Andersens „Die keine Meerjungfrau“ als „Klangoper“ am Theater Bremen

Bedingungslos geliebt

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Wunderschön unterschiedliche Welten: Pia Salome Bohnert ist die kleine Meerjungfrau.

Bremen - Von Ute Schalz-Laurenze. Hans Christian Andersens 1837 entstandenes Märchen „Die kleine Meerjungfrau“ hat zahlreich Spuren in der Kunst hinterlassen, in der Musik, der Literatur, im Film, im Tanz.

2007 brachte John Neumeier in Hamburg ein umjubeltes Ballett heraus und nun präsentiert das Theater Bremen eine ganz andere Arbeit aus Hamburg: die Uraufführung einer Regie-Abschlussarbeit der Theaterakademie. „Die kleine Meerjungfrau“ ist ein spartenübergreifender Gattungszwitter zwischen Schauspiel mit viel Musik und einer richtigen Oper – es wird viel gesungen. Der Untertitel „Klangoper“ ist denkbar unpassend, eher ein weißer Schimmel. Die merkwürdige Begrifflichkeit stammt von tschechischen Regisseurin Vendula Nováková, die damit nicht das Geschehen komponieren will, wie sie sagt, sondern „das Geschehen selbst zur Musik zu machen“. Na ja, was auch immer damit gemeint ist, zu hören ist das nicht.

Seit ihrer Kindheit ist Nováková berührt vom Schicksal der so bedingungslos liebenden Meerjungfrau, die alles wagt und mit dem Tod bezahlt. Sie lässt sich in einen Menschen verwandeln und verliebt sich in Prinz Hans, wohl wissend, dass sie nicht zurück kann. Hans jedoch verliebt sich in eine andere, menschliche Prinzessin. Die Meerjungfrau verzichtet darauf, ihn zu töten. Denn das wäre die Bedingung für die Wiederaufnahme in der Wasserwelt: „Hier gibt es kein Leid“, singt die Großmutter.

In einem sehr geschickt gebauten Bühnenbild (Nora Husman) zwischen Wasser – silberne Röhren, die wellenartig reflektieren – und Erde – verschieden große Holztische – entwickelt sich das Drama. In charakteristischen Bewegungen und Kostümen (Claudio Pohle) sind die Welten kontrastreich dargestellt, im Hintergrund sitzt die Musikgruppe mit einem Blockflötenquartett und dem Schlagzeug, beweglich dazwischen die Oboe und das Horn. Großartig aus der Meereswelt: Katharina Rikus als mächtige Großmutter, die mit ihrem Eingangsmonolog – Text ist nicht zu verstehen – so eine Art Schicksalsgöttin ist. Ihre Musik kann als archaisch wirkender Janacék angesehen werden.

Pia Salome Bohnert als Meerjungfrau bietet eine glänzend bewältigte anspruchsvolle Sopranpartie und ist ergreifend in ihrem Willen und ihrer Verzweiflung. Cedric von Bories als Hans ist eine Sprechrolle, voller Zauber seine Unbekümmertheit und Rücksichtslosigkeit. Dass die Welten so wunderschön zu unterscheiden sind, ohne dass je der belehrende Holzhammer geschwungen wird, ist auch einer hervorragenden Lichtarbeit (Daniel Dominguez Teruel) zu verdanken. Und damit gelingt ein aktuelles Gleichnis über das Andere, das Fremde und paradox wirkende Sehnsüchte.

Die Musik ist eine Gemeinschaftskomposition der Tschechin Anna Mikolajková und des Columbianers Sergio Vásquez Carillo, ihr Klangcharakter ist eine schlagzeuglastige Mischung aus dem etwas altertümlich wirkenden Blockflötenton, verfremdender Elektronik, stimmungsvollen synthetischen Klängen und folkloristischen Anklängen. Dort hinein repräsentieren die großen Gesangspartien europäische Operngeschichte. Die Musik wird kompetent geleitet von Daniel Moreira. Ein interessanter und lohnenswerter Abend.

Die kommenden Aufführungen: am 14. und 15. Juli um 20 Uhr im Theater Bremen, kleines Haus.

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