AnnenMayKantereit begeistern bei neunten Dockville-Festival

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Festivalbesucher feiern im Morgengrauen.

Hamburg - Von Inga Radel. Rund 140 internationale Bands und DJs treten auf den sechs Bühnen des Kunst- und Musikfestivals MS Dockville auf. Bis zu 25000 Besucher erwarten die Veranstalter - und viel Sonne. Das gute Wetter ist auch Grund für einen Wandel bei den Accessoires.

AnnenMayKantereit. Diesen Bandnamen kann man sich kaum merken. Man sollte es aber. Die drei Kölner Newcomer waren am späten Freitagabend wohl der vorweggenommene Höhepunkt des Dockville-Festivalwochenendes. Obwohl die Anfang-Zwanziger parallel zu den New Yorker Headlinern Interpol auftraten, quetschte sich vor der zweitgrößten Bühne „Vorschot“ eine textsichere und tanzwütige Masse. Und diese kam auch auf ihre Kosten bei AnnenMayKantereits besonderer Mischung aus Rock, Pop, Blues und Ska. Für kollektive Gänsehaut vor der Kulisse des Hamburger Hafens sorgte Sänger Henning May in einer sternenklaren Sommernacht während der Zugabe, als er allein am Keyboard die Ballade „Barfuß am Klavier“ spielte.

May zog mit seiner rauen Power-Stimme die Feierlustigen in seinen Bann. Er wird schon als neuer Rio Reiser gefeiert. „Ich finde es schön, wenn Menschen meine Stimme besonders finden. Aber für mich ist es halt meine Stimme“, sagte er backstage mit blauem Anorak und Kapuze auf dem Kopf. May wirkt zu jung und schmal für diese Stimme. „Den Kontrast zum Äußeren finden viele interessant“, meinte er.

Der Bandname setzt sich aus den Gründungsmitgliedern Christopher Annen (Gitarre, Mundharmonika), Henning May (Gesang, Klavier, Akkordeon) und Severin Kantereit (Schlagzeug) zusammen. Das Trio, das sich nur eigenproduziert oder per Crowdfunding finanziert, trifft mit seinen Liedern wie „Wohin du gehst“, „Oft gefragt“ (Mays Vater gewidmet) und „Mitbewohner“ einen Generationsnerv. Ob sie die Band seien, die in Deutschland bald durch die Decke geht? May: „Durch-die-Decke-gehen ist kein schöner Begriff, wir haben Geduld.“

Im Outdoor-Backstagebereich saß in loungigen Strandstühlen auch die Indie-Folk-Band Bear's Den. Ihren Auftritt hatten die vollbärtigen Londoner um 18.20 Uhr, nach Mitternacht tranken sie dort noch Whiskey. Auch die Musiker mögen die gechillte Atmosphäre auf dem brachliegenden Hafenareal am Reiherstieg. Das Festival hat sich bei seiner neunten Auflage längst europaweit einen Namen gemacht.

An einem speziellen, verwunschenen Ort legte der DJ-Newcomer Felix Jaehn auf. Zwischen bunt angestrahlten Bäumen trat der gebürtige Hamburger in einer Art offenen Holzscheune auf, die Bühne heißt „Nest“. Eine Vogel-Indianerpfahl-Kunstinstallation ragte daneben aus dem Boden, im Gestrüpp versteckt war eine Bar. Jaehn trug ein weißes T-Shirt. Schlicht für einen, der mit „Cheerleader“ einen weltweiten Chartmegaerfolg feierte und mit „Ain't Nobody (Loves Me Better)“ einen der Sommerhits gelandet hat. Auch Jaehns Mittanzen mit vielen in die Luft gepumpten Fäusten offenbart noch keine Weltstarattitüde. Der 20-Jährige kümmert sich sogar sympathisch um seine Jünger, geht vor sein Mischpult und wirft Wasserflaschen in die Menge.

Dockville-Festival in Hamburg

Mit den Headlinern Interpol und der Kölner Newcomerband AnnenMayKantereit als Highlights hat am Freitag das Kunst- und Musikfestival MS Dockville auf der Elbinsel Wilhelmsburg begonnen. © dpa
Mit den Headlinern Interpol und der Kölner Newcomerband AnnenMayKantereit als Highlights hat am Freitag das Kunst- und Musikfestival MS Dockville auf der Elbinsel Wilhelmsburg begonnen. © dpa
Mit den Headlinern Interpol und der Kölner Newcomerband AnnenMayKantereit als Highlights hat am Freitag das Kunst- und Musikfestival MS Dockville auf der Elbinsel Wilhelmsburg begonnen. © dpa
Mit den Headlinern Interpol und der Kölner Newcomerband AnnenMayKantereit als Highlights hat am Freitag das Kunst- und Musikfestival MS Dockville auf der Elbinsel Wilhelmsburg begonnen. © dpa
Mit den Headlinern Interpol und der Kölner Newcomerband AnnenMayKantereit als Highlights hat am Freitag das Kunst- und Musikfestival MS Dockville auf der Elbinsel Wilhelmsburg begonnen. © dpa
Mit den Headlinern Interpol und der Kölner Newcomerband AnnenMayKantereit als Highlights hat am Freitag das Kunst- und Musikfestival MS Dockville auf der Elbinsel Wilhelmsburg begonnen. © dpa
Mit den Headlinern Interpol und der Kölner Newcomerband AnnenMayKantereit als Highlights hat am Freitag das Kunst- und Musikfestival MS Dockville auf der Elbinsel Wilhelmsburg begonnen. © dpa

Wasserflaschen und Sonnencreme waren beim diesjährigen MS Dockville essenzielles Accessoires. Im Gegensatz zum Vorjahr, als sich einige sogar in Neoprenanzüge zwängten. Bis Sonntag erwarten die Veranstalter zwischen 22 000 und 25 000 Besucher auf dem Gelände. Zum Vergleich: Bei der Premiere 2007 waren es 5000. Und auch die Kostüme und Mitbringsel überbieten sich jedes Jahr an Kreativität und Kuriosität. Einhörner sah man überall, als Jumpsuit, als Mütze, als Helium-Ballon oder als Kuscheltier mit Lichterkette an einer Stange. Auch schnöde Steckenpferde wippten vor den Bühnen umher.

dpa

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