr, Atelierhaus Friesenstraße, Friesenstr. 30, Bremen. 20.30 Uhr, Galerie am Schwarzen Meer, Am Schwarzen Meer 119, Bremen, Ausstellung: 22. März bis 13. April

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